Die ganze Schweiz spricht vom Atomausstieg. Dabei gibt es ein Problem, aus dem nicht einfach so ausgestiegen werden kann: der Atommüll.

Die vier Schweizer Atomkraftwerke (AKW) produzieren seit 1969 Jahr für Jahr tonnenweise radioaktiven Abfall und niemand weiss genau wohin damit. Wird dann vom Bund mal ein Standort vorgeschlagen, ist der Protest schon vorprogrammiert! Lagern: ja! Nur nicht vor meiner Haustür.

Das Schweizer Kernenergiegesetz schreibt klar vor, dass der in der Schweiz angefallene radioaktive Abfall auch in der Schweiz gelagert werden muss. Die Menge, die aus den AKWs, der Medizin und der Forschung zusammenkommt, beträgt bis zum Atomausstieg nach Schätzungen von Experten wohl das Volumen der Bahnhofhalle Zürich. Schon jetzt haben sich tonnenweise Abfall angesammelt, die in einem oberirdischen Zwischenlager im Kanton Aargau verstaut sind. Doch da können sie nicht bleiben, denn das gefährliche Zeug strahlt Jahrtausende lang. Und der Abfallhaufen wird immer grösser. Also muss ein atomares Endlager her. Eingebuddelt in Gestein in bis zu 500 Meter in die Erde.

Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) sucht seit Jahrzehnten nach einem geeigneten Standort. Millionen an Steuergeldern wurden in geologische Untersuchungen gesteckt. Und doch sind wir noch nicht weiter. Denn überall gibt es Widerstand. Zuerst war es der Kanton Nidwalden, der sich jahrzehntelang gegen ein Lager gesträubt hat. Zwei Volksabstimmungen 1995 und 2002 waren überaus deutlich. 2011 hat auch der Kanton Waadt dem Bund eine klare Absage erteilt. Die Diskussion ist emotional. Die Kinder sollten nicht neben einem solchen Lager aufwachsen oder gar in der Nähe spielen. Dazu komme, dass die Sicherheit noch nicht gewährleistet sei. Doch wie auch? Auf der ganzen Welt wurde noch kein Endlager in Betrieb genommen. Finnland wird in wenigen Jahren als Pionierland in die Geschichte eingehen. Doch irgendwann muss die Schweiz damit anfangen!

Und da kommen Gegner mit der glänzenden Idee, den unbeliebten Müll einfach auszuschaffen. Schliesslich habe die Schweiz das Geld und es gäbe Länder, die weniger dicht besiedelt seien. Dieselben Leute, die dies sagen, haben meist jahrelang von günstigem Strom aus der Steckdose profitiert. Den Abfall möchten sie aber ausschaffen. Denn aus den Augen, aus dem Sinn.

Seit Dezember 2011 läuft nun aber endlich die zweite Etappe der Standortbestimmung für ein Tiefenlager. Es kommt wieder Schwung in die Sache. Viele Umweltorganisationen zeigen Kooperationsbereitschaft. Zusätzlich wurde den Gemeinden das Vetorecht entzogen. Die Proteste sind aber dadurch nicht verstummt. Noch immer haben einige Schweizerinnen und Schweizer das Gefühl, dass das Atommüllendlager nicht vor die eigene, sondern bitte vor die Haustür von jemand anderem gebaut werden soll.

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