Mindestlöhne erhöhen die Produktivität!

Die überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit bei weniger Qualifizierten wird von bürgerlicher Seite damit begründet, dass die „Produktivität“ dieser Menschen generell niedrig sei und ein Mindestlohn oberhalb dieser „Produktivität“ liege. Auf den ersten Blick klingt das sogar schlüssig. Löhne, die ein bestimmtes Limit nicht unterschreiten können, verhindern Produktion und verursachen Arbeitslosigkeit.
Tatsächlich beruht dieser Schluss auf der Suggestion, monetäre Werte würden unmittelbar und ungebrochen physische Mengenverhältnisse zum Ausdruck bringen. In Bereichen höherer Produktivität würde eben real mehr produziert als in solchen, in denen die Statistik geringere Produktivität ausweist (Produktivitätslegende). Aber physisch sind zum Beispiel Erdbeeren (Niedriglohnsektor) nicht mit Antivirenprogrammen (Hochlohnsektor) vergleichbar. Es gibt kein einheitliches Mass und also auch kein Mehr. Die Produktivität kann am Umsatz pro Beschäftigten gemessen werden. Dieser ist abhängig vom Preis des Produktes und der Preis wiederum wird entscheidend durch die Kosten bestimmt. Ein Teil der Kosten sind eben die Löhne. Die statistisch gemessene Produktivität pro Beschäftigten ist also in gewissen Bereichen gerade deshalb niedrig, weil die Löhne es sind. So entsteht eine Abwärtsspirale, die die Verteilungsrelation zwischen Gewinnen und Arbeitseinkommen immer stärker zugunsten der ersteren verschiebt. Minimallöhne können diese Abwärtsspirale verhindern. (Nach S. Wagenknecht, Kapitalismus im Koma, „Produktivitätslegende“ 2003)

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