Wir müssen nationalstaatliche Grenzen überwinden und lernen, globalverantwortlich zu Denken. Um dies umsetzen zu können, brauchen wir ein Weltparlament.

Wir leben in einer Welt, in der alles mit allem irgendwie zusammenhängt und jeder von jedem auf die eine oder andere Art abhängig ist. Die Wirtschaft agiert global - über alle nationalstaatlichen Grenzen hinweg. Viele sahen das als Chance. Doch die Zahlen beweisen, dass es der Welt heute nicht besser, sondern schlechter geht. 2010 leiden weltweit erstmals über eine Milliarde Menschen an Hunger. Einige Jahre länger schon, leben über 1 Milliarde Menschen an akuter Armut, also mit einem Einkommen von weniger als 1 USD pro Tag. 20% der Menschen verfügen über 85% des weltweiten Wohlstands, 80% der Menschheit müssen sich die restlichen 15% teilen! Die Liste mit solch erschreckend Fakten ist beängstigend lang. Und: Sogar in den traditionell reichen OECD-Staaten findet ein Umverteilungsprozess von unten nach oben statt!
Aber nicht nur der Mensch, auch der Planet, den wir bewohnen, leidet unter unserer Masslosigkeit und Rücksichtslosigkeit. Wir zerstören unsere Umwelt; Die Verknappung des Trinkwassers, der Verlust von fruchtbaren Böden, das Artensterben in vielen Teilen der Erde – auch das ist nur ein kurzer Auszug aus einer viel zu langer Liste bedenklicher Zustände.*

Offensichtlich haben wir die „Chance“ Globalisierung nicht genützt.
Doch woran liegt das – und was müssen wir ändern?

  1. Wir brauchen ein neues Bewusstsein. Ein globales Bewusstsein. Wir müssen lernen, globalverantwortlich zu Denken.

Viele haben dieses Bewusstsein bereits. Doch die Umstände lassen nicht zu, dass wir dieses Bewusstsein auf politischer Ebene umsetzen können – denn Politik findet trotz globalisierter Welt weiterhin weitgehend auf nationaler Ebene und im Interesse der Nationalstaaten statt.
Notwendige, fortschrittliche – eben globalverantwortlichem Bewusstsein entsprungene - Vorlagen können jedoch in der Politik kaum umgesetzt werden. Weshalb?
Kein Staat will einen Wettbewerbsnachteil, oder das Einbüssen eines Wettbewerbsvorteils, in Kauf nehmen. Niemand will das Risiko eingehen, dass andere Staaten danach besser gestellt sein könnten. Das ist nachvollziehbar – und glücklicherweise auch lösbar;
Was fehlt, sind globale Regulierungen, die für alle gelten, die Interessen aller berücksichtigen, und für alle verbindlich sind.
Doch die Globalisierung der Politik ist ausgeblieben – die Möglichkeit zu global verbindlichen Verträgen fehlt heute. Der nationalstaatliche Bezugsrahmen muss überall dort durchbrochen werden, wo auch die Probleme grenzübergreifend sind.
Was schliessen wir daraus?

  1. Wir brauchen ein Weltparlament. Ein demokratisches Parlament, das das Weltvolk vertritt und optimalerweise, vielleicht nach einer Einführungsphase, verbindlich ist.

Wenn kein Staat sich durch ein Abkommen oder Vertrag benachteiligt fühlt und die Interessen jedes Staates angemessen berücksichtig werden, dann könnte globale Politik plötzlich ganz einfach sein.
Die Generalversammlung der UNO wäre theoretisch dazu geeignet – wenn sie denn demokratisch funktionieren würde. Wir müssen also nach Alternativen suchen. Ein interessantes Projekt stellt die UNPA-Kampagne dar, die sich zum Ziel gesetzt hat, ein solches Parlament zu erwirken. Infos dazu gibt’s unter http://de.unpacampaign.org/

*Daten entnommen aus „Global Contract Report, Diskussionspapier (2005)“ der Stiftung Weltvertrag
(http://www.weltvertrag.org/e39/e105/e1069/GCRSWV_Report
01_deutsch1ger.pdf)

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