Berufs- oder Milizparlament ist nicht die entscheidende Frage.

Der Begriff Burnout ist nicht „nur“ in aller Munde sondern die Erkrankung entwickelt sich unserer rast- und ruhelosen Gesellschaft mit der Steigerungsrate unserer Erreichbarkeit zunehmend. Neben vielen Unbekannten trifft es auch immer mal wieder öffentliche Personen. Mit der Erkrankung von Natalie Rickli ist auch die Diskussion um das faktische Berufsparlament wieder aufgekommen. Die Benennung Milizparlament ist mit Blick auf das durchschnittliche Arbeitspensum für ein Amt im National- und Ständerat eigentlich sowieso nur noch eine schöne Etikette. Niemand bestreitet die Globalisierung und die zunehmenden internationalen Verflechtungen, damit steigt auch die Komplexität der politischen Sachthemen.

In Abhängigkeit der verschiedenen Zeiteinflussfaktoren, müssen auch politische Entscheidungen heute schneller gefasst und umgesetzt werden. Dann stellt sich die Frage, ob wir Parlamentarier wollen, die möglichst viel in Bern anwesend sind oder ob wir diesen Aspekt völlig ausser Acht lassen. Es ist auch festzustellen, dass im heutigen Parlament durch sehr viel Lobbyismus wichtige sachpolitische Vorlagen verschleppt und blockiert werden. Beispielsweise in der Landwirtschaft und auch im Gesundheitswesen sehr gut zu beobachten. Wie gehen wir mit dieser Situation um. Eine Möglichkeit wäre, die Regierung auf Kosten des Parlamentes zu stärken. Zahlreiche Reformen um den Bundesrat zu stärken und ihn mit mehr Kompetenzen auszustatten, sind in den letzten Jahren gescheitert.

Es ist nicht zwingend ein Berufsparlament zu etablieren, aber das bestehende System des Milizparlamentes muss unbedingt reformiert werden. Warum nicht die Parteien stärken mit einer staatlichen Teilparteifinanzierung, wie dies schon mehrmals vorgeschlagen worden ist? Diese Mittel könnten dann in persönliche Mitarbeiter der Fraktion investiert werden, um die Parlamentarier zumindest teilweise zu entlasten? Die Alternative den Kopf in den Sand zu stecken und die herrschenden Herausforderungen der Zukunft mit dem Status Quo zu beantworten, ist definitiv zu wenig und ungenügend.

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