Politik 2.0

Das Jahr 2012 geht zu Ende. Politiker, Journalisten und Experten schreiben um diese Zeit (wie jedes Jahr) ihre Jahresrückblicke und Ausblicke für das nächste Jahr. Sie schreiben in diesem Jahr über die Euro -und Finanzkrise, über die Konflikte im nahen Osten und in Nordafrika oder sie schreiben über den Hildebrand-Skandal.

Der Druck auf die Schweiz aus der EU nimmt immer noch zu, die Kniefälle unserer Regierung werden zur morgendlichen Gymnastikübung. Jene, welche sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen befürworten immer noch den EU-Beitritt und somit den Eintritt in die soziale Ungerechtigkeit. Jene, welche Mindestlöhne und mehr Ferien fordern haben immer noch nicht bemerkt, dass sie durch das Durchsetzen dieser Forderungen womöglich ihren Job verlieren würden. Jene Parteien, welche für eine glaubwürdige Armee einstehen sind klar der Meinung, dass eine Halbierung der Armeegrösse ihre Haltung unterstreicht. Jene, welche Hals über Kopf den Atomausstieg aus umwelttechnischen Gründen beschlossen haben, sehen in neuen Gaskombikraftwerken die Lösung all unserer Umweltproblemen. Und schlussendlich fordern jene Politiker, welche bei Antiabzockerei-Demonstrationen in der ersten Reihe stehen, höhere Parlamentarierlöhne für sich selbst, welche bereits heute einen sehr angenehmen Lebensstandard ermöglichen - währenddem Steuern, Gebühren und Abgaben für die Bevölkerung erhöht werden sollen. Man muss schliesslich sparen.

All diese Themen und Probleme haben sich während dem letzten Jahr nicht geändert - Sie werden uns auch noch im kommenden Jahr beschäftigen. Mein Beitrag geht jedoch in eine andere, nicht minder spannende Richtung. Denn abseits des Politikmainstreams hat eine spannende Entwicklung eingesetzt.

Die "Politik 2.0" entwickelt sich weiter.

Unter "Politik 2.0" ist die ganze Internet-Dynamik in der Politik zu verstehen. Barack Obama schaffte wohl auch dank Twitter, Facebook und co. seine Wählerschaft zu mobilisieren und neue WählerInnen zu überzeugen und somit seine Wiederwahl zu sichern. Mit einem Aufwand von wenigen Sekunden kann der Präsident der Vereinigten Staaten so Millionen von Menschen, nicht nur in den USA, sondern in der ganzen Welt erreichen. Es scheint dann so, als würde der Präsident direkt mit jedem einzelnen ungefiltert kommunizieren, jeder einzelne kann diese Nachrichten weiterverbreiten und darauf antworten.

Die Schweiz ist in dieser Hinsicht auch nicht mehr ein Entwicklungsland, viel eher sind wir nun zum Schwellenland aufgestiegen. Unsere Politiker beginnen Youtube, Twitter, Facebook und co. je länger je mehr zu nutzen und setzen diese Werkzeuge gekonnt zusammen mit Medien und Webseite in Szene. Leider hat uns SchweizerInnen das social-media-Zeitalter in der Politik noch nicht wirklich ergriffen. Privat nutzt heute in der Schweiz fast jeder das Internet, besonders aber mit dem Smartphone. Nicht mehr nur die Jugend, sondern immer wie mehr Erwachsene "kleben" an ihren Geräten.

Das Internet und speziell die sozialen Plattformen (welche man mit dem Smartphone zu jeder Zeit mit sich hat) tragen deshalb ein riesiges noch ungenutztes Potential in sich, wie Regierung und Politiker in Zukunft mit den Bürgern kommunizieren könnten. Bereits heute twittern unsere Volksvertreter munter aus den Sessionen, aber auch privat. Bereits heute haben viele PolitikerInnen eigene soziale Netzwerke aufgebaut und kommunizieren so direkt mit ihren Sympathisanten -und politischen Gegnern. Dadurch entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ausgerechnet der Jugendsender Joiz auch für seine Polit-Battle Facebook benutzt und den ZuschauerInnen die Möglichkeit gibt, die Diskussion selbst mit zu gestalten, indem deren Fragen an die Politiker direkt ins Studio geleitet werden. Inhaltlich und intellektuell etwas professioneller und tiefgreifender gestaltete Sendungen wie die Arena könnten durch solche Mittel ausserordentlich interessant und dynamisch gestaltet werden.

Dass dieses Potential von SRF erkannt wurde, bestätigte die Spezialsendung "Bundeshaus live: eine ganz demokratische Sendung". Die Zuschauer konnten durch online-Abstimmungen nicht nur bestimmen, über was die Moderatoren als nächstes berichten sollten, sondern sie konnten auch die Talkgäste aus der Politik bestimmen. Die rege Beteiligung und die positiven Rückmeldungen lassen auf interessante Fortsetzungen (auch in anderen Sendungen) hoffen.

Durch solche innovativen Erneuerungen kann das ganze TV -und social-media-Erlebnis revolutioniert werden. Besonders für Politsendungen, welche schliesslich auf Interaktion aufbauen, ist diese Entwicklung spannend. Vor allem junge Menschen könnten so zur Politik gezogen werden, denn es entspricht der heutigen Gesellschaft, jederzeit und überall vernetzt zu sein. Die Politik hat sich bis heute immer als kompliziert, träge und bürokratisch erwiesen. Dies könnte sich sehr bald ändern.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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