Die Wehrpflicht - Ein Auslaufmodell? Nein, ein absoluter Gewinn und eine Chance für die Schweiz!

Ein Erfahrungsbericht im Kontext der momentanen Diskussion über die Wehrpflicht

Am 29. Oktober war es auch für mich an der Zeit einzurücken. 300 Tage Dienst am Stück (mittlerweile sind es noch deren 251) stehen bevor. In einer politisch, sozial und wirtschaftlich instabilen Zeit wird im krisengeplagten Europa praktisch überall das Armeebudget heruntergefahren, die Armeen werden verkleinert und professionalisiert. Anders die Schweiz, letztes Jahr wurde das Armeebudget auf 5 Mia. CHF pro Jahr angehoben. Dies entspricht immer noch keinem proportionalen Wachstum gemessen an den Gesamtausgaben und international gesehen ist die Schweiz mit knapp 0.8% Armeeausgaben gemessen am BIP ebenfalls massiv unterrüstet (EU-Schnitt liegt bei ca. 1.4%). Doch immerhin.

Die nächsten paar Monate und Jahre werden für unsere Armee sehr entscheidend sein. So steht der Kauf des neuen Kampfjets Gripen kurz bevor, der Armeebestand wird bald von momentan knapp 180‘000 AdA’s auf rund 100‘000 Mann praktisch halbiert werden. Bis 2020 fallen weitere äusserst wichtige Rüstungsgeschäfte an; so sollen neue Drohnen gekauft werden und weiter soll eine neue Boden-Luft-Abwehr (BODLUV 2020) installiert werden. Parallel wird (sollten Regierung und Volk der Kampfjetbeschaffung zustimmen) die Gripen-Beschaffung anlaufen und natürlich muss die Armee auch an anderen Orten investieren und erneuern.

Aktuell steht jedoch ein anderes Thema zur Diskussion: Die Wehrpflicht. Genauer: Es wird momentan über die GSoA-Initiative diskutiert, welche die Wehrpflicht abschaffen will. Die Armee steht im Fokus wie selten zuvor. Die Diskussion darüber, welche Armee wir überhaupt wollen, wie teuer sie sein darf und was sie können soll ist berechtigt. Leider verfallen aber so manche Armeegegner dem Drang der Polemik, wenn sie auch nur das Wort „Armee“ hören. Dabei hätte die Armee (wie ich unten erklären werde) auch ihre sozialpolitischen Aspekte, welche auch für linke Kreise interessant wären.

Wie gesagt bin ich momentan gerade im Dienst und erhalte dadurch Einblicke und Erfahrungen aus der Armee von heute. Wie schlecht ist die Organisation wirklich? Wird der Dienst überhaupt einen Sinn ergeben? Wie ist der Umgang untereinander? Solche und andere Fragen stellte ich mir während der ersten Zugfahrt in die Kaserne. Ich möchte hier meine Eindrücke mit Ihnen teilen und Ihnen ein vielleicht etwas anderes Bild der Armee zeichnen, als Sie es aus den Medien und Abenteuerstorys Ihrer Kollegen kennen.

Positive Überraschungen

Ich habe in den vergangenen Monaten bereits so einige Beiträge über die Armee verfasst. Ich habe mich detailliert über diverse Themen informiert und war deshalb mehr oder weniger auf die Lebensumstellung vorbereitet. Tatsächlich erwartete ich kein perfektes System beim Einrücken, ich erwartete das organisierte Chaos und aggressive, „laute“ Vorgesetzte, sowie die härtesten Wochen meines Lebens.

