Die FDP Schweiz hat bekanntgeben, dass sie im Kampf gegen die Drogen auf mehr Polizei setzen möchte. Eine liberale Gegenposition.

Die FDP Schweiz hat bekanntgeben, dass sie im Kampf gegen die Drogen auf mehr Polizei setzen möchte, mehr noch, sie möchte die Ausbildung der Drogenpolizei zentralisieren und bundesweit einheitlich ausbilden. Diese Position ist aus liberaler Sicht nicht vertretbar. Nicht neu ist, dass das konsequent liberale Gedankentum innerhalb der aktuellen FDP-Spitze weiter gegen Null strebt, in wirtschafts-, energie-, aber auch gesellschaftspolitischer Hinsicht.

Eine konsequent liberale Gegenposition drängt sich daher auf. Der zentrale, von der FDP nicht beachtete Punkt ist: Ihr Körper gehört Ihnen. Niemand anderem, nicht der Gesellschaft, nicht dem Staat. Jeglicher Eingriff durch Dritte in die individuelle körperliche Integrität ist aus liberaler Sicht nicht legitim, nur Sie selber wissen, was ihnen gut tut und was nicht. Oder denken Sie, dass der Staat besser weiss, was ihnen nützt und schadet? Da nur Sie ihren Köper besitzen, können nur Sie entscheiden, was sie konsumieren und was nicht. Wenn jemand anderes sich anmasst, besser zu wissen, was sie essen, trinken oder eben welche Drogen Sie nehmen sollen, dann werden sie bevormundet, denn die Entscheidung über ihr Leben wird ihnen weggenommen.

Viele Legalisierungsbefürworter greifen zu rein utilitaristischen Gründen, so etwa die diesbezüglich erstaunlich liberale Linke. So hindert ein Drogenverbot die Menschen nicht daran, Drogen zu nehmen, es formt lediglich eine Rechtsgrundlage, um einmal mehr den Menschen unter Androhung von Zwang, Busse und Freiheitsstrafe davon abzuhalten. Man kann aber auch ordnungspolitisch argumentieren, denn jährlich wird eine Unsumme von Steuergeldern dafür verschwendet, ein paar Kiffer und Kokser zu schnappen. Die Einsparungen an Polizeikosten (Tschechien hat nach der Liberalisierung sämtlicher Drogen 20% weniger Ausgaben für die Polizei) sind immens. Zudem wird durch die Illegalität der Drogen organisiertes Verbrechen geschützt, ein Markt dafür kann niemals verhindert werden, und so boomt der Schwarzmarkt. Man denke an Al Capone in der Zeit des Alkoholverbots in den USA. Mit den damit verbundenen hohen Kosten für die verbotenen Substanzen lässt sich ein weiteres Problem erkennen: Viele Drogensüchtige sind dazu gezwungen andere Leute zu bestehlen, oder gehen in die illegale Prostitution um sich die Drogen überhaupt leisten zu können. Das Verbot selber schafft Verbrechen.

Auch aus rechtsstaatlicher Sicht gibt es Probleme mit dem Drogenverbot. Durch die Illegalität werden friedliche Menschen gezwungen, kriminell zu werden beim Kauf von Drogen. Leute, die niemanden verletzt haben, niemandem Schaden zugefügt haben, lediglich als mündige Menschen selber Drogen konsumiert haben. Der Steuerzahler trägt also die Kosten, dass eigenverantwortliche Bürger gezwungenermassen Rechtsbruch begehen. Ein eigenartiges, freiheitfremdes Verständnis von Law & Order. Das Problem ist damit nicht gelöst, denn der Konsument wird weiterhin seine Substanzen konsumieren.

Weiter Gründe für legalisierte Drogen kommen aus gesundheitlichen Gründen, was zunächst erstaunt. Die Illegalität der Drogen macht sie gefährlicher. Drogendealer können nicht in der Öffentlichkeit geschäften, sie können keine Reputation wie z.B Apple aufbauen, der Konsument weiss nicht, was er kauft. Nur wenn ein offener Markt herrscht, wird der Verbraucher geschützt, denn mit sinkender Informationsasymmetrie weiss er, wo er sauberen, qualitativ guten Stoff bekommt, die Gefahr von unreinen Substanzen wird minimiert. Bei Legalisierung hätten wir Verpackungen, auf denen die Inhaltsstoffe und Wirkungen deklariert werden, insbesondere der Schutz von Minderjährigen wäre damit deutlich verbessert. Die Drogen wären in einem freien Markt bei Weitem nicht so gefährlich und das Stigma von Drogen wäre auf gesellschaftlicher Ebene sehr schnell kleiner.

Damit wären wir bereits bei gesellschaftlichen Gründen für eine Legalisierung der Drogen. Wenn ein Apotheker Prozac an einen depressiven Menschen verschreibt, kümmert das die Gesellschaft nicht. Wenn ein nicht lizensierter Beizer einem Ehepaar einen Wein zum Essen verkauft, kümmert dies die Gesellschaft nicht. Wenn ein Drogendealer jemandem Heroin verkauft, dann ist das gesellschaftlich verwerflich, obwohl er im Grunde nichts anderes als die beiden anderen Herren macht. Er hat etwas verkauft, für das eine legitime Nachfrage besteht, und er hat die Marktlücke erkannt und unternehmerisch gehandelt. Wäre es nicht schön, wenn der Unternehmer im Drogengeschäft von der Gesellschaft ebenso geachtet wird wie ein Apotheker oder Beizer? Liberal wär es jedenfalls.

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