Wirtschaftskrise fördert Fremdenfeindlichkeit

Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf Deutschland besonders hart, da das Land noch die Lasten des ersten Weltkriegs zu tragen hatte. Entsprechend gross waren auch die Folgen: Armut, Arbeitslosigkeit, Zukunftsängste. Und ebenso gross die Versuchung, alle Probleme einem Sündenbock anzulasten: den Juden. Neben diesem „Hauptfeind“ kamen auch noch andere Randgruppen ins Visier wie Roma und Homosexuelle.
80 Jahre später gibt es wieder eine grosse Wirtschaftskrise, und sind schnell Sündenböcke zur Hand. Muslime, Asylanten, Ausländer allgemein. Die Argumentationsmuster sind ähnlich:

  • die grosse Weltverschwörung, die man seinerzeit den Juden andichtete, wurde 1:! Auf die Muslime übertragen.
  • Vor 100 Jahren kursierte das Wort „Judaisierung“, heute geeistert das Gespenst der „Islamisierung“ durch die Köpfe.
  • auch der Verlogenheitsvorwurf wird von den Juden auf die Muslime übertragen. In der extremsten Variante gibt es keine moderatn, sondern nur radikale Muslime. Und jeder, der sich nicht radikal verhält, verstelt sich.
  • die abstrusen Rassentheorien, welche die Judenvernichtung pseudo-wissenschaftlich untermauerten, haben durch Thilo Sarrazin ein Revival erfahren. Der pensionierte Notenbanker teilt die Menschen in wirtschaftlich nützliche und nutzlose Gruppen ein. Zu den Nützlichen zählt er unter anderem sich selbst, zu den nutzlosen unter anderm Muslime, aber auch Hartz IV Empfänger. Die Nützlichkeit oder Nutzlosigkeit sei in den Genen angelegt. Die „nutzlosen“ Türken und Araber kommen gemäss Autor also nutzlos zur Welt, werden nutzlos sterben und in der Zwischenzeit eine Menge nutzloser Kinder „produzieren“.

Das gefährlichste an diesem Unsinn sind die Folgerungen, die man daraus ziehen könnte, falls man das Zeug glaubt. Wenn nämlich bestimmte Menschen angeblich das Problem sind, ein Dialog nicht möglich ist, und diese Menschen sich auch noch „wie die Karnickel vermehren“, wie löst man dieses Problem? Und schon sind wir gefährlich nahe bei der „Endlösung der Judenfrage“. In Norwegen hat letztes Jahr schon jemand zur Waffe gegriffen. Das kann auch anderswo passieren. Diese Abgründe stecken in uns allen. Auch wenn man sie gerne nur bei anderen sieht. Und gerade deshalb ist es wichtig, alles zu tun, damit diese Abgründe nicht zum Vorschein kommen. Denk- und Lösungsansätze dazu in einem späteren Beitrag.

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