Fürchtet euch nicht!

Wer die heutige Nationalratsdebatte mitverfolgt hat, könnte meinen, dass Bürgerliche die ängstlichsten Menschen der Welt seien. Als es nämlich darum ging, zu entscheiden ob eine Lohnbandbreite im Verhältnis 1:12 sinnvoll wäre um die Lohnexzesse in den Chefsesseletagen zu bekämpfen, überschlugen sich die diverse NationalrätInnen mit Horrorszenarien, die mit der Realität kaum etwas zu tun haben. So hatte CVP-Nationalrat Ritter den Eindruck, dass es plötzlich unmöglich sei Topkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Herrn Ritter sei einmal gesagt, dass der Umkehrschluss "mehr Geld nehmen, besser arbeiten" kein Automatismus ist und man auch mit Höchstlohn von rund 500'000.- (gerechnet bei einem niedrigsten Lohn von 4000.- im Ausland fähige Arbeitskräfte finden kann. Lohnspitzen von 1:200 oder noch höher (im Fall der Novartis war im Jahr 2008 die Lohnbandbreite 1:1000) schützten Unternehmen, wie die UBS nicht vor misswirtschaft oder volkswirtschaftlich schädliches (für Einzelpersonen profitables) Verhalten. Auf solche Spitzenleute kann ich verzichten!

Auch Herr Noser von der FDP scheint ein ganz ängstlicher Geselle zu sein, so sprach er davon, dass die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ein Mass erreichen würde, wie es im Moment in Spanien der Fall ist, wenn die 1:12 Initiative angenommen werden würde. Das nur ein Bruchteil der Leute in der Schweiz von Salären in einem Verhältnis von über 1:12 träumen können, scheint Herrn Noser ins seiner neoliberalen Traumwelt nicht bekannt zu sein, dass jedoch die wirtschaftliche Situation Spaniens mit der in der Schweiz nicht vergleichbar ist, sollte er jedoch aus der Zeitung wissen. Doch was will man von jemandem erwarten, der meint, dass Erfinder mit 1:12 nur noch ein Trinkgeld erhalten. Da ich bereits im Service gearbeitet habe, weiss ich, dass Noser sich wohl um den Faktor 200'000 verschätzt hat, was Trinkgelder (und zwar relativ überdurchschnittliche) angeht, die betragen eher 2.50.- als 500'000.-, die mit 1:12 möglich wären.

Auch das Delokationsargument scheint so manchem bürgerlichen Handlanger der Abzocker einen Schrecken einzujagen. Scheinbar werden alle reichen Freunde der SVP/FDP/BDP ihre Unternehmen in ihre Koffer packen und weggehen, wenn das Schweizer Volk gegen Lohnabsurditäten vorzugehen beginnt. Die Herrn Schläfli (NR CVP) und Spuhler (NR SVP) seien beruhigt: eine stabile Währung, eine gute Infrastruktur und gute Bildung (obwohl da die bürgerlichen gerne sparen), sind für Unternehmen um ein vielfaches wichtigere Standortfaktoren als die Löhne der obersten 10 Verwaltungsräte (wer jetzt sagt, dass die jedoch das sagen haben, dem sei gesagt, dass ja Minder die Rechte der anderen Aktionäre steigern will ;) ). Besonders wichtig hierbei ist jedoch eine andere Frage: Wieviel ist uns unsere Demokratie in der Schweiz wert? Dürfen wir zulassen, dass einige wenige die Wirtschaftspolitik kontrollieren, weil sie dazu in der Lage sind die Bevölkerung zu erpressen, wenn es darum geht, die Gesellschaft gerechter zu gestalten? Dürfen wir uns die Politik von denen diktieren lassen, die Horrorszenarien vormalen, die nichts mit der Realität zu tun haben?

Meine Antwort hierauf ist Nein!

Nein zu derlei undemokratischer Angstmache!
Nein zu einer Politik für wenige Superreiche!
Nein zur Abzockerei in Schweizer Unternehmen!

Wir JungsozialistInnen haben die 1:12-Initiative im Bewusstsein lanciert und gesammelt, dass etwas falsch läuft in diesem Lande, dass sich die Superreichen herrlich gern an den Löhnen der weniger Verdienenden bedienen, während die Krise ihre Höhepunkte erreicht (so geschehen bei der Model AG TG) aber sofort ihre bürgerlichen Steigbügelhalter in den Parlamenten aktivieren, wenn der Ruf nach einer gerechteren Verteilung der Werte in der Gesellschaft laut wird!

Ja zu gerechteren Löhnen, ja zur 1:12 - Initiative.

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