Die Liberalen und die Ewiggestrigen

Heute wurde im Nationalrat über die Gesetzgebung, Adoptionen betreffend, abgestimmt. Erfreulicherweise wurde dabei die sogenannte Stiefkindadoption, welche vorsieht, das Lebenspartner in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, die leiblichen Kinder ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren dürfen. Leider hat der Nationalrat aber die Chance zu Sensation und zu einer wirklich freien und gesellschaftlich liberalen Adoptionsgesetzgebung verpasst: Der Vorschlag vom Ständerat wurde dahingehend abgeschwächt, dass Kinder unabhängig von Zivilstand und Lebensform adoptiert werden können, so dies das beste für das Kindswohl sei.

Wenn wir uns anschauen, wer im Rat selbst die Stiefkindadoption abgelehnt hat, wird klar auf wessen Mist, diese Abschwächung gewachsen ist (http://www.politnetz.ch/parlament/1797-adoptionsrecht-gleiche-chancen-fuer-alle-familien--2).
Es wird ersichtlich, dass sich gewisse Teile von FDP und CVP sowie die überwältigende Mehrheit der SVP Nationalräte geistig noch im viktorianischen Zeitalter befinden. Vor Allem Oscar Freysinger sorgte mit seinen mittelalterlichen Ansichten bei mir für Empörung. So wäre die Adoption von Kindern durch Homosexuelle nicht förderlich und die Kinderrechtskonvention würde jedem Kind das Recht auf Eltern einräumen. Ihm zufolge wären Eltern immer Mutter und Vater. Leider hat Freysinger die Kinderrechtskonvention wahrscheinlich nicht gelesen oder sie dreist wie er ist zu seinen eigenen Zwecken vollständig umgedeutet. Im Wortlaut besagt der von ihm angeschnittene Punkt: Jedes Kind hat Anrecht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause. Kein Wort davon, dass eine Familie mit heterosexuellen Eltern verlangt wird.

Doch Freysinger ist bereits bei der Gründung der Gay SVP negativ auf. Die Anpassung von Lehrmitteln in der Schule, die sich zum Beispiel mit Sexualkunde auseinandersetzen (diese würden dann Homosexualität thematisieren) meinte Freysinger: "Es kann nicht sein, dass bereits in der Schule Werbung für Homosexualität betrieben wird. "

Positiv stimmt nur, dass Freysinger in seiner Wohngemeinde Savièse im Unterwallis erheblich weniger Stimmen erhielt als der Juso-Nationalrat Mathias Reynard, der sich für das Adoptionsrecht ausspricht. Es wird also nicht daran liegen, dass Bergluft reaktionär machen würde. Ebenfalls wird erkennbar, wie sehr Exponenten der Gay SVP eine Übung in Selbstverleugnung ablegen, wenn sie behaupten die SVP hätte nichts gegen Homosexuelle. Naja hat der ICF auch nicht, solange keine sündigen Taten vollzogen werden.

Richtig spannend, wirds bei jedoch bei der FDP, die sich gerne als Gralshüterin des Liberalismus aufspielt und sich hier von den Prinzipien gesellschaftlicher Liberalität verabschiedet um sich mit der SVP und der CVP, deren Präsident gerne auch mal Homosexuelle mit Drogensüchtigen vergleicht, in der warmen dumpfen Gedankenwelt von vorvorgestern schlafen zu legen. Naja, wie sagte meiner Mutter immer so schön: Man hat die Freunde die man verdient.

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