America: What Went Wrong

Die Schulden auf Rekordstand. Die Wirtschaft am Boden. Die Arbeitsmarktsituation dramatisch. Das Land erholt sich vom Krieg im Irak nur schwer und die unangefochtene wirtschaftliche Vormachtstellung der USA scheint endgültig bedroht. Neben Japan entwickelt sich auch Deutschland hervorragend. Die beiden Länder scheinen kurz davor zu sein, die USA im Bruttoinlandprodukt (BIP) zu überholen. Die USA liegen nur noch mit etwas mehr als 2 Billionen Dollar vor dem asiatischen Widersacher, dessen Firmen wie Sony, Toyota und Matsushita mittlerweile amerikanische Wahrzeichen aufkaufen und US-Traditionsfirmen aus dem Markt drängen. War es das mit Amerika? Ist die amerikanische Vormachtstellung am Ende.

Sie fragen sich, warum im Text Deutschland und Japan steht anstatt China und Südkorea? Und was will Sony hier, hat Sony nicht jeden wichtigen Trend verschlafen? Heute sind es doch Firmen wie Apple und Samsung, die den Ton angeben. Nun, dies hat einen simplen Grund. Es war die Welt von vor genau 20 Jahren. Kurz nach meiner Stifti kratzte ich mein Geld zusammen und flog in die USA. Ich durfte live miterleben, wie Bill Clinton den Republikaner George Bush aus dem Amt jagte. Wie Amerika vor einem Scherbenhaufen stand und vor allem von Europa Totgesagt wurde. Bekanntlich leben totgesagte länger und es ist eine amerikanische Eigenschaft, dass sie zwar immer nett sind und sich schwer direkt die Meinung sagen, wenn es aber hart auf hart kommt, können sie ungemein selbstkritisch sein. Das Buch America: What Went Wrong zählte gnadenlos auf, was in den USA nicht mehr stimmte. Die US-Elite war sich des Niedergangs der Nation bewusst und überhaupt nicht bereit, diesen kampflos hinzunehmen. Mit dem uramerikanischen Selbstverständnis die grösste Nation der Welt zu sein, erfand sich der amerikanische Pioniergeist neu.

Das World Wide Web wurde zwar im CERN in Genf von einem Engländer erfunden, es war aber ein amerikanischer Student, Marc Andreessen, der das WWW mit seinem Browser Netscape zum Siegeszug verhelfen sollte. Zusammen mit dem Computerunternehmer James H. Clarc war er der Pioneer der sogenannten New Econommy. Marc Andreessen und eine handvoll Unternehmer aus dem Silicon Valley verstanden es, dass sich da soeben die grösste Revolution seit der Erfindung des Computers anbahnte. Und wie alle wichtigen Industrien der letzten 100 Jahre, besetzten die Amerikaner auch die Internetwirtschaft. Innerhalb weniger Jahre bauten sie Firmen wie Netscape, Yahoo, AOL, Google, Amazon, Cisco, ebay und viele mehr auf. Während in Detroit die Autoindustrie Arbeitsplatz um Arbeitsplatz abbaute, kreierte die New Economy Job um Job.

Sicher, die Finanzhaie fingen an zu spekulieren und der Börsenboom endete im Jahr 2001 für viele Unternehmen und Aktionäre brutal. Doch relevant war der Crash nicht. Im Gegenteil. Er war eine gesunde Korrektur. Werden wir uns bewusst, damit es einen Crash geben kann, muss es vorher einen Aufschwung gehabt haben und diese Börsenhausse ermöglichte erst, dass viel Investitionskapital in die digitale Wirtschaft kam. Mit diesem Geld konnten reale Firmen mit realen Jobs entstehen. Ein ganzer Wirtschaftszweig rettete Amerika vor dem Niedergang. Amerikanische Firmen dominieren heute ihre Mitbewerber wieder weltweit. So, wie sie sie einst in allen wichtigen Schlüsselindustrien dominierte. Wer sucht, sucht mit Google. Facebook wird auf der gesamten Welt genutzt. ebay dominiert weltweit den Occassionsmarkt. Amazon stieg zum Mayor Player im Handel auf. Und viele US-Firmen, die wir nicht sehen und kennen, besitzen im Hintergrund wichtige Infrastrukturprojekte weltweit. Es steht ausser Frage, in der digitalen Welt sind die USA unangefochtener Leader.

Während Japan sich vom Crash der 90er im eigenen Land nicht mehr richtig erholte und West-Deutschland plötzlich mit der Integration Ost-Deutschlands beschäftigt war, fand Amerika zur alten Stärke zurück. Es eilte seinen Mitbewerbern davon. Steigerten die Japaner ihr BIP in den letzten 20 Jahren von 3.5 Billionen auf 5.8 Billionen, schraubten die Amerikaner ihr BIP von 6 Billionen auf über 15 Billionen hoch.

Amerika erlebte in den letzten 20 Jahren einen unglaublichen Boom und stand eindrücklich von den Totgesagten auf. Amerika schuf Jobs, die man ihm nicht mehr zutraute und es schuf weltweit bekannte Marken, die ihre Mitbewerber dominieren.

Neben dem New Economy Boom erlebte Amerika aber noch einen Immobilien-Boom, der die Wirtschaft zusätzlich anfeuerte. Im Gegensatz zum New Economy Crash schmerzt der Einbruch des Immobilien-Marktes 2007 die Amerikaner aber gewaltig. Wenn Boden an Wert gewinnt, werden keine Jobs geschaffen, und wenn eine Brücke oder ein Haus gebaut wird, führt dies nicht zu nachhaltigen Jobs. Und so scheint Amerika wieder dort angelangt zu sein, wo es vor 20 Jahren stand. Die Schulden auf Rekordstand. Die Wirtschaft am Boden. Die Arbeitsmarktsituation dramatisch. Das Land erholt sich von den Kriegen im Irak und in Afghanistan nur schwer und die unangefochtene wirtschaftliche Vormachtstellung der USA scheint endgültig bedroht. China und Südkorea klopfen an der Tür...

Aber die Amerikaner haben es schon erkannt. “Der Kampf um die Arbeitsplätze von morgen” ist ein Buch, wie es einst “Amerika: what went wrong” war. Wieder einmal ist ein Amerikaner brutal selbstkritisch und fordert, dass Amerika die nächste Revolution in der Arbeitswelt erneut dominiert. Für Amerikaner eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

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