Der Mythos der landwirtschaftlichen Selbstversorgung in der Schweiz

Sobald wir in der Schweiz wieder einmal mitten in einer Agrardebatte sind, hat der Begriff Selbstversorgung Hochkonjunktur. Allzu oft ist es jedoch das reine Vorgaukeln falscher Tatsachen. Die Schweizer Landwirtschaft war, ist und wird nie in der Lage sein unsere Bevölkerung vollends ernähren zu können. Eine Ernährungssicherheit für die Schweizer Bevölkerung zu gewährleisten, ist nur in internationaler Zusammenarbeit möglich. Vielmehr hängt diese Sicherheit heute von guten Handelsbeziehungen mit anderen Staaten als direkt mit unserer Landwirtschaft zusammen.

Auf dem Papier erreichen tierische Produkte einen extrem hohen Selbstversorgungsgrad von 95% und die Schweiz verfügt heute glücklicherweise über die strengsten Richtlinien in der Tierhaltung weltweit. Doch ein großer Teil des Futters für diese Tier wird importiert, ansonsten könnte die Fleischmenge in der Schweiz gar nicht hergestellt werden. Auch andere Produkte und Dienstleistungen, die dazu dienen, dass unsere Landwirtschaft die Nahrungsmittel überhaupt produzieren kann, werden importiert. Mit all diesen Aspekten wird der Begriff der Selbstversorgung zumindest teilweise ad absurdum geführt.

Obwohl die Landwirtschaft in der Schweiz nur noch einen Bruchteil der Wirtschaftsleistung der Schweiz abbildet, werden politische Debatten kaum so emotional geführt. Diverse Fehlanreize aus der Vergangenheit sollen mit der aktuellen Agrarreform korrigiert werden, doch eine wirklich nachhaltige Strukturreform wird auch mit der neuesten Reform nicht erreicht werden. Es ist die Politik der kleinen Schritte und auch diese sind politisch sehr umstritten. Immerhin investiert die Schweiz jährlich 3.5 Milliarden Franken in die Schweizer Landwirtschaft, da dürfte doch der Konsument als Steuerzahler auch eine gewisse Marktorientierung einfordern.

Die Landwirtschaft muss als Teil in einer wirtschaftlichen Gesamtentwicklung gesehen werden. Unseren Wohlstand könnten wir nicht halten, ohne starke Exportwirtschaft. Diese wiederum ist auf gute internationale Marktzugänge angewiesen. Solche Abkommen sind ein Geben und Nehmen. Unser Marktprotektionismus bei der Landwirtschaft mit sehr hohen Zollansätzen wird auf längere Sicht so nicht mehr zu halten sein. Dies wird nicht heute oder morgen passieren, aber eine Öffnung wird ganz sicher kommen. Wenn sich die Landwirtschaft jedoch nach wie vor mit Händen und Füssen gegen mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit sträubt, wird sie nie konkurrenzfähig werden. Noch ist Bauernlobby gegenüber ihrem wirtschaftlichen Einfluss in der Politik massiv übervertreten und solange die Debatten mehr emotional denn sachlich geführt wird, kann der Status Quo verteidigt werden. Damit aber wird die Wettbewerbsfähigkeit weiterhin blockiert und der Abstand zu den Mitbewerbern grösser und grösser. Wohin dies führt, ist wohl jedem klar.

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