Nein zum revidierten Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen (Hooligankonkordat).

Mein Fehler war, dass ich die Diskussion über das Hooligan-Konkordat im Beitrag von Herrn Ruedi Löffel eröffnen wollte, wogegen sich die Diskussionsteilnehmer doch nur auf das von ihm geforderte Alkoholverbot beschränken wollten. Deshalb versuche ich es mal mit einem eigenen Beitrag.

Meine Meinung zu dieser Thematik entspricht in den wesentlichen Punkten auch derjenigen von http://www.kollektivbestrafung-nein.ch/startseite weshalb ich nur auf einen Punkt eingehen und die Diskussion eröffnen möchte.

Laut Medienmitteilung vom 20. November 2012 hat die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KJJPD) an ihrer Herbstversammlung Empfehlungen zur Umsetzung der Bewilligungspflicht und damit verbundene Massnahmen für Fussball- und Hockeyspiele verabschiedet. Ziel ist es, dass das entsprechende Konkordat im Juni 2013 in allen Kantonen in Kraft ist. Im Kanton Zürich liegen entsprechende Parlamentsbeschlüsse bereits vor und es läuft die Referendumsfrist.

Das Konkordat sieht unter anderem vor, dass die Spiele in drei Gruppen gegliedert werden:

Grüne Spiele stellen kein Risiko dar und sind im Normalfall nicht weiter gross betroffen, ausser das auch sie einer Bewilligungspflicht unterworfen sind beim Einlassverfahren ein lückenloser Abgleich mit der HOOGAN-Datenbank beim Heim- und Auswärtssektor verlangt wird. Bei gelben Spielen hingegen bestimmt die Bewilligungsbehörde ob der Gastklub für seinen Anhang Charterzüge- oder Büsse organisieren muss und bestimmt vorab wann und wo die Transportmittel abfahren und wo sie anhalten. Die Pinkelpause auf einer mehrstündigen Carfahrt wird also von der zuständigen Behörde bestimmt. Toll. Diese Regelung gilt für alle Fans welche das Spiel im Auswärtssektor sehen wollen. Falls also ein YB-Fan welcher in Luzern wohnt seinen Verein im Auswärtssektor des Letzigrunds unterstützen will, müsste er zuerst nach Bern fahren um von dort aus dann mit Charterzug- oder Bus nach Zürich zu fahren. Interessant, nicht? Man nimmt dem Besucher die Freiheit selber zu bestimmen wie er seinen Möglichkeiten entsprechend an ein Spiel fahren soll respektive kann.

Noch besser kommt es lediglich bei Spielen der Farbe Rot:

Stewards ihres Clubs kontrollieren beim Besteigen des Transportsmittels, ob die Gästefans eine Fahrkarte für den Charterzug- oder bus sowie für den Gästesektor besitzen.

Quelle

Die Stewards der Gastclubs kontrollieren dies, wohlgemerkt. Der Heimclub reibt sich die Hände und der Gastclub bezahlt die Zeche. Das ganze kann in der Praxis gar nicht funktionieren. Oder wie stellen Sie sich das vor wenn zb. an einem Cupfinal 15‘000 Fans eines Vereines anreisen?

Lapidar stellt das KKJPD noch fest das solche Kombitickets keine unzulässige Einschränkung der persönlichen Freiheit der Gästefans, sondern vielmehr eine kleine Einschränkung sei. Ein Hohn! Ich gehe zudem davon aus, dass die Fans auf diese Art der Anreise nicht einlassen werden und sich Tickets für andere Stadionbereiche besorgen und auf andere Weise anreisen. Sollte dies der Fall sein wird die Arbeit für Polizei, Behörden und Stadionbetreiber einiges schwieriger als mit dem bisher funktionierenden System mit individueller Anreise oder Anreise in Extrazügen.

Auch die restlichen Massnahmen wie

  • Verbot von Alkoholika im Stadion sowie in einem Perimeter ausserhalb
  • Einlassverfahren mittels Identifizierung
  • Untersuchen von Personen oder Personengruppen im Intimbereich auf blossen Verdacht hin
  • Übertriebene/ausgedehnte Rayonverbote auf den blossen Verdacht hin

empfinde ich als höchst fragwürdig, willkürlich und unverhältnismässig. Das Konkordat reisst Brücken ein statt Hand zu bieten. Und das ganz ohne Augenmass.

Für die einen ist Fussball heilig, Subkultur, Mainstream – je nach Betrachtungsweise. Eines ist der Fussball aber ganz bestimmt: von Woche zu Woche, oder Wochenende zu Wochenende der grösste Jugendtreff der Schweiz. Für die jungen und jung gebliebenen mit Freude an einem Spiel das die ganze Welt begeistert. Schauen wir also dafür, dass wir Spiele geniessen können ohne unter Generalverdacht gestellt, schikaniert und eingeschränkt zu werden.

Deshalb Nein zum revidierten Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen.

Hier gibt’s Unterschriftsbögen.

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