Weshalb die Strategie für den Atomausstieg zum Scheitern verurteilt ist

Egal, ob Sie für oder gegen Atomkraft sind. Egal, ob Sie Sympathien für die Grünen oder für die SVP haben - Wir haben Eines gemeinsam:

Wir alle müssen die Strategie des Bundes für den Atomausstieg mittragen. Bis heute hat jedoch bisher einzig und allein die Regierung diesen Schritt - den Atomausstieg - beschlossen. Das Volk wird frühestens bei der von den Grünen eingereichten Atomausstiegs-Initiative zu Wort kommen.

Befassen wir uns doch einmal nicht mit den Parteien und ihren Argumenten, sondern mit der Regierung und ihrer Strategie. Nehmen wir diese Strategie und die bisherige Kommunikation detailliert unter die Lupe.

Fassen wir also kurz einmal zusammen: Währenddem sich die Annahmen und Zahlen nahezu monatlich verändern, verändern sich auch die Konsequenzen für die Bevölkerung gleichermassen. Währenddem 2011 noch verkündet wurde, der Atomausstieg koste der Bevölkerung maximal 5 CHF pro Jahr mehr, verkündet man 2012 bereits, dass die privaten Haushalte bis zu 30% mehr Kosten zu erwarten haben.

Dies unter der Bedingung, dass die Strategie des Bundes (welche auf den oben dargelegten stark schwankenden Annahmen basiert) mehr oder weniger aufgeht, unter der Bedingung dass man es schafft den Energiebedarf aller Haushalte um mindestens 45% zu senken und unter der Bedingung, dass die Schweizer Bevölkerung bis 2035 nicht über 8.8 Millionen Menschen anwächst.

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen hat dazu auf Twitter einen passenden Kommentar veröffentlicht:

Was für ein Luftschloss!

Verschaffen wir uns einen kurzen Überblick, was der Bund hier genau vor hat:

  1. Die Bevölkerung wuchs zwischen den Jahren 2000 und 2012 um fast 1 Mio. Menschen auf 8'000'000 Einwohner an. Der Bund geht bei seinem Atomausstiegs-Szenario davon aus, dass die Bevölkerung von 2012 bis 2035 nicht über 8'800'000 Personen anwachsen darf. Dabei erliess er vor ein paar Monaten detaillierte Abklärungen, welche davon ausgehen, dass im Extremfall die Schweiz dann bereits ca. 10 Mio. Einwohner haben wird. Ein mittleres Szenario geht von etwa 9 Mio. Einwohnern aus und ein tiefes Szenario sogar von einer Stagnation im Bevölkerungswachstum und dementsprechend von rund 8 Mio. Einwohnern.
  2. Das heisst, dass die Bevölkerung während den nächsten 20 Jahren etwa nur halb so stark anwachsen darf, wie in den letzten 12 Jahren, auf eben maximal 8.8 Millionen Personen. Gleichzeitig stellen sich Bund und Verwaltung aber auch in einer klaren Mehrheit für den Erhalt der Personenfreizügigkeit, mit welcher in den letzten paar Jahren durchschnittlich 80'000 Personen mehr in die Schweiz eingewandert -als ausgewandert sind. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Trend weiter anhält, können wir folgende Rechnung aufstellen:
  3. 20 Jahre x 80'000 Personen = 1'600'000 Personen mehr. Zuzüglich zum natürlichen Bevölkerungswachstum dürfen wir bis 2032 also ruhig mit einer Einwohnerzahl von 10 Mio. Personen rechnen - wenn wir so weiterfahren wie bisher. Wir sind somit auf bestem Weg, das obere Extrem-Szenario des Bundes zu erreichen oder bis 2035 sogar zu übertreffen.
  4. Zum Bevölkerungswachstum hinzu kommt die immer weiter voranschreitende Elektrisierung und Technologisierung hinzu. Wir besitzen zwar immer wie sparsamere, aber auch immer wie mehr elektrische Geräte. In Zukunft wird sich diese technische Revolution weiter fortsetzen. Dies führt zu einem weiter ansteigenden Energieverbrauch.
  5. Auch die Wirtschaft boomt in der Schweiz. Wir müssen davon ausgehen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird und die Wirtschaft (eben auch dank der hohen Einwanderung) weiter stark anwachsen wird. Damit steigen der Ressourcen-, Energie-, und der Stromverbrauch noch einmal gewaltig an.

Sollte sich der Bund, nebst all den anderen Annahmen wie der erfolgreichen Steigerung des Solar -und Wasserkraftstroms, nicht verspekulieren müssten sich also auch die Vorstellungen in den oben genannten Bereichen erfüllen. Wie oben dargelegt: Dies ist wenn nicht schier unmöglich, dann aber nur mit unvorstellbaren Anstrengungen, massiven Verteuerungen und extremen Schäden für die Wirtschaft erfüllbar.

Falls der Bund sich hier in einem oder mehreren Punkten verspekuliert, ist die Strategie gescheitert. Den Preis dafür zahlen dann aber nicht jene Bürokraten, welche den Atomausstieg beschlossen haben, sondern der Bürger und die Wirtschaft. Und nicht zuletzt wäre die Umwelt auch davon betroffen: Denn bereits heute plant die Regierung den "grünen und umweltverträglichen Atomausstieg" mit Gaskombikraftwerken zu bewerkstelligen. Eine andere (bereits von der Regierung bestätigte Möglichkeit) wäre, den Stromimport aus dem Ausland zu erhöhen (möglicherweise auch Strom von AKWs, Kohlekraftwerken oder Gaskombikraftwerken). Die Schweiz würde dadurch für ihre "netten" Nachbaren erpressbar. So nicht! In dieser Hinsicht kommt die angesprochene Atomausstiegs-Initiative der Grünen eigentlich gerade zum richtigen Zeitpunkt:

Das Volk hat somit die Gelegenheit das völlig illusorische Luftschloss unserer Regierung zu Fall zu bringen! Die Strategie des Bundes ist zum Scheitern verurteilt und dies sollte sowohl Atomstrom-Berfürwortern, als auch den Atomstrom-Gegner zu denken geben. Womöglich lenkt der Bund uns hier in eine Richtung, welche keine der beiden Seiten will: Abhängigkeit von der EU, höhere Energie -und Strompreise, massive Schäden in der Wirtschaft, sowie ein höherer CO2-Ausstoss sind die absehbaren Folgen des Atomausstiegs.

- Die Versorgungssicherheit muss gesichert sein!
- Die Unabhängigkeit muss erhalten bleiben!
- Nein zu mehr CO2-Ausstoss durch neue Gaskombikraftwerken!
- Die Strompreise dürfen nicht zu stark ansteigen!

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