Rücksicht auf religiöse Gefühle? Wenn es darauf ankommt, nein.

Im Namen des christlichen Glaubens terrorisierte über Jahre der Kluk Kluks Klan die schwarze Gesellschaft in den USA. Die Klan Mitglieder vergewaltigten schwarze Frauen und tötete schwarze Männer. Die Nazis rechtfertigten die Vernichtung von 6 Millionen Juden im Namen weisser Christen. Und Einzeltäter schossen im Namen Gottes auf Ronald Reagen, Dr. Martin Luther King und John F. Kennedy. Am 22. Juli 2011 killte Anders Behring Breivik in Norwegen kaltblütig 77 Kinder, um "unsere" christliche Gesellschaft vor den Muslimen zu “verteidigen”.

Soll man Rücksicht auf religiöse Gefühle nehmen, wenn Menschen den Glauben für ihren Wahnsinn oder ihre Machtsicherung missbrauchen? Nein. Wenn uns Gläubige die Meinungsfreiheit streichen wollen, damit wir ihre Weltsicht nicht infrage stellen, ist ihnen ein klares Nein entgegenzuhalten. Zur Entwicklung unserer Gesellschaft gehört dazu, auch religiöse Dogmen und Fesseln zu sprengen und dies geht nur, wenn man auch den Konflikt mit der herrschenden Lehrmeinung wagt.

In Bengasi stürmen Libyer Salafisten-Lager nach deren Ausschreitungen wegen des neusten Skandals um ein Mohammed Video. Die arabischen Länder stehen mitten im Prozess, den Europa mit der Französischen Revolution durchmachte. Die Emanzipation vom Joch einiger Fanatiker und Machthaber. Es ist zu wünschen, dass Eifer nicht mit Eifer beantwortet wird und es ist zu wünschen, dass europäische Moslems zu Hause für einen friedlichen Übergang werben und für die freie Meinung einstehen, die sie bei uns kennenlernten. Und es ist zu wünschen, dass wir den Arabern die nötige Zeit geben und deren interne Kämpfe nicht dazu missbrauchen, um im Namen des christlichen Glaubens Stimmung gegen die Moslems zu betreiben.

Respekt ist eine gute Sache. Anständiger Umgang ebenfalls. Dieser Respekt ist aber keine Einbahnstrasse. Eine Botschaft zu stürmen und Leute zu meucheln, ist respektlos gegenüber einem Karikaturisten, einem Buchautor oder einem Filmemacher, dessen Film noch niemand gesehen hat. Und es ist ein respektloser Angriff auf unsere Meinungsfreiheit, die es mit friedlichen Mitteln zu verteidigen gilt.

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