Warum die Minderinitiative besser ist als der Gegenvorschlag

Ich wurde gebeten meinen Kommentar als eigenes Thema nochmals zu veröffentlichen, was ich hiermit tue.

Auch wenn es viel Text ist, ist es dennoch eine verkürzte Form meiner ganz persönlichen Argumentation.
Hier meine Argumente warum ich die Minderinitiative besser finde als den Gegenvorschlag:

  1. Bei der MI wird der VR jedes Jahr gewählt. Ich halte dies für besser. Wenn die Aktionäre unzufrieden sind können sie den VR austauschen. Warum ein VR sich nicht einmal im Jahr einer Wiederwahl stellen soll erschliesst sich mir nicht. Die Herren verdienen ohne operativ tätig zu sein für ein paar Sitzungen im Jahr Millionen. Unfähige VR und oder Manager sehen niemals Fehler ein. Sie klammern sich an ihr Amt und an ihre Pfründe. Klar dass die lieber nur alle 2-3 Jahre gewählt werden. Ein sicheres Mandat für mehrere Jahre. Mit der jährlichen Wahl können gröbere Fehler eher korrigiert werden. Ospel sah sich selber ja auch nie als Problem, sondern als Teil der Lösung. Was daraus wurde haben wir alle gesehen. Es könnte gut sein, dass sich Ospel mit dem neuen Minder-Recht nicht so lange hätte halten können.
  2. Die Initiative verbietet Abgangsentschädigungen, aber auch andere Sonderzahlungen wie Antrittsprämien oder Vergütungen für Firmenkäufe und -verkäufe. Warum soll ein Manager noch eine Abgangsentschädigung erhalten? Sagten nicht gerade die Manager früher stets, dass ihre Löhne unter anderem so hoch seien, weil sie stets das Risiko tragen, bei einem Abgang für eine längere Zeit keine Arbeit zu finden? Nachdem sich die Abgangsentschädigung etabliert hatten, erfanden die Manager dann noch die Antrittsprämie. Was kommt danach? Die Sesselkleberprämie? Dass sich die Manager Prämien bezahlen wenn sie eine Firma kaufen ist der Gipfel der Frechheit. Das ist schlicht und ergreifend Teil ihres Job's. Wenn der normale Angestellte einfach nur seinen Job macht kriegt er auch keine Prämien welche ein mehrfaches ihres normlen Lohnes ausmachen. Das gehört verboten. In der Vergangenheit wurden tausende von Firmenübernahmen getätigt. Bei jeder Übernahme haben sich die Organe (VR und Management) persönlich schamlos bereichert. Manchmal kam es vor, dass eine Fusion scheiterte, weil die Manager der zu übernehmenden Firma mehr Prämien wollten. Bekamen sie aus ihrer Sicht zuwenig Prämie, dann scheiterte die Fusion. Ist das im Interesse einer Firma und deren Aktionäre? Nein! Hinzu kommt dann noch die Tatsache, dass sich die Firmenübernahmen in 80% aller Fälle nur für die Abzocker gelohnt hat. Für die Firmen und Aktionäre wurde in 80%!! kein Mehrwert generiert. Warum wohl? Weil die Fusionen nur den Managern Geld bringen sollte und nicht der Firma die ihren Lohn bezahlt.
  3. PK's müssen ihr Stimmrecht ausüben, im Gegenvorschlag nicht. Warum ich dies gut finde habe ich in diesem Thema schon mehrfach dargelegt. Wir müssen alternativlos unser Geld einer PK geben. Ich finde das falsch. Aber es ist so, ich MUSS. Wenn ich also schon muss, dann soll der Typ der mit meinem Geld spielen darf und fett dabei verdient auch seinen Job erledigen. Einfach nur die Titel des SMI kaufen und dann in der Nase boren kann jeder. Ich darf wohl mehr erwarten von jemandem den ICH bezahle damit er mit MEINEM Geld spielt. Immerhin werde ich gezwungen der PK mein Geld zu geben. Wenn die PK ihre Stimmrechte nur über Depotvertreter ausübt, welche ihrerseits immer den Empfehlungen des VR folgen, so wählt sich der VR via Depotstimmen de facto selbst.
