Die Abzocker-Initiative schiesst weit über’s Ziel hinaus. Mit dem Gegenvorschlag des Parlaments wird die Abzockerei rascher und wirkungsvoller bekämpft.

Die Managerkaste internationaler Konzerne hat sich in den letzten Jahren teilweise schamlos bedient und sich sehr hohe Vergütungen auszahlen lassen. Der Missmut ist verständlich, vor allem weil die hohen Boni teilweise nicht an die effektive Unternehmensleistung gekoppelt waren. Millionen verdienen, wenn Verluste eingefahren werden, entbehrt jeder Logik. Darum ist völlig klar, wieso Thomas Minder aktiv wurde und von verschiedenen Seiten Unterstützung erhielt. Doch Handlungsbedarf haben auch Bundesrat und Parlament erkannt.

Nach zähen Debatten hat das Parlament kürzlich einen griffigen Gegenvorschlag verabschiedet. Alle Parlamentarier von SVP bis zur SP haben zugestimmt – bis auf Ständerat Thomas Minder. Er bleibt stur. Doch warum der Meinungswandel bei zahlreichen ehemaligen Unterstützern von Links bis Rechts?

  1. Der Gegenvorschlag nimmt die fast alle Forderungen der Initiative auf und stärkt die Mitspracherechte der Eigentümer.
  2. Der Gegenvorschlag geht in zwei Bereichen sogar weiter als die Initiative. Nur mit dem Gegenvorschlag können Boni besser zurückgefordert werden. Zudem sind die Transparenzvorschriften viel strenger, was die Mitsprachrache der Aktionäre überhaupt erst ermöglicht.
  3. Die Initiative ist ein Eigengoal, weil die Gefahr besteht, dass Hedgefonds und Proxy Advisory der Pensionskassen mehr Macht erhalten. Zudem schadet die Initiative der AHV, weil Löhne & Boni AHV-pflichtig sind, Dividendenzahlungen dagegen nicht. Last but not least würden die Verwaltungskosten der Pensionskassen enorm steigen, was sich negativ auf die Rentenhöhe der Versicherten auswirkt.
  4. Die starre Initiative dem Wirtschaftsstandort schadet und so Arbeitsplätze bei börsenkotierten Unternehmen, aber auch zahlreichen KMU-Zulieferbetreiben gefährdet.
  5. Der Gegenvorschlag rasch umgesetzt wird, während bei der Initiative nochmals Jahre über Ausführungsbestimmungen verhandelt werden müsste (wie dies Ausschaffungsinitiative, Zweitwohnungsinitiative, Verwahrungsinitiative etc. zeigen).

Kurz und knapp: Mit dem Gegenvorschlag des Parlaments steht ein griffiges und rasch umsetzbares Instrumentarium zur Verfügung, dass eine massgeschneiderte Lösung gegen Abzockerei bringt. Wer sich nicht vom Emotionen leiten lässt, Vor- und Nachteile abwägt, der kommt zum eindeutigen Schluss: Initiative flopp, Gegenvorschlag top.

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