Kindertagesstätten (KiTas) sind da um den Nachwuchs arbeitstätiger Väter und Mütter zu betreuen, damit die Eltern den Lebensunterhalt verdienen können.

Kindertagesstätten (KiTas) sind da um den Nachwuchs arbeitstätiger Väter und Mütter zu betreuen, damit die Eltern den Lebensunterhalt verdienen können. 2011 hat sich das Berner Stimmvolk für eine Finanzierung der Kindertagesstätten über Betreuungsgutscheine entschieden. Es erteilte damit der KiTa-Initiative der SP eine Abfuhr und folgte dem Gegenvorschlag der bürgerlichen, die versprachen, dass ihr neues System zu keiner Verteuerung der KiTas führen würde. Sei's drum: in einer Demokratie entscheidet die Mehrheit, und das ist gut so!

Leider war die gewonnene Abstimmung aber dem Berner Stadtrat (Legislative) nicht genug: mit seinem bürgerlich getragenen Entscheid, bei der Umsetzung des Gegenvorschlags zusätzlich den KiTas teurere Tarife zu genehmigen (entgegen dem eigenen Versprechen) und der gleichzeitigen Abschaffung der Defizitgarantien für öffentliche KiTas, bläst es zum Angriff auf die jetzige KiTa-Versorgung in der Stadt.
Die Massnahmen zielen darauf die KiTas entweder massiv zu verteuern oder sie zum Schliessen zu zwingen.

Gerade in Berns Westen können sich viele Eltern keine KiTa zu Marktpreisen leisten. Viele dieser Eltern verfügen über ein tiefes bis sehr tiefes Einkommen und sind gerade deshalb darauf angewiesen, dass sie beide arbeiten können (notabene um nicht auf Sozialbezüge angewiesen zu sein). Hinzu kommen die vielen alleinerziehenden (jede zweite Ehe wird inzwischen geschieden), denen nur die Wahl zwischen KiTa für das eigene Kind neben der Berufsstätigkeit oder Sozialhilfe bleibt.
Der bürgerliche Angriff auf die Berner KiTas ist somit kurzsichtige Kamikazepolitik: teurere und weniger KiTas verursachen höhere Kosten für die Sozialhilfe. Das Familienmodell des "Mamis am Herd während Papi arbeiten geht" ist überholt und lässt sich nicht zurückzwingen. Es würde vielleicht funktionieren, wenn "Papi" (oder "Mami") genug verdienen würde, aber gegen den Mindestlohn stemmt sich die rechