Dual find ich phänomenal

Im Dezember letzten Jahres lag die Jugendarbeitslosenquote (www.seco.admin.ch) bei 3,6 %. Diese liegt knapp über dem Wert der allgemeinen Arbeitslosenquote. Vergleiche ich diesen Wert mit anderen europäischen Ländern, wird deutlich, dass die Jugendlichen in der Schweiz einen höheren Beschäftigungsgrad aufweisen als beispielsweise in den Nachbarländern. Österreich und Deutschland liegen bei ungefähr 8 %. Für mich stellt sich weniger die Frage, warum die Quote in diesen Ländern höher ist, vielmehr ist es interessant, sich zu fragen, warum sie bei uns so tief ist.
Zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz absolvieren eine Berufslehre. Im dualen System mit den Lernorten Schule und Betrieb erwerben sie nach 2 bis 4 Jahren das Berufsattest oder das Fähigkeitszeugnis. Dieses System ist wohl der Erfolgsgarant für die Schweiz. Die Anzahl der Berufslernenden bei den einzelnen Berufen wird durch die Betriebe und Verbände mitbestimmt, so dass der jeweilige Bedarf an künftigen Arbeitskräften gedeckt werden kann.
Im Betrieb werden die Jugendlichen im praktischen Bereich geschult, begleitet werden sie in dieser Zeit von den zuständigen Berufsbildnern. Es gilt am Anfang die jungen Menschen an die Arbeitswelt heranzuführen und dann diese Schritt für Schritt zu guten Berufsleuten auszubilden. Der Fokus liegt bei den für die Ausübung des Berufs notwendigen Kompetenzen. Neben den fachlichen Fähigkeiten sollen die Selbst- und Sozialkompetenz auch nicht zu kurz kommen. Um all dies zu erreichen braucht es gut ausgebildete Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, welche besonders auch im Alltagsstress über die nötigen Ressourcen verfügen, um sich den Berufslernenden zu widmen. Die Betriebe bilden zwar Berufsleute für ihre Branche aus, jedoch nehmen sie auch die soziale Verantwortung wahr. Deswegen soll der Staat für Lehrbetriebe günstige Rahmenbedingungen schaffen und diese auch gezielt unterstützen.
Den zweiten Pfeiler dieses Systems stellt die Berufsschule dar. Im fachlichen Bereich wird auf praktische Art und Weise handlungsorientiert theoretisches Grundwissen erarbeitet, welches die Berufslernenden im Idealfall zeitlich abgeglichen in ihren Betrieben anwenden können. Im allgemeinbildenden Unterricht werden den Lernenden die Werkzeuge mit auf den Weg gegeben, um an der Gestaltung der Gesellschaft teilhaben zu können und um Verantwortung für diese zu übernehmen.
Das Berufsbildungssystem der Schweiz bietet nicht nur eine hervorragende Grundbildung sondern stärkt auch das lebenslange Lernen. Die Durchlässigkeit der Bildungslandschaft gibt den jungen Menschen die Möglichkeit, nach der Berufslehre sich in höheren Fachschulen und Fachhochschulen weiterzubilden. Das ist ein weiterer wichtiger Faktor, welcher zu einem hohen Beschäftigungsgrad bei jungen Menschen führt.
Man soll sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen, es gilt das System weiterzuentwickeln und stetig zu verbessern. Damit unser Berufsbildungssystem weiterhin so erfolgreich bleibt, setze ich mich für folgende Punkte ein:

• Lernstarke Jugendliche sollen die schulische Ausbildung verkürzt absolvieren können, so dass sie beispielsweise im letzten Lehrjahr vollends im Betrieb integriert wären. Davon könnten insbesondere die Betriebe profitieren.

• Bei der Rekrutierung von Berufslernenden können mit einer grösseren Sorgfalt bei der Auswahl und mit neuen Vorgehensweisen Lehrabbrüche vermieden werden. Anonymisierte Bewerbungsverfahren steigern die Wahrscheinlichkeit, dass die jungen Menschen die passende Lehrstelle und die Lehrbetriebe die geeigneten Lernenden finden. KV Schweiz empfiehlt die Ausweitung solch eines Projekts, nicht nur weil es die Chancengleichheit fördert, sondern weil alle Beteiligten davon profitieren.

• Ebenso tragen die Unternehmen auch eine soziale Verantwortung. Es gilt nicht nur Ausbildungsplätze für das eidgenössische Berufsattest zu schaffen, wichtig ist es ebenso, dass diese Ausbildung auch eine Weiterbeschäftigung nach der Lehre ermöglicht und von Seiten der Unternehmen eine Wertschätzung erfährt. Unser Berufsbildungssystem sollte nicht nur für die leistungsstarken Jugendlichen mit einem intakten sozialen Umfeld eine Chance sein, sondern auch für diejenigen einen Platz bieten, welche aus unterschiedlichen Gründen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Auch in Zukunft sollen möglichst viele junge Menschen nach einer erfolgreichen Ausbildung eine Anstellung finden. Unser Berufsbildungssystem trägt seinen Teil dazu bei, jedoch gilt es, dieses weiterzuentwickeln. Alle Beteiligten sind gefordert, damit dual weiter phänomenal bleibt.

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