Hobby: Heuchelei

Vorgestern war in den Medien zu lesen, dass die SVP Basel die Juso Basel-Stadt wegen einem Plakat, das einen glatzköpfigen Mann mit Bomberjacke auf dem ein Sünneli prangt anzeigen will (http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Jungsozialisten-beleidigen-SVP-mit-NaziSujet/story/17577298). Auch so manche dünnhäutige Person hier auf Politnetz fühlte sich bemüssigt mit Klage zu drohen. Aus mehreren Gründen musste ich mich fragen ob die wählerstärkste Partei der Schweiz schlicht das Kurzzeitgedächtnis einer Fliege hat, die ständig in die selbe Scheibe fliegt oder ob sie - und das halte ich für viel wahrscheinlicher - nichts anderes tut, als sich in einer ihrer Lieblingszeitbeschäftigungen zu üben: der Heuchelei.

Betrachtet man die Plakate der SVP in den letzten Jahren, dann findet man ein paar Beispiele, wo man sich wundert, wieso sie von einer Partei geschaltet wurden, die plötzlich über Stil redet, da war so ziemlich alles dabei von einem klischierten Bild eines Schwarzen (http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/329594/index?gal=329594&index=12&direct=), dem berühmten Plakat mit den schwarzen Schafen (http://www.rhetorik.ch/Aktuell/07/07_16/index.html), welches übrigens auch von der neonazistischen Partei NPD übernommen wurde (http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=70783) oder dem Klassiker mit den Linken als rote Ratten (http://www.publikative.org/wp-content/uploads/2012/02/svp1.jpg). Für die ExponentInnen der SVP war jedoch keine Ausrede zu dämlich, wenn es darum ging zu behaupten, dass keines der Plakate diffamierend sei, es würden nur Redewendungen verbildlicht etc etc...

Genauso gut könnte die JUSO jetzt argumentieren, dass es sich nur um einen jungen SVP-Wähler mit Glatze und Bomberjacke und nicht um einen Neonazi handle (tatsächlich ist kein Hinweis darauf zu finden, dass es sich um einen Faschisten handelt, einzig erkennbar ist, dass der junge Mann wohl der Subkultur der Skinheads angehört, von denen auch so mancher links ist), tut sie aber nicht. Die Präsidentin der Juso Basel Stadt führte auf das Plakat angesprochen aus, dass die SVP keineswegs rechtsextrem sei, sich jedoch wegen ihrer Politik, einige Leute aus dem rechtsextremen Spektrum zur SVP hingezogen fühlen würden.

Diese Aussage trifft eindeutig zu, so fanden sich unter den TeilnehmerInnen von Anlässen, die traditionell stark mit der SVP verknüpft sind, wie an Schlachtenfeiern, regelmässig Leute aus dem neofaschistischen Millieu und auch innerhalb der SVP grassierte vor einiger Zeit übelste faschistoide Rhetorik, was man gut an Ausbrüchen in social media Netzwerken wie facebook sehen konnte. Ganz gemäss dem Motto "getroffene Hunde bellen." Regen sich die Parteimitglieder jetzt jedoch plötzlich auf, wenn man ihnen den Spiegel vorhält und zeigt, dass die Plakate der Linken und Netten vielleicht auch nicht immer so nett sind. Bleibt zu hoffen, dass die SVP sich ihrer eigenen heuchlerischen Haltung bewusst wird, wenn sie ihren Schock darüber, dass sie halt unter Beschuss anderer Parteien geraten, wenn sie diese permanent diffamieren (ja da haben wir auch hier im Forum zumindest einen Spezialisten für), überwunden haben.

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