Tradition

Dirndl und Lederhosen statt Sonntagstracht. Zunehmend kleiden sich die Gäste eines solchen Festes mit bayrischer Lederhose respektive Dirndl. An Herbstsonntagen sieht man aber kaum Menschen, die lokale Trachten tragen.

Man könnte sich auch fragen, ist dieses Oktoberverkleiden vergleichbar mit der Fasnacht?
Vermutlich hat die Sonntagstracht das verstaubtere Image als eine Lederhose. Eine Tracht ist kostbar und muss mit Sorgfalt behandelt werden und man bekennt sich mit diesen Kleidern an die Vergangenheit seiner Vorfahren. Hingegen in einem Cowboykostüm werde ich zu einer losgelösten Heldenfigur. Hinzu kommt eine weitere Veränderung in unserer Festkultur: Früher waren Feste eine Art Belohnung, die man im Wortsinn noch stärker verdienen musste. Man hatte eine Abschlussprüfung bestanden oder die Ernte eingebracht, deshalb wurde gefeiert. Heute braucht es keinen Grund mehr für ein Fest, sondern wir wollen einfach ausgelassen und fröhlich sein und saufen, was wiederum ein Ergebnis eines Lebensstandards ist, den wir uns leisten können.

Dass die eigene Kultur an solchen Herbstfesten mit ihren Traditionen weniger gepflegt werden als eine Fremde hat vermutlich mit der offenen Kultur bei uns zu tun.

Halloween, Oktoberfest, besoffener Santa Claus mit Rentiergespann und andere Bräuche haben in der jüngeren Vergangenheit bei uns Fuss gefasst.

Wer zum Beispiel bei uns in Schaffhausen den Munotball besuchen will, muss sich entsprechend kleiden und die entsprechenden Tänze (Quadrille-Tanz) beherrschen, was die Zutrittsschwelle wiederum erhöht. Wie aber lässt sich erklären, dass Menschen vor den nobelsten Clubs Schlange stehen?

Ist Exklusivität in diesem Sinne nicht auch reizvoll?

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