Nichts von all dem trat ein – wohlgemerkt, ich bin in einem Infanterie Durchdiener Batallion. Zwar entpuppte sich die Organisation in den ersten paar Wochen RS tatsächlich als ein bisschen chaotisch, doch das ist normal. Für die unteren Kader (welche selbst auch noch in der Ausbildung stecken) ist der ganze Betrieb auch neu. Nach den ersten 2 Wochen pendelte sich der Betrieb jedoch überraschend gut ein. Oder anders gesagt; ich hätte schlechtere Zustände erwartet. Natürlich gibt es in einem Betrieb mit gut 800 Personen, welche alle zur selben Zeit ausgerüstet und ausgebildet werden, Komplikationen. Natürlich muss man ab und zu warten – doch das „grosse Ghetto“ blieb aus. Längere Wartezeiten oder Probleme waren viel eher auf Startschwierigkeiten oder Missverständnisse der tieferen Kader zurück zu führen. Generell kann ich auch sagen, dass der Umgang untereinander sehr normal ist. Zwar ist der Ton etwas lauter und deutlicher als im zivilen Leben, doch grundsätzlich spricht man miteinander wie sonst auch. Die Vorgesetzten sind eigentlich immer fair und engagiert, manchmal für meinen Geschmack sogar zu freundlich. Weiter wird sehr darauf geachtet, dass die Rekruten möglichst mindesten 6 Stunden Schlaf (ab und zu auch mehr) erhalten, jeder Zug sollte etwa 30 Minuten zum Essen haben und grundsätzlich bleibt auch genügend ID-Zeit (Duschen, usw.).

Kurz; das Leben ist keineswegs gemütlich, doch man achtet auf einen normalen Umgang und auf sinnvolle Tagesplanungen. Auf sinnlose Beschimpfungen und Schikanen wird generell verzichtet. Die RS – die härteste Zeit im Militär – ist definitiv zu überstehen, sie ist physisch und psychisch anstrengend aber sicherlich keine Qual. Nach ein paar Wochen sieht man bereits mehr oder weniger wie der Hase läuft, man weiss was man sich erlauben darf und was nicht – aber vor allem sieht man, dass auch die Vorgesetzten „nur“ Menschen sind. Meistens sogar noch in etwa im selben Alter, sprich mit ähnlichem Humor und mit ähnlichen Interessen und Hintergründen.

Was lernt man überhaupt in der RS?

Hat man erst einmal die anfänglichen Strapazen und Anpassungen überwunden, so beginnt man –nach den ersten Wochen Dienst – erstmals zu realisieren, was man im Militär überhaupt alles lernt. In den Medien hört man von den armeefreundlichen Politikern oftmals das Wort „Lebensschule“ oder die Begriffe „Erfahrungen für’s Leben“ und „Dienst an die Gesellschaft.“ Auch hier; wenn man selbst noch nie Dienst geleistet hat, kann man sich darunter nicht wirklich etwas vorstellen. Jene, welche momentan am lautesten gegen die Armee bellen (wie NR Cédric Wermuth) haben noch keine einzige Sekunde Dienst geleistet. Genau dieser Art von Personen würde der Dienst jedoch gut tun, sie würden die Armee aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen (was nicht bedeutet, dass man sie blind unterstützt) - doch man könnte sich selbst ein Bild der Lage machen.

Viele der Rekruten ändern in den ersten paar RS Wochen ihre Meinung zur Armee, weil sie sich den Dienst im Voraus anders vorgestellt hatten. Manche brechen die Übung ab und lassen sich in den Zivi umteilen, andere entscheiden sich für die Weiterbildung in einer Kader-Position. Zu meiner Überraschung kommt die Armee bei vielen jungen Männern gut an - Die Motivation in der Truppe ist besser, als ich es im Voraus erwartet hätte. Auch Kaderanwärter lassen sich überraschend viele finden. Die Medien und linke Propaganda leisten hier eine „gute“ Arbeit, denn dieses Bild wird in der Allgemeinheit komplett verzerrt wahrgenommen. Die strikten Armee-Gegner unter den Rekruten, welche sich komplett quer stellen brechen den Dienst innerhalb der ersten Wochen ohnehin ab, einige andere verletzen sich während dieser Zeit, bzw. es wird festgestellt, dass sie den Dienst aus medizinischen Gründen nicht leisten können. Auf rund 800 eingerückte Rekruten entfallen nach den ersten paar Wochen gut 80 - 100 Entlassene (aus medizinischen oder psychlogischen Gründen).

