Täter, Opfer und anderes

Eine "Strafmoral" ist eigentlich schon deshalb überflüssig, weil jeder Mensch, der anderen Leid antut, sich damit nur ins eigene Fleisch schneidet und sich quasi selbst bestraft. Denn zum einen werden die wenigsten Taten, die anderen Menschen Leid zufügen, aus einem positiven Gefühl heraus begangen. Es ist so gut wie immer Angst im Spiel, die sich entweder direkt oder indirekt - etwa aus Hass oder Verzweiflung - äußert. Dem Täter ist außerdem meist durchaus klar - außer er steht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss (LSD, Meskalin oder gar Crack) - dass er Leid hervorruft. Sein, also dem Täter, Bewusstsein ist also auf Angst und Gram ausgerichtet, und er ist in den meisten Fällen auch von (bewussten und unbewussten) Schuldgefühlen geplagt. Es ist klar, dass eine solche Bewusstseinsausrichtung eine Realität erzeugt, die von ebendiesen Elementen geprägt ist, und diese Realität bekommt der Täter früher oder später zu spüren - ob er nun direkt und gezielt für seine Tat bestraft wird oder nicht.

In der indischen Spiritualität (selbstverständlich sind wir Schweizer keine Inder) wird dieses Prinzip - das kosmische Gesetz von Ursache und Wirkung - als Karma bezeichnet. Es besagt, dass alles, was ein Mensch (eine Person) denkt und tut, irgendwann auf ihn zurückfällt - sowohl die angenehmen als auch die unangenehmen Dinge.

Wenn es überhaupt so etwas wie eine allgemeingültige "Moral" geben kann, dann muss sie als einzige Werte die Grundbedürfnisse unserer Instinkte vertreten - mit der kleinen, aber feinen Ergänzung, dass dieses (unser) System so gestaltet sein muss, dass es allen Menschen die Erfüllung der Grundbedürfnisse im größtmöglichen Umfang ermöglicht.

Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass aus diesem simplen Beitrag sich automatisch eine universelle Ethik ergibt, die höchsten Standards genügt und keinen Raum für Fundamentalismus bieten.

Eine andere Form von Moral kann auf Dauer nicht funktionieren, schon gar nicht in einer Welt ohne Grenzen!

Zum Täter selber:
In persönlichen Konflikten (wer hat das nicht schon erlebt), etwa in Partnerschaftsbeziehungen, ist es oft so, dass jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe schiebt - und jeder hat aus seiner Sicht auch gute Gründe dafür, denn beide versuchen letztlich nur (auf mehr oder weniger kuriosen Wegen) , die Grundmotive ihrer Instinkte zu erfüllen, und deren Legitimität lässt sich nicht in Frage stellen. Mit der Schuldzuweisung macht der eine oder andere letztlich die andere Person (Partner) für seine eigenen Gefühle verantwortlich.

Es ist klar, dass sich der Konflikt auf diese Weise niemals lösen lässt - es ist ein Teufelskreis. Meiner Meinung nach kann eine solche "Rückkopplungsschleife" nur durchbrochen werden, wenn mindestens einer der Beteiligten die Verantwortung für seine Gefühle (Interessen) und sein Handeln selbst übernimmt. Damit bricht das "Schuldspiel" zusammen, und eine Lösung kann gefunden werden.

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