Der Elefantenfuss auf dem Ameisenpfad – oder die Schweiz im Irrgarten

An den besinnlichen Tagen im Jahr ist es wohltuend still in den Medien. Dort oder da werden die Blätter mit heissen News über zu schnell abbrennenden Kerzen gefüllt, oder mit Neuigkeiten über den US Amerikanischen Budgetstreit. Wäre da nicht ein kleiner Artikel gewesen, welcher uns alle zur ernüchternden Besinnung rufen sollte.

Unter dem Titel „Das Kohlezeitalter ist noch lange nicht zu Ende“ berichten verschiedene Onlinemedien darüber, dass bereits in vier Jahren der weltweite Kohleverbrauch auf 4.4 Milliarden Tonnen angestiegen sei, und damit in etwa gleich hoch wie der Verbrauch des dagegen geradezu ökologischen Erdöls.

Prof. Dr. Hermann-Joseph Wagner von der Abteilung Energiesysteme und Energiewirtschaft der Ruhr-Universität Bochum beispielsweise schreibt in einem Forum der Sendeanstalt swr.de, dass alleine China pro Woche statistisch einen Kohlekraftwerkblock an das Netz nimmt. 55% des Weltstroms stammt aus Kohle – Tendenz steigend.

Der Hydrobiologe und Wirtschaftsautor Edgar L. Gärtner schreibt im ef-magazin.de unter anderem:

Statt zum Aufbruch in das von den Grünen verheißene ‚Zeitalter erneuerbarer Energien‘ wird der Atomausstieg zu einer Renaissance von Kohle und (in geringerem Umfang) Gas führen. Beim grünen Fußvolk führt das zu wachsender kognitiver Dissonanz, zumal inzwischen ausgerechnet die linksliberale ‚New York Times‘ auf die stark negative Öko-Bilanz ‚grüner‘ Energieträger wie Biosprit hingewiesen hat., und meint zudem, dass das Zeitalter der Kohle als Rohstoff der Stromerzeugung weltweit erst richtig beginnt.

Gleichzeitig ist eine Zunahme des CO2 schädlichen Flugverkehrs zu messen, wenn PolitikerInnen alle paar Jahre wieder an irgendeine Klimakonferenz jetten, so wie der Arzt uns jährlich predigt, weniger zu rauchen, zu trinken und zu essen, um gleichzeitig im Gault Millau Tempel ein 10gang Menü zu reservieren. Die NZZ titelte am 9. Dezember 2012: „Die Klimakonferenz hilft dem Weltklima nicht“ und traf dabei exakt ins Schwarze. Der beflissene und strebsame Zwergenstaat Schweiz hingegen steht in der Achtungsstellung vor dem UN Hauptgebäude, vor Gehorsam strotzend, als einziges Land weltweit daran glaubend, mit homöopathischen Massnahmen hierzulande das Weltklima zu retten.

So berichtete der online Tagi am 26. August 2012 über eine freundlich – bissig lächelnden Bundesrätin EWS, welche das eigene Volk mit einem Benzinpreis von 5 Franken pro Liter erziehen will, bis zumindest die Minderbemittelten wieder zu Fuss zur Arbeit gegen, um dort dann mit 50% verteuertem Strom Güter nur noch für den Binnenmarkt herzustellen. Strom, welcher notabene von ausländischen Kohle- oder Atomkraftwerken stammt, weil wir hierzulande auch die saubere und vor allem sichere Energieproduktion gegen nicht drehende Windrädchen oder meistens beschattete Solarzellen abgelöst haben. Aber auch in der dunklen Kälte lässt sich ein reines Gewissen haben, den Schmutz machen ja die anderen.

Ganz ohne Zweifel: Je besser es einer Gesamtnation geht, je mehr öffnen sich die Drosselklappen. Ökosteuer und Hemmnisse da, Selbstkasteiung dort, und ein nickendes Ökovolk, welches zustimmend dabei den Schampus leert und Austern schlürft. Das emsige Treiben der Ameisen auf dem Pfad zwischen Bau und Futternapf. Doch niemand sieht die Elefantenherde, welche demnächst mit Nachdruck Fuss fassen wird.

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