Viele unnötige Auflagen, welche über das Ziel schiessen. Dialog fördern, statt zu dirigieren. Deshalb NEIN zum neuen Hooligan-Konkordat!

Im April 2012 hat sich der Kan­ton St. Gal­len für eine Verschärfung des Hoo­li­gan-­Kon­kor­d​ats ent­schie­den. Wei­tere Kan­tone sol­len bald fol­gen. Doch was hat das für mich nor­ma­len Bürger zu be­deu­ten, wenn ich ein Fuss­ball- oder Eis­hockey­spiel der ers­ten Liga be­su­chen will?

Bewilligungspf​licht und Auflagen

Der neue Artikel 3a, Bewilligungspflicht des Hooligan-Konkordats besagt, dass alle Eishockey- und Fussballspiele der Männer der ersten Liga bewilligungspflichtig​ sind. Dies hat einen enormen Zusatzaufwand für unseren Bürokratiestaat und die Vereine zur Folge.

Die Bewilligung kann weiter mit Auflagen verbunden werden. So können zum Beispiel Regelungen zum Verkauf von alkoholischen Getränken erlassen werden oder der Transport für die Fans der Gastmannschaft wird geregelt. Genauer gesagt, kann bestimmt werden, dass die Gästefans nur mit dem Extrazug anreisen dürfen ansonsten darf der Einlass ins Stadion verweigert werden. Ein Beispiel hierzu: Ich wohne in Sion und bin Fan des FC Basel. Wenn dieser nun zu Gast in Sitten ist und ich den Match im Gästesektor verfolgen möchte, muss ich zuerst nach Basel fahren, dort steige ich in den Extrazug zurück nach Sion. Ich schaue den Match, besteige wieder den Extrazug nach Basel. Von dort aus fahre ich nun zum vierten Mal die gleiche Strecke zurück nach Sion. Doch dies ist nicht die letzte Schikane für mich als Sportanlassbesucher.

Durchsuchungen

Gemä​ss Artikel 3b, Durchsuchungen, können verdächtige Personen durchsucht werden. Genauer gesagt, dürfen die Personen neu am ganzen Körper (auch unter den Kleidern) durchsucht werden. Diese Durchsuchung kann so weit gehen, dass auch der Intimberiech der Person durchsucht werden kann. Weiter dürfen auch Personen ohne konkreten Verdacht durch private Sicherheitskräfte am ganzen Körper abgetastet werden. Dies stellt eine klare Verletzung der Privatsphäre dar.

Rayonverbote und Meldeauflagen

Die Möglichkeiten für Rayonverbote werden ausgeweitet. Die Rayonverbote werden neu zwischen einem und drei Jahre andauern und können Rayons in der ganzen Schweiz umfassen. Weiter kann verlangt werden, dass sich gewalttätige Personen während bestimmen Zeiten bei einer Amtsstelle melden müssen. Diese Meldepflicht kann ebenfalls über eine Zeitdauer von einem bis drei Jahre verhängt werden.

Artikel vier, fünf und sechs würden als einzige keine Beeinträchtigung für „normale“ Matchbesucher darstellen. Im Gegenteil, England kennt diese Art von Rayonverbot und Meldepflicht schon seit einigen Jahren, und es funktioniert vorbildlich. Leider hat aber das Rayonverbot auch seinen Nachteil. Laut Artikel vier muss für das Aussprechen eines Rayonverbots nachgewiesen werden, dass sich die beklagte Person gewalttätig verhalten hat. Alles schön und gut. Jedoch liegt ein solcher „Nachweis“ bereits mit einer polizeilichen Anzeige vor. Das heisst, sobald jemandem etwas zu Lasten gelegt wird, werden bereits Massnahmen vollzogen. Ein definitives Urteil muss nicht abgewartet werden.

Fazit

Die Verschärfung des Hooligan-Konkordats bringt nur wenige Verbesserungen mit sich. Diese sind eine Verschärfung der Meldeauflagen und des Rayonverbots (aber nur wenn das Gewaltdelikt bewiesen werden kann). Weiter könnte dem Hooliganismus wohl entgegengewirkt werden. Doch dies geschieht masslos auf Kosten des Grundrechts der gewaltlosen Matchbesucher. Wollen wir wirklich unsere Privatsphäre aufgeben, nur damit während einem Match keine Pyro’s mehr gezündet werden?

Nein, dass kann es nicht sein! Es braucht neue Auflagen, aber das verschärfte Hooligan-Konkordat ist der falsche Weg!

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