Blocher in der Abzocker-Waschmaschine

Hää? Wie ist dieser Titel zu verstehen? Politik ist wie Wellenreiten. Themen kommen wellenartig. Einzelne Politiker verstehen, diese zu reiten. Obama wurde der amerikanische Präsident, weil die USA von einer Welle der Antipathie gegen Bush und dem weissen Establishment erfasst wurden. „I Have a Dream“ von Martin Luther King wurde erhört, weil die Zeit reif für die Rechte der Schwarzen war.

So funktioniert auch die Schweizer Politik. James Schwarzenbach surfte in den 70er die Überfremdungswelle und gelangte mit seiner „Schwarzenbach-Initiative“ zur nationalen Berühmtheit. Die Grünen wurden mit dem Waldsterben bekannt und Michael Dreher nahm die nachfolgende Welle das Anti-Waldsterben.

Manche Wellen sind nur von kurzer Dauer. Von Dreher hören sie nichts mehr. Die Grünen haben es geschafft, eine grössere Welle zu nehmen den Umweltschutz. So machte es auch Blocher. Zum ersten Mal stellte er sich in den 80er gegen ein neues Familienbild der gleichberechtigten Frau. Dieses Thema war für die Schweiz aber gegessen und Blocher musste auf eine neue Welle warten. Die kam 1992 – und was für eine. Blocher surfte die Anti-EU Welle äusserst erfolgreich. Dazu nahm er immer wieder auch die Anti-Establishment Welle. Wir gegen die da oben in Bern.

Weil das Thema EU Mittlerweilen abgeflaut ist, verlor Blocher an Wichtigkeit. Kein Wunder schaute er sich nach neuen Möglichkeiten um. Und da war eine Welle, die von einem unbekannten Thomas Minder gesurft wurde, die Anti-Abzocker Welle. Anfangs versuchte sich Blocher noch darauf. Doch eine Surfregel besagt; „don’t drop in“. Ist schon einer auf der Welle, hat man sich zurückzuhalten. Surfer können dabei ungemütlich werden, wenn einem jemand die Welle stehlen will. Und Minder wurde ungemütlich. Er stoss Blocher kurzerhand von der Welle runter. So deutlich, dass Blocher gestern in die Waschmaschine kam. Eine Waschmaschine ist, wenn einem die Welle „durchnudelt“. Und das passierte Blocher. Seine Zürcher SVP erteilte ihm eine mächtige Schlappe und sagte Ja zur Minderinitiative.

Dies entbehrt nicht einer besonderen Ironie. Blocher wurde nicht als Industrieller reich. Blocher wurde als Abzocker reich. Blochers Busenfreund Martin Ebner erkannte in den 80er, wie Pensionskassen in den USA mächtig Geld verdienten. Diese kauften sich mit kleinen Anteilen in eine grosse Firma mit tiefer Rendite ein. Danach machten sie an Aktionärsversammlungen mächtig Stunk, entliessen Leute, teilten Firmen auf und kassierten gross ab. Ebner und Blocher surften diese Welle in der Schweiz. Mit ihren „Visionen“ der BZ Trust, führten sie die hohen Saläre für Verwaltungsratsmandate in der Schweiz ein und die beiden scheffelten Milliarden. Sie waren der Inbegriff der Abzocker.

Blocher versuchte noch kurz die Anti-Abzocker Welle zu surfen, doch da war schon einer drauf und das Meer scheint eine Gerechtigkeit zu kennen, so ganz gegen seine Abzockermentalität konnte sich dann Blocher doch nicht wehren und landete in der Abzocker-Waschmaschine.

Politiker, Unternehmer und Menschen im Allgemeinen können vom Surfen eines mitnehmen, Bescheidenheit. Denn selten bist es du alleine, der so erfolgreich ist, es ist die Welle, die dich nach vorne trägt - dein Job ist es, die richtige Welle zu erkennen und sie galant zu surfen. Auch eine Leistung.

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