AHV ausbauen und über Konsum statt über Löhne finanzieren!

„Die Einführung des BVGs im Kapitaldeckungsverfahren verursacht einen massiven Kapitalstau. Idealerweise sollte dieses Kapital in die Realwirtschaft, also tatsächlich irgendwo reinvestiert werden. Aber diese enorme Kapitalmasse kann von der Realwirtschaft gar nicht absorbiert werden. Allein in der Schweiz betragen die Spargelder aus der 2. Säule über 700 Mia. Franken. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt 2011 der Schweiz betrug 590 Mia. Franken.

Die Wirtschaft braucht für neue Investitionen Kredite, die sie aus der Wirtschaftstätigkeit wieder zurückzahlt. Wenn gespartes Kapital nicht durch Kredite in der Realwirtschaft im Umlauf gehalten wird, müssen reale Sachwerte und Finanzprodukte für die Anlagen hinhalten. Dies führt unweigerlich zu den bekannten Finanzblasen aller Art.

Während Kredite in die Wirtschaft für Rationalisierungen und Produktivitätssteigerungen investiert werden und damit zu tieferen Produktpreisen führen, haben Konsumkredite und Investitionen in Finanzprodukte tendenziell Preissteigerungen zur Folge. Zu viel Kapital ergibt eine grosse Nachfrage nach Sachwerten, z. B. nach Land. Bei Grund und Boden ist das gut zu beobachten: Anlagesuchendes Kapital führt zu hohen Bodenpreisen, zu Landspekulation, diese wiederum zu Mietzinssteigerungen.

Natürlich hat das AHV-Umlageverfahren auch seine Nachteile. Doch der Vorwand gegen das Umlageverfahren, nämlich die demografische Entwicklung, ist nur dann zutreffend, wenn vorwiegend die arbeitende Bevölkerung die Renten finanziert. Denn würden die AHV-Beiträge analog der Mehrwertsteuer vom inländischen Umsatz der Unternehmen erhoben, so würde die AHV auch von allen Effektivitätssteigerungen der Wirtschaft profitieren und von der demografischen Entwicklung ziemlich unabhängig sein. Diese Finanzierungsart würde zudem die Exportwirtschaft konkurrenzfähiger machen, denn die Sozialbeiträge wären nicht mehr Teil der Lohnkosten und damit der Produkte. Wir sollten die 1. Säule ausbauen und stärken und dagegen die 2. Säule massiv reduzieren.“ (Daniel Maeder in FondsGoetheanum, „Altersvorsorge: Achtung, Kapitalstau“, Oktober 2012, Seite 7).

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