Rentenalter 64/65 ist nicht finanzierbar – egal woher das Geld kommt

Bleibt das Rentenalter wie heute bei 64/65 Jahren, dann muss bis 2040 jeder Erwerbstätige pro Monat einen Drittel (~30-40%) seines Lohns alleine für Altersvorsorge abgeben. Steuern und andere Abgaben gehen zusätzlich noch weg. Zum Leben bleibt kaum noch etwas. In 2040 herrscht deswegen Armut. Auf heute selbstverständliche Sachen müsste verzichtet werden. Keiner will dies. Für eine blühende Zukunft der Schweiz, muss daher das Rentenalter erhöht werden.

In 2040 zahlt jeder Erwerbstätige einen Drittel seines Einkommens für Altersvorsorge

Die Schweizer Bevölkerung altert. Während die Lebenserwartung eines 65 Jährigen Mannes im Jahr 1991 noch 80.6 Jahre betrug, lag sie 2011 bei 84 und liegt 2040 voraussichtlich bei 87.6 Jahre (Lebenserwartung einer Frau im gleichen Alter liegt ca. 3-4 Jahre höher). Zusätzlich kommen die geburtenstarken Jahrgänge, welche vor der Erfindung der Pille zur Welt kamen, ins Rentenalter. Die Folge davon ist, dass es in 2040 in der Schweiz 2.5 Mio. Personen über 65 geben wird, während es heute deren 1.5 Mio. sind.

In 2040 müssen daher jeweils weniger als 2 Erwerbstätige zusammen einen Rentner finanzieren, statt wie heute deren 4. Oder anders ausgedrückt, auf einen Erwerbstätigen kommen in 2040 0.53 Rentner.

Diese Vorhersage ist ziemlich zuverlässig. Die meisten Erwerbstätigen in 2040, wie auch all die zukünftigen Rentner sind bereits heute auf der Welt. Sofern sich Einwanderung und Lebenserwartung nicht stark verändern, kann man das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen also bereits heute gut vorhersagen.

Resultat ist, dass jeder Erwerbstätige ca. einen Drittel seines Einkommens (~30-40%) für die Altersvorsorge aufwenden muss. Dies basiert auf der Annahme, dass das Renten-Einkommen noch ca. 60%-80% des vorherigen Bruttoeinkommens betragen soll (0.53 Rentner / Erwerbstätiger x 60-80% = 32%-42%). Konkret bedeutet dies, dass eine Familie mit 100'000 Franken Einkommen pro Jahr, direkt oder indirekt, 32’00-42'000 Franken für Altersvorsorge ausgibt. Zusätzlich gehen Einkommenssteuern, Mehrwertsteuer und Lohnabzüge für andere Staatsausgaben und Sozialversicherungen weg. Am Schluss bliebe der Familie weniger als die Hälfte des Einkommens zum Leben.

Woher das Geld stammt, spielt keine Rolle – direkt oder indirekt zahlen wir immer

Manche Politiker glauben, dass man das heutige Rentenalter beibehalten kann, wenn man nur kreative Ideen findet, wie man es finanzieren kann. Das ist ein Irrtum.

Es spielt keine Rolle, wie die Altersvorsorge finanziert wird. Am Ende zahlen die Erwerbstätigen direkt oder indirekt 32%-42% ihres erarbeiteten Einkommens für Altersvorsorge. Ein paar Beispiele um dies zu veranschaulichen

  • Bei Finanzierung über Einkommenssteuern oder Lohnabzüge, ist es am offensichtlichsten. Das Geld geht direkt vom Lohn weg
  • Bei Finanzierung über Mehrwertsteuer, erhält zwar jeder den vollen Lohn, aber die höhere Mehrwertsteuer macht die Produkte teurer und man zahlt die 32-42% Stück für Stück bei jedem Einkauf.
  • Bei Finanzierung über Spezialsteuern wie Tabak, Spielbankenabgabe oder ähnlichem ist es das Gleiche. Man zahlt die 32-42% einfach sobald man ein entsprechendes Produkt konsumiert. Nutzt man kein solches Produkt hat man Glück, dafür zahlt jemand anders umso mehr.

Es spielt auch keine wesentliche Rolle, ob die Altersvorsorge über AHV, Pensionskasse oder 3. Säule finanziert wird. In allen Varianten zahlt man indirekt wiederum 32-42%. Auch wenn in der 2. und 3. Säule zusätzlich noch Zinsen anfallen, sorgen komplizierte volkswirtschaftliche Umverteilungsmechanismen dafür, dass man es am Ende doch zahlt.

Denn es kann nur konsumiert werden, was produziert wird. Die Rentner konsumieren 32-42% von allem was die Erwerbstätigen produzieren bzw. leisten. Egal wie man die Altersvorsorge finanziert, läuft es daher immer darauf hinaus, dass die Erwerbstätigen 32-42% ihrer Wertschöpfung an die Rentner abgeben müssen.

Eine Erhöhung des Rentenalters ist notwendig

Wenn wir nicht verarmen möchten, muss das Rentenalter daher erhöht werden. Jede andere Alternative führt dazu, dass jemandem Geld weggenommen wird. Entweder 32-42% von den Arbeitern (wie oben beschreiben) oder man kürzt die Renten dramatisch und nimmt es von den Rentnern weg.

Nur bei einer Erhöhung des Rentenalters profitieren alle. Die Arbeiter können ihren heutigen Wohlstand behalten und vom Wirtschaftswachstum profitieren und auch die Rentner können ihre Renten behalten und von den allgemeinen Lohnsteigerungen profitieren. Bei einer Erhöhung des Rentenalters gewinnen deswegen alle, allerdings müssen wir alle etwas länger arbeiten.

Möchten wir das Verhältnis Rentner zu Erwerbstätigen auf dem heutigen Niveau halten, müsste das Rentenalter bis 2040 stetig bis auf über 70 Jahre erhöht werden. Dann gäbe es in 2040 rund 1.8 Millionen Rentner statt der >2.5 Millionen mit Rentenalter 64/65. Gleichzeitig gäbe es 0.7 Millionen mehr Erwerbstätige. Auf einen Erwerbstätigen kämen daher dann nur noch 0.33 Rentner statt 0.53 wie mit dem heutigen Rentenalter.

Die Rentenaltererhöhung kann auch durch eine Flexibilisierung erreicht werden. Beispielsweise spielt es keine Rolle ob jemand 100% bis 68 arbeitet oder aber ab 65 Jahren auf 60% reduziert und dafür bis 70 arbeitet. Auch sind Kombinationen aus Rentenaltererhöhung, mehr Einnahmen und tieferen Renten denkbar. In diesem Fall muss weniger lange gearbeitet werden, aber der Wohlstand sinkt. Ganz ohne Rentenaltererhöhung wird es aber nicht gehen. Denn dann ist schlicht nicht genügend Geld vorhanden, das verteilt werden kann. Wir verarmen.

Wenn wir nicht verarmen wollen, müssen wir das Rentenalter erhöhen.

Quelle für alle Angaben: Bundesamt für Statistik
Lebenserwartung: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/06/blank/key/04/04.html
Zukünftige Bevölkerungsentwicklung: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/03/blank/key/ind_erw.html

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