Die Bier-Schnaps-Cannabis-Problematik

Befürworter der Cannabisprohibition behaupten oft, Cannabis sei heute um ein vielfaches stärker als noch vor einigen Jahrzehnten, darum müsse das Verbot aufrechterhalten oder sogar noch verschärft werden. Der erste Teil der Aussage ist völlig richtig der zweite Teil könnte falscher nicht sein.
Der hohe THC-Gehalt moderner Cannabis-Sorten ist nicht ein Grund für die Prohibition, die Prohibition ist der Grund für den hohen THC-Gehalt!

Warum Cannabis heute potenter ist

Die ursprünglichen Cannabissorten hatten einen THC-Gehalt im niedrigen einstelligen Bereich. Erst gezielte Züchtung sowie der Optimierung der Wachstumsbedingungen in Indoor-Gärten führten zu einem THC-Gehalt von 10%-25% wie er heute Standard ist.
Den Anreiz zu dieser Hochzüchtung bot erst die Prohibition, denn für die (illegale) Cannabisindustrie wurde es wichtig einen möglichst grossen Wirkstoffgehalt in einem bestimmten Volumen zu haben. Dies bot auf verschiedenen Stufen Vorteile. Man braucht weniger Platz für die Produktion einer bestimmten Menge THC und der Transport wird umso einfacher je kleiner das Volumen ist.
Weil die Dealer das Cannabis dem Konsumenten als eine „bessere Qualität“ teurer verkaufen können steigt der Umsatz nahezu proportional zur THC-Gehaltssteigerung. Da die Kosten für die Produktion und den Transport aber nur von der Gesamtmenge und nicht von der THC-Menge abhängt steigt der Gewinn beträchtlich.
Ein Beispiel zu Veranschaulichung: Verkauften die Dealer dem Konsumenten ein Gramm 5%-Cannabis für Fünf Franken bekommen sie für ein Gramm 10%-Cannabis vielleicht Acht Franken. Die Kosten für Produktion und Transport von einem Gramm Cannabis bleiben aber gleich. Die drei zusätzlichen Franken die der Konsument zahlte kommen also vollumfänglich dem Dealer zugute.
Die Dealer haben also ein Interesse an Hanf-Sorten mit möglichst hohem THC-Gehalt und sind daher bereit für solches Saatgut mehr zu bezahlen. Dies wiederum bietet den Anreiz für die Cannabis-Züchter Sorten mit möglichst hohem THC-Gehalt zu züchten.
Bei dem Phänomen der Indoor-Gärten, welche den THC-Gehalt des Cannabis noch weiter steigern, ist der Zusammenhang mit der Prohibition noch viel direkter; Indoor-Plantagen lassen sich viel einfacher Verstecken als Outdoor-Plantagen. Gäbe es keine Prohibition gäbe es auch kaum Indoor-Plantagen. Wieso sollte jemand Geld für teures Equipment und Strom verschwenden wenn er seine Pflanzen einfach an die Sonne stellen kann?
Da die allermeisten Dealer, aus verständlichen Gründen, kein grosses Lager halten, haben sie meist nur eine Cannabissorte im Angebot, eben die mit dem höchsten THC-Gehalt, weil dort der Gewinn maximal ist.
Diese Tatsache, dass man nur eine einzige, möglichst starke Cannabissorte im Angebot hat, gilt auf allen Stufen; Vom Cannabisproduzenten über die Zwischenhändler bis zum Strassendealer.
Dies hat zur Folge, dass nur Hochprozentiges Cannabis auf dem Markt ist!

Der genau gleiche Effekt konnte übrigens schon bei der Alkohol-Prohibition in den USA beobachtet werden wo zu Prohibitionszeiten der Anteil von Hochprozentigen Getränken stark anstieg!

Die Schnaps-Cannabis/ Bier-Cannabis Metapher

Zieht man die Parallele zum Alkohol kann man also in der Schweiz nur Schnaps- Cannabis(hochprozentiges Cannabis) aber kein Bier-Cannabis (niederprozentiges Cannabis) kaufen.
Ab und zu ein, oder auch ein paar Bier zu trinken oder sogar jeden Tag ein Feierabendbierchen zu trinken würde wohl niemand als besonders Schlimm bezeichnen. Wenn man aber jeden Tag die gleiche Menge Schnaps trinkt wird man sehr bald ernsthafte Schäden davontragen, und als Alkoholiker gelten (und auch sein).
Genau gleich verhält es sich auch bei Cannabis. Das Problem ist nun, dass es nur Schnaps-Cannabis auf dem Markt hat. Wer Cannabis konsumieren will muss also Schnaps-Cannabis konsumieren. Dies hat schwerwiegende Folgen, denn das Schnaps-Cannabis macht schneller Süchtig und verursacht wesentlich gravierendere physische und psychische Schäden als Bier-Cannabis.
Man könnte jetzt sagen, dann sollten die Konsumenten halt kleinere Mengen konsumieren, das Schnaps-Cannabis eben nur noch aus dem Schnapsglas „trinken“. Dabei ist jedoch das Problem, dass der Konsumgenuss, das Rauchen, Schaden nimmt. Man will ja den Joint nach zwei/drei Zügen nicht schon wieder wegwerfen müssen.
Der leidenschaftliche Bier-Trinker würde sich ja auch nicht sagen lassen wollen, er solle jetzt anstatt einem Liter Bier eben ein Gläschen Schnaps trinken, das sei ja das Gleiche, weil es den gleichen Wirkstoffgehalt habe.
Der Genuss am Konsum ist eben weit wichtiger als der Rausch an sich.
Diese Problematik wird durch zwei Unterschiede zwischen Cannabis und Alkohol noch verschärft. Erstens ist hochprozentiges Schnaps-Cannabis nicht unangenehmer zu rauchen als niederprozentiges Bier-Cannabis. Im Gegensatz zum Biertrinker der wohl das Trinken von einer Stange Schnaps nicht gerade geniessen könnte, kommt es für den Cannabisraucher für den Genuss am Konsum nicht darauf an wie stark das Cannabis ist, sondern nur ob er einen angemessen grossen Joint in der Hand hält und er darum bezüglich Dauer des Cannabisgenusses auf seine Kosten kommt. Zweitens verursacht auch intensiver (Schnaps-)Cannabiskonsum keinen Kater am nächsten Morgen. Die Schäden die man seinem Körper und Geist durch den Konsum von zu starkem Cannabis zufügt sind nicht so unmittelbar spürbar wie beim Alkohol und sie behindern den Alltag weniger.
Ich bin mir sicher viele Kiffer würden schwächeres Cannabis bevorzugen, so dass sie einen ordentlichen Joint geniessen könnten ohne ihre Gesundheit allzu stark zu beeinträchtigen und ohne übermässig berauscht zu sein.
Diese Freiheit, die Potenz des konsumierten Cannabis selber zu wählen, wird der, sehr grossen, Mehrheit der vernünftigen Kiffer durch die Cannabisprohibition verwehrt.
Mit der neuen Bussenregelung wird der Konsum von Cannabis faktisch legalisiert. Die Freiheit Schnaps-Cannabis zu konsumieren wird also gewährt. Die Freiheit weniger schädliches Bier-Cannabis zu konsumieren bleibt, durch die oben dargelegten Schwarzmarkt-Tatsachen aber weiterhin verwehrt.

Deshalb meine Forderungen:

Cannabis muss vollständig legalisiert werden!
Cannabisproduzenten müssen verpflichtet werden auch Bier-Cannabis anzubieten!
Die Steuerbelastung soll überproportional zum THC-Gehalt von Cannabis steigen!

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