  4. Elektronische Fernabstimmungen müssen künftig möglich sein. Das vergrössert die Erreichbarkeit der Aktionäre. Die die keine Zeit haben persönlich an der GV zu erscheinen können ihre Stimme über den PC abgeben. Bislang haben PK's und viele Kleinaktionäre einfach nur einem Depotvertreter ihre Stimme abgetreten. Der Depotvertreter wiederum ist einfach nur den Empfehlungen des Management/VR gefolgt. Mit Aktionärsdemokratie hat das nichts zu tun. Stellen Sie sich vor, 1 Million Bürger würden ihre Stimme an mich abtreten und ich wähle dann für die immer genau so wie es der Bundesrat empfiehlt. Würde das ausser dem Bundesrat irgend jemand wollen? Diese Depotstimmen sind mit ein Grund, warum sich die Unfähigen solange an der Macht halten können.
  5. Wie viel die Führungskräfte kassieren, wie lange die Arbeitsverträge der Geschäftsleitungsmitglieder laufen und an welche Regeln sie sich halten müssen, wollen die Initianten in den Statuten der Firmen festschreiben. Beim Gegenvorschlag werden die entscheidenden Punkte im Vergütungsreglement geregelt, das von den Aktionären genehmigt werden muss. Wie schon an anderer Stelle von mir bemerkt, sind die Vergütungsreglemente derart verklausuliert, dass nur noch Spezialisten die Folgen abschätzen können. Ein Normalbürger wird ein solches Reglement niemals verstehen. Daher ist es klar besser, dass diese Punkte in den Statuten geregelt werden. Für Laien: Über die einzelnen Punkten der Statuten entscheidet die Generalversammlung, also die Aktionäre. Statuten können auch jederzeit wieder geändert werden. Auch hier ein klarer Punkt für die MI.
  6. Die Initiative verbietet die Praxis, dass Führungskräfte bei einem anderen Unternehmen der gleichen Firmengruppe einen Arbeits- oder Beratungsvertrag erhalten. Somit soll eine verdeckte Zusatzvergütung verhindert werden. Aus meiner Sicht absolut richtig. Immerhin kassieren die Leute Millionen, da brauchen sie nicht noch Zusatzgeld aus diversen Tochter-und Schwesterfirmen. Wenn den Managern die Millionen aus dem Hauptjob nicht reichen, dann sollen die wie jeder andere Mansch auch, selber eine Firma mit eigenem Geld gründen. Dann zocken sie wenigstens nur sich selber ab. Beim Gegenvorschlag dürfen die Manager weiterhin überall ihre Taschen füllen.
  7. Die Statuten legen fest, wie viele Mandate bei anderen Firmen die Führungskräfte annehmen dürfen. Das ist doch nichts als normal. Kein Arbeitnehmer darf nebst seinem Job ohne Einwilligung des Chefs noch in anderen Firmen arbeiten. Dass die Aktionäre bestimmen was erlaubt ist und was nicht ist richtig. Theoretisch wäre es mit dem Gegenvorschlag möglich, dass jemand in 2 Firmen an der Macht ist, die sich gegenseitig konkurieren. Auch hier: Wenn jemand Millionen erhält hat er seine Arbeitskraft zur Hauptsache dafür einzusetzen. Es muss Sache der Besitzer (Aktionäre) sein zu bestimmen was ihre obersten Fürhungsgremien für Nebentätiogkeiten ausüben dürfen. Eigentlich normal oder?
  8. Die Initiative sieht bei Widerhandlungen gegen die Vorschriften Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen in einer Höhe von bis zu sechs Jahresvergütungen vor. Nur wenn die Manager eine Strafe zu befürchten haben werden sie sich im Zaum halten. Im Gegenvorschalg können sich Fehlbare sicher wähnen, von Strafe keine Rede. Wer erwischt wird muss höchstens ungerechtfertigte Bezüge zurück geben. So im Stil: Lass uns ein wenig klauen, wenn sie uns erwischen gegeben wir es zurück, aber ins Gefängnis müssen wir ja eh nicht. Das ist eine klare Aufforderung es zu versuchen.
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