Gratis WLAN in den Städten und im ÖV?

In letzter Zeit wurde es still um das Thema "gratis WLAN in den Städten". Das Thema ist jedoch aktueller denn je.

Facebook wird demnächst die 1-Milliarden-Nutzer- Grenze erreicht haben, auf Youtube werden täglich über 4 Milliarden Videos aufgerufen (Stand: Januar 2012), die Verkaufszahlen von Smartphones und Tablets steigt seit der Apple-Revolution 2007 und 2010 und dem darauf folgenden Wettrüsten zwischen den Konzernen steil aufwärts. Alleine in der Schweiz werden von 2011 bis 2012 über 7 Millionen Smartphones verkauft werden - das entspricht einem Wert von fast 1 neuem Smartphone pro Einwohner pro 2 Jahre (Greise und Babys, sowie Arbeitslose und Sozialhilfebezieher natürlich mit einberechnet!) Auch der Tablet Markt, welcher nebenbei bemerkt erst seit 2010 "richtig" besteht, verzeichnete 2011 fast eine halbe Million Verkäufe. Das ist vier mal mehr als 2011, Sie können sich nun selbst ausrechnen, wie die Verkaufszahlen von Smartphones und Tablets in ein paar Jahren aussehen werden.

Egal ob Sie ein Technikfreak sind oder nicht - egal ob Sie Apple, Samsung oder Nokia bevorzugen, egal ob Sie Facebook haben oder nicht: Millionen von Menschen weltweit und Millionen von Einwohnern in der Schweiz fahren auf diesem sehr neuen Hype: Ständig erreichbar und online zu sein, mobil mit dem Smartphone und Tablet unterwegs zu sein ist "in" - ja es ist für manche Menschen gar nicht mehr aus dem Alltag weg zu denken.

Andere Länder haben diesen Trend und die enorme Nachfrage der Einwohner bereits erkannt. Unlängst kann man auf manchen Flügen ins Internet, in Bahn und Bus gibt es gratis Wi-Fi: Und natürlich auch in manchen Städten, besonders im technikliebenden Asien, wird immer mehr in gratis Hot-Spots investiert.

Die Schweiz hinkt in dieser Beziehung dem Ausland leider weit hinterher - Die SBB bietet heute noch gar kein Wi-Fi an, dies wird erst mit der Auslieferung der neuen Doppelstockzüge ein Thema sein (ob der Dienst dann gratis ist, steht in den Sternen). Einzig die Post rüstete 2012 gut 1'500 Postautos mit gratis Wi-Fi aus, die Kosten von mehreren 100'000 CHF werden vom Betrieb übernommen. In anderen ÖV-Bereichen kann man darauf leider noch lange warten.

Doch nicht nur für Pendler ist Internet ein wichtiges Thema - schon lange setzen auch immer wie mehr Bar's, Restaurants und Hotels auf diesen Dienst. Wer auf der Restaurantterrasse gemütlich seinen Kaffee trinkt, würde doch auch gerne mit dem Tablet im Internet Zeitung lesen - oder vielleicht sogar für die Arbeit E-Mails schreiben...

Kurz - das Bedürfnis und die Nachfrage für Internet ist gegeben. Immer wie mehr Menschen legen sich ein Smartphone und ein Tablet zu (besonders in der Schweiz haben viele Personen genügend Geldreserven, um sich solche Produkte zu leisten).

Dies wirft die Frage auf: Ist Wi-Fi aber eigentlich nicht überflüssig? Unlängst kann man über 3G oder neust auch über LTE ohne Wi-Fi auf's Internet zugreifen. Das ist korrekt - Diese Nutzung läuft aber über die persönliche Mobiltelefonrechnung, sprich dies beansprucht die monatliche Anzahl Daten, welche über den Vertrag mit dem Anbieter vereinbart wurde. Laptops haben dieses Angebot logischerweise nicht, weshalb sie Wi-Fi absolut benötigen, um auf's Internet zuzugreifen (ausser man legt sich einen sogenannten Webstick zu, welcher natürlich etwas kostet).

Die Technik des mobilen Surfens entwickelt sich des Weiteren laufend weiter. Deshalb ist die 3G-Technik bereits wieder veraltet - LTE (oder 4G) wird von den meisten neuen Geräten unterstützt. Der Unterschied besteht schlicht und einfach darin, dass mit der neuen Technik schneller mehr Daten heruntergeladen werden können - sprich: Das Internet wird "schneller". Doch auch hier hinkt die Schweiz dem Ausland hinterher - die Netzanbieter wie Orange und Swisscom treiben den Ausbau des 4G Netzes voran. Beziehungsweise sie starten demnächst erste Pilotversuche und wollen bis 2013 LTE in mehreren Schweizer Städten anbieten.

In Bezug auf Funkantennen und (Handy)Strahlung gibt es auch kritische Stimmen zu beachten - Nicht aus dem Technikbereich, sondern aus dem medizinischen Bereich, was der eher skeptischen älteren Generation oftmals viel bewusster ist, als uns Jungen. Da Handys, Smartphones und Wi-Fi grundsätzlich sehr neue Erfindungen sind, sind Langzeitfolgen noch überhaupt nicht bis kaum bekannt. Auch über die kurzfristigen Auswirkungen wird heute heftig gestritten, grundsätzlich weiss man aber noch nicht wirklich, auf was alles sich Handystrahlen auswirken können. Hier gibt es Studien, welche das eine bestärken und andere, welche es gleich wieder entkräften.

Letztendlich ist es auch ein politischer Entscheid, ob man in den Städten gratis Hot-Spots einrichten will und ob man den Ausbau des LTE-Netzes vorantreiben will. Technisch wäre beides heute absolut machbar. Finanziell gibt man meiner Meinung nach heute das Geld an weitaus dümmeren Orten aus. Letztendlich konnte man in Bern und Luzern bereits flächendeckend ein Wi-Fi-Netz aufbauen, auch zusammen mit privaten Firmen. Es kann, zum Beispiel für Netze im Stadtzentrum, auch im wirtschaftlichen Interesse liegen, den potentiellen Kunden und Touristen ein weiteres schlagkräftiges Argument zu liefern - dementsprechend ist die Erstellung von flächendeckenden Wi-Fi-Netzen auch für die Wirtschaft interessant (wie bereits geschrieben: Manche Betriebe bieten heute bereits auf privater Basis organisierte Netze an).

Abschliessend muss man wohl anerkennen, dass man mit der rasanten Entwicklung der Technik nicht um den Ausbau der Infrastruktur kommt. Die Nachfrage ist absolut vorhanden und in den nächsten Jahren wird man nicht um diese Diskussion herum kommen. Es gilt nun Nägel mit Köpfen zu machen und den Ausbau voran zu treiben (4G, ÖV, in den Städten, usw.). Wie das geschehen soll - Hier kann man diskutieren, es gibt unzählige Varianten, wie man an das Thema heran gehen kann...

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