In der RS lernt man die eigenen Interessen zum Wohl des Ganzen zurück zu stellen, die Privatsphäre schrumpft auf ein Minimum zusammen und man muss sich ziemlich schnell daran gewöhnen, dass einem so ziemlich alles befohlen wird. Einerseits lockern sich diese Zustände wieder, wenn man sich untereinander besser kennen lernt und wenn man weiss, wem man Verantwortung und Freiheiten übertragen kann und wem nicht. Was aber unverkennbar ist, ist der Zusammenhalt untereinander. Dieser Zusammenhalt entwickelt sich bereits am ersten Tag – oftmals kennt man (auch später) kaum den vollen Namen des Gegenübers, doch das ist egal – man hilft, wenn es etwas zu helfen gibt. Man ist automatisch aufgeweckter und übernimmt selbständig Verantwortung, schaut, dass man pünktlich am richtigen Ort erscheint. Man hilft den Schwächeren und man überträgt den Stärkeren mehr Verantwortung. Das ist in der Tat ein Erlebnis, das man nur in der Armee sammeln kann. Dieses Gefühl des Zusammenhaltes, der Hilfsbereitschaft und Aufrichtigkeit ist ohne Zweifel eine Lebensschule. Man lernt sich für andere aufzuopfern und sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Dieser Zusammenhalt beeindruckte mich persönlich stark.

In der Endüberlegung werden alle Rekruten einmal mit ihrem Dienst fertig sein und wieder ins zivile Leben zurückkehren. Alleine diese Werte – Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Gehorsamkeit und Hilfsbereitschaft – sind nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert.

Doch das ist noch längst nicht alles. Grundsätzlich ist der Militärdienst in den ersten paar Wochen von Natur aus spannend, da man viele neue Dinge lernt. Man ist sich bewusst, dass man eine Waffe mit scharfer Munition in den Händen hält – man ist sich der Verantwortung deswegen bewusst. Das erste Mal schiessen, der erste Marsch oder überhaupt; das erste Mal die Uniform tragen zu dürfen/müssen ist ein Erlebnis. Zu lernen, wie man die Waffe bedient und reinigt ist ebenfalls eine wertvolle Erfahrung für’s Leben, welche man (ausser in Schützenvereinen) nur in der Armee holen kann. So habe ich persönlich (überhaupt kein Schiess-Freak) Freude am Schiessen bekommen.

Was gegen aussen praktisch überhaupt nicht kommuniziert wird: Man hat jedoch auch noch weitergehende Ausbildungen. Die Büroordonnanzen werden in Computerarbeiten spezialisiert und unterstützen die Kader bei der Organisation. Hier ist definitiv Mitdenken gefordert (dies wird auch erwartet). Die Infanteristen wiederum erhalten die Spez-Ausbildungen (Funk, LMG, Panzerfaust, usw). und die Fahrer erhalten ihre Fahrer-Ausbildung. Letzere ist auch für das Privatleben sehr wertvoll, denn die Lastwagenprüfung würde im Zivilen mehrere tausend CHF kosten. Im Militär ist die Ausbildung gratis. Alle AdA’s erhalten Selbstverteidigungskurse und auch theoretische Weiterbildungen (z.B. Sicherheitspolitik, Weiterentwicklung der Armee, Ausrüstung, Gefahren, Terrorismus, ABC-Abwehr, usw.). Die Ausbildung ist vielseitig und – zumindest zu Beginn – sehr spannend.

Fazit: Wie sinnvoll ist die Wehrpflicht?

Ich bin der Meinung, dass diese Ausbildung als Ganzes Sinn macht und erst noch spannend ist. Im Gegenzug muss man halt einige Kröten schlucken und ab und zu halt auch einmal ein bisschen durchbeissen – aber auch das ist eine gute Lehre. Für manche, welche das bisherige Leben auf der Schulbank verbracht haben und/oder Zuhause verhätschelt wurden, ist das Militär eine sehr gute (und meiner Meinung nach notwendige) Abwechslung. Ich persönlich habe gelernt den Dienst als Chance zu sehen – als Chance etwas für’s Leben zu lernen und das Beste aus der Situation zu machen. Wenn man sich diese Einstellung erst einmal angeeignet hat, fallen einem viele Aufgaben leichter. Man beginnt das Ganze nicht mehr so eng zu sehen, man beginnt sich einzugliedern. Und dann erhält man automatisch mehr Verantwortung und spannendere Aufgaben, dann wird Militär höchstwahrscheinlich richtig spannend. Zumindest bei mir ist dies der Fall; ich bin nun seit einigen Wochen im Batallionsstab im Bereich der Planung und erhalte hier viel Verantwortung und Freiheiten –und muss im Gegenzug meine Leistung erbringen.

Die Wehrpflicht ist eine Chance – Keine Last!

Wie eingangs beschrieben hatte auch ich zu Beginn Bedenken, wie sinnvoll ich die 300 Tage Dienst verbringen würde. Bereits in der 4. Woche zeichnete sich ab – es wird eine grösstenteils tolle, spannende Zeit werden. Vor dem Dienst habe ich persönlich die Dienstzeit als Hindernis angesehen, viel lieber hätte ich mein BWL-Studium begonnen. Dies hat sich bis heute zwar nicht geändert, doch den Dienst nehme ich garantiert nicht mehr als Hindernis wahr. Es ist doch schon ein bisschen verblüffend mit anzusehen, wie GSoA und Linke, welche grösstenteils keine Sekunde Militärdienst geleistet haben, derart verhasst gegen die Wehrpflicht schiessen. Es ist verblüffend mit anzusehen, wie sich während der Dienstzeit die Meinungen auch unter den Rekruten verändert – mancherorts ins Negative (weil man etwas ganze anderes erwartet hatte) und manchmal, wie bei mir, ins Positive.

Aus rein Gesellschaftspolitischer Sicht, ist die Wehrpflicht aus den genannten Gründen äusserst wertvoll. Die Wirtschaft profitiert von zuverlässigen Mitarbeitern, die „Mitarbeiter“ selbst können im Militär (auch ohne Kaderausbildung) auf ganz verschiedene Art und Weise Verantwortung übernehmen. Eine abgeschlossene RS ist somit auch gleichzeitig eine Art Gütesiegel für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Militärdienst ist heute meiner Meinung nach soweit weiter entwickelt worden, dass er besonders auch für Frauen attraktiv wäre. Auf dem Papier haben Frauen heute in der Wirtschaft mancherorts sogar leichte Vorteile gegenüber den Männern, weil sie während eben dieser Dienstzeit arbeiten können und Berufserfahrung sammeln können (respektive keine militärbedingte Abwesenheit im Betrieb verursachen). Auf der anderen Seite entgeht ihnen eine Lebensschule, es entgeht ihnen Führungserfahrung zu sammeln und es entgeht ihnen eine Menge Lebenserfahrung. Ich selbst habe diese Aussagen der bürgerlichen Armee-Befürwortern auch nicht wirklich geglaubt. Für mich waren es halbwegs leere Worte, welche dazu dienen, das Militär und die Wehrpflicht zu rechtfertigen. Nun, ich lag falsch.

Im Militär trifft man die verschiedensten Personen aus der ganzen Schweiz, Personen mit den verschiedensten Hintergründen, Ausbildungen und Lebenseinstellungen. Ich denke es tut jedem einmal gut, nicht nur unter gleich alten, gleich ausgebildeten, gleich sprechenden Personen zu leben. Die Romands, welche am 29. Oktober eingerückt sind, sprechen mittlerweile spürbar besser Deutsch – Zu Beginn mussten sich die Vorgesetzten (welche damals ebenfalls praktisch kein Französisch sprachen) mit Englisch und Handzeichen verständigen, sofern kein Übersetzer in der Nähe war. Für eine kleine Minderheit entpuppt sich die RS daher sogar als Sprachaufenthalt „der etwas anderen Art.“ Wieder andere leisten den Militärdienst in Form eines Praktikums (KV) als Büroordonnanz und wieder andere können in der Armee sogar ihren Berufen (Lastwagenchauffeur, Elektroniker, Mechaniker, Koch, KV-Lehrling) nachgehen und eben trotzdem noch Berufserfahrung sammeln. Genau hier liegt die Stärke des Miliz-Systems.

Weiterentwicklung der Wehrpflicht

Meiner Meinung nach sollten genau diese Aspekte der Wehrpflicht weiter entwickelt werden. Der Militärdienst sollte (noch) attraktiver werden, nicht umsonst hat er bereits heute ein einigermassen gutes Ansehen bei den Jugendlichen. Einerseits ist der Militärdienst eine Abwechslung vom „langweiligen“ Alltag, am Büro oder in der Uni sitzen kann man noch ein Leben lang. Militär leisten die meisten von uns nur ca. 1 Jahr lang. Diese Zeit sollte man besonders für das Zivilleben gut nutzen können. Wenn der Staat von der jungen Bevölkerung Einsatz erwartet und sie derart aus ihrem Zivilleben reisst, sollte er ihnen auch wieder etwas zurück geben. Ich bin überzeugt, dass dann die Armee und besonders die Wehrpflicht wieder an Ansehen gewinnen.

In diesem Sinne ist die momentane Diskussion über die Wehrpflicht nicht nur sicherheitspolitisch äusserst spannend. Bei einer nüchternen Betrachtung muss man feststellen, dass die Armee ein wichtiger Grundpfeiler unserer Gesellschaft ist. Zu all diesen Aspekten hinzu kommt, dass dieses Dienstmodell der Wehrpflicht das mit Abstand günstigste und das effizienteste aller Dienstsysteme ist. Eine Berufsarmee wäre bedeutend teurer und kleiner (sprich: weniger Durchhaltekraft, weniger Know-How aus dem Milizsystem, weniger Schlagkraft, weniger Flexibilität).

Der Vorstoss von NR von Grafenried (Grüne) zeigt, dass an dieser Lebenserfahrung und an diesem Dienst ans Land eigentlich nicht viel auszusetzen ist. Grundsätzlich gibt es also sogar bis weit in die linken Reihen Befürworter des Milizsystems, höchstwahrscheinlich eben gerade wegen den Sozialpolitischen Aspekten. Aus ideologischen Gründen muss nun aber die Wehrpflicht daran glauben, um einen Schritt weiter in Richtung Armeeabschaffung zu kommen.

Im Kontext der Sicherheitspolitik

Um den Kreis nun zu schliessen möchte ich (weg von meinen persönlichen Erfahrungen) auf die Sicherheitspolitik und zurück kommen. Der Nationalrat hat letzte Woche über die Initiative der GSoA abgestimmt. Dabei hat sich das Ergebnis der letzten Jahre wiederholt: Die Bürgerlichen (bis und mit CVP und glp) sagen geschlossen „ja“ zur Wehrpflicht. Eine solche breite Abstützung und ein solch klares Bekenntnis zu unserer Armee ist sehr erfreulich. Trotzdem sollten wir Bürgerliche uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen; es sind weiterhin kreative Verbesserungen notwendig. So sollte die Ausbildung weiter verfeinert werden, der Mehrwert für das zivile Leben muss gefördert werden. Es ist heute vielen jungen SchweizerInnen gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten man in der Armee hat und was man genau lernt - Ich schliesse mich selbst nicht aus. Im Rahmen von handfesten Weiterentwicklungen im Bereich der Ausbildung und aber auch im Bereich von PR-Aktionen sollte die Armee auf diese wertvollen Aspekte des Dienstes aufmerksam machen.

Wie ich bereits in früheren Beiträgen geschrieben habe, sollte die Wehrpflicht auch auf die Frauen ausgeweitet werden. Es ist absolut unverständlich, weshalb die Frauen (trotz dem Gleichstellungsartikel, Artikel 8 der Bundesverfassung) keinen Dienst an die Allgemeinheit leisten müssen. Die fehlende physische Leistungsfähigkeit ist absolut kein Argument - auch eher unsportliche Männer müssen sich in der Armee halt einfach durchbeissen. Darüber hinaus gibt es unzählige Funktionen in der Armee, welche keine grossen Anforderungen an die Physis stellen (klar stösst man ab und zu an seine Grenzen, selbst als Büroordonnanz oder als Betriebssoldat) - doch auch dies ist eine Lebenserfahrung: Seine eigenen Grenzen kennen zu lernen.

Hier kommen die Linken nun meistens mit dem Begriff „Wehrgerechtigkeit“. Es stimmt, nur gerade mal 65% der stellungspflichtigen Männer leisten Militärdienst. Der Rest leistet einen Ersatzdienst, den Zivildienst. Ist dies schlecht oder ist dieser Dienst minderwertig? Nein, überhaupt nicht! Heute ist es praktisch gesehen absolut kein Problem (als Mann) keinen Militärdienst zu leisten. Ein Gesuch mit einer guten Begründung reicht dafür - oder (wie oben bereits beschrieben), kommt man auch während dem Dienst ohne grosse Probleme wieder weg. Daher ist die Nichterfüllung der Wehrgerechtigkeit eigentlich gar nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil: Diese Differenzierung sorgt dafür, dass auch wirklich (bzw. fast nur) motivierte Personen für den Militärdienst rekrutiert werden. Aus meiner Sicht dürfte dieses Angebot vervielfältigt werden. Zum Beispiel fehlen schweizweit tausende von Polizisten - hier sollte der Zivildienst oder die Armee um eine Funktion erweitert werden. Bereits heute setzt der Bund vereinzelt Zivis für Patrouillen in der Nähe von Asylunterkünften ein. Andere Zivi‘s werden zur Unterstützung an Schulen eingesetzt, bekanntlich haben wir in der Schweiz schliesslich auch einen Lehrer-Mangel. Auch dies ist ein aus meiner Sicht absolut sinnvoller Dienst an die Gesellschaft.

Der Vorschlag von Pierre Maudet (Regierungsrat FDP/GE) geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung. Zwar sollte (aus meiner Sicht) die Wehrpflicht nicht ausgesetzt werden (sondern eben auf Frauen ausgeweitet werden), doch die Schaffung einer Art „Bürgerdienst“ erachte ich als sehr sinnvolle Idee. Wie bereits geschildert; das Gesuch für den Zivildienst wird heute in den allermeisten Fällen bewilligt. Selbst Verteidigungsminister Maurer zeigt sich gegenüber dieser Idee nicht abgeneigt:

Eher überraschend ist, dass auch Verteidigungsminister Ueli Maurer für einen solchen Bürgerdienst Sympathien zeigte. Er halte den Vorschlag für «interessant», ja «visionär», sagte der SVP-Bundesrat. Die Idee verdiene eine genauere Prüfung. Sein Departement sei bereits daran, zu überdenken, ob es eine «allgemeine Verpflichtung» statt der Wehrpflicht geben könne. Als Gegenentwurf zur GSoA-Initiative seien die beiden Vorschläge von Hugues Hiltpold (fdp., Genf) und Alec von Graffenried (gp., Bern) aber nicht geeignet; dazu seien sie «etwas wenig ausgegoren.

Würde die Wehrpflicht auch auf Frauen ausgeweitet werden, könnte der Dienst (ganz allgemein) wohl weiter verkürzt werden, vorzugsweise bei der Anzahl Diensttagen. Dies würde den Dienst -welcher das auch immer ist - attraktiver gestalten. Weiter würden die einzelnen Institutionen höchstwahrscheinlich genügend entsprechend gebildete Stellungspflichtige erhalten, wodurch man in deren Verteilung flexibler agieren könnte; sprich: Man wäre wohl (trotz Wehrpflicht) nicht mehr weit von der Wahlfreiheit der Dienstart entfernt, bereits heute ist dies ja fast der Fall.

Zusammengefasst freut mich die Unterstützung der Bürgerlichen für unsere Armee. Bisher haben sie sich praktisch jeglicher Diskussion über die Weiterentwicklung der Wehrpflicht verschlossen - dies hat sich nun (wenn auch nur teilweise) geändert. Auch dies ist rein sachpolitisch gesehen sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Der letzte DOK vom 13.12.12 (siehe unten) zeigt aus meiner Sicht die Situation der Armee sehr gut auf - Das VBS liegt seit Jahren in Bürgerlicher Hand und in den letzten Jahren ist so einiges aus dem Ruder gelaufen. Unter der Führung von Ueli Maurer und dank dem Parlament ist es unserer Regierung gelungen, das erste Mal seit rund 2 Jahrzehnten das Ruder wieder herum zu reissen und den Abbau bei der Armee zumindest halbwegs zu stoppen. Dies gibt Hoffnung für die Zukunft.




Als Letztes möchte ich all jenen, welche ihren Militärdienst noch vor sich haben ein paar informative Links teilen. Diese Videos zeigen sehr gut auf, wie der Dienst in Wirklichkeit etwa ist. Hier ist eigentlich nichts gespielt, verkorkst zusammen geschnitten oder von linken Medien in ein falsches Licht gerückt. Diese Reportage zeigt auf, dass das Militär durchaus spannend sein kann, sie zeigt, dass die Dienstzeit auch eine schöne Zeit sein kann - Man sieht jedoch auch, dass der Dienst anstrengend und mühsam sein kann. Hereinschauen lohnt sich!

http://www.suedostschweiz.ch/multimedia/video/tso-zmitzt-dinna-im-militar-teil-1

http://www.suedostschweiz.ch/multimedia/video/tso-zmitzt-dinna-im-militar-teil-2

http://www.suedostschweiz.ch/multimedia/video/tso-zmitzt-dinna-im-militar-teil-3

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