Beim Familienartikel drehen sich Argumente oft um die hohen Kosten. Doch das eigentliche Problem ist die soziale Ungerechtigkeit die gefördert wird.

Der Familienartikel möchte allen Eltern die Wahlfreiheit geben, wie ihre Kinder betreut werden. Dabei wird oft das Argument der bedürftigen Familien erwähnt. Das ganze scheint mir jedoch etwas scheinheilig, da in Tat und Wahrheit nicht Familien unterstützt, sondern Fremdbetreuung gefördert wird.

Mit dem Familienartikel, wird dem Staat die Kompetenz erteilt dafür zu sorgen, dass jede Familie ihre Kinder fremdbetreuen lassen können. Das heisst Kinderkrippen und Tagesstrukturen werden für alle verbilligt. Doch was ist mit den bedürftigen Familien, die ihre Kinder selber betreuen wollen? Die werden steuerlich gezwungen ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen. Denn mit einer höheren Staatsquote erhöht sich auch die Steuerlast. Dadurch, die Selbstbetreuung im Gegensatz zur Fremdbetreuung nicht subventioniert wird, bleibt den bedürftigen Familien in Tat und Wahrheit nur eine Chance. Und zwar ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen.

Ich gestehe ein, die Familie ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Gesellschaft. Doch wenn wir die Familie staatlich fördern wollen, dann müssen wir dies für alle Familien tun. Würde man für alle Familien die Familienzulagen etwas erhöhen und für bedürftige Familien Ergänzungsleistungen geben (wie sie Beispielsweise der Kanton Solothurn kennt), können Eltern selber entscheiden, ob sie mit dem zusätzlichen Geld die Kosten für Fremdbetreuung zahlen, ob sie es als Ausgleich nutzen um auf ein zweites Erwerbseinkommen zu verzichten oder ob sie beispielsweise einen Familienurlaub oder Musikunterricht damit finanzieren.

So wie der Familienartikel jetzt dasteht werden auf Verfassungsebene Familienmodelle gegeneinander ausgespielt. Alle Eltern, die ihre Kinder Teilzeit oder ganz betreuen, werden faktisch diskriminiert. Doch diese Arbeit ist genauso wichtig, wenn nicht wichtiger für die gesunde Entwicklung der Kinder.

Meiner Meinung nach, soll es Entscheidung aller Eltern sein, wie sie ihre Kinder betreuen. Ob beide Eltern 100% oder beide 50% oder nur ein Elternteil 100% und das andere Elternteil 0% arbeitet soll in dem Entscheidungs- und Ermessungsfreiheit beider Eltern liegen. Der Staat darf hier keine künstliche Anreize schaffen um Doppelverdiener zu fördern.

Deshalb bin ich entschieden gegen den unsozialen und illiberalen Familienartikel.

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