Professorin Gabrielle Wanzenried schrieb kürzlich die Kolumne „Gesundheit als das höchste Gut aller Güter". Wie reagieren wohl Behinderte auf solche Aussagen?

Mit Interesse habe ich in NR. 53 der Zentralschweiz am Sonntag vom 30.12.2012 die letzte Wirtschaftskolumne des Jahres 2012 gelesen. Sie stammte von Gabrielle Wanzenried, Professorin für Investitionsmanagement an der Hochschule Luzern und hatte den Titel „Gesundheit als das höchste Gut aller Güter“. In ihren Ausführungen bezeichnete die Kolumnistin, die auch Dozentin und Forschungsleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen in Zug ist, die Gesundheit als Megamarkt der Zukunft und verlangte, dass der Selbstverantwortung des Einzelnen zur Stärkung seiner Gesundheit sowie der Vermeidung von Gesundheitsschäden eine noch grössere Bedeutung zukomme. Abschliessend zitierte sie das französische Sprichwort „Wem die Gesundheit fehlt, dem fehlt alles.“

Wie reagieren wohl Behinderte auf solche Aussagen?

Als ich diese Zeilen las, kam mir unweigerlich eine Szene aus dem Jahre 2002 in den Sinn. An einem öffentlichen Vortrag machte ich als neuer Zuger Gesundheitsdirektor einen Tour d’horizon durch unsere Gesundheitspolitik und erwähnte zu Beginn meiner Ausführungen ebenfalls, dass die Gesundheit unser wichtigstes Gut sei. Nach dem Referat und der anschliessenden Diskussion kam eine Frau im Rollstuhl auf mich zu und sagte mir vorwurfsvoll, ob ich mir eigentlich bewusst sei, was ich bezüglich Gesundheit und höchstes Gut gesagt habe. Sie sei seit Jahren behindert, also nicht gesund, fühle sich aber durchaus als vollwertiger Mensch. Zudem sei sie überaus glücklich und zufrieden.

Eindrückliche Begegnung und ihre Folgen

Der darauf folgende, intensive Gedankenaustausch und das Bild jener Person beschäftigten mich sehr lange. Beides kam mir auch wieder auf, als ich die erwähnte Kolumne las. Für mich selber hatte diese eindrückliche Begegnung Folgen. Ich zitiere seither immer den griechischen Philosophen Aristoteles, der folgendes sagte: „Das höchste Gut ist ein glückliches, gutes Leben!“ Wie recht er doch mit seinem ethischen Grundsatz hat! Auch kranke Menschen oder Menschen mit schweren Behinderungen können nämlich ein glückliches und gutes Leben führen. Manchmal sind sie sogar noch zufriedener als viele Gesunde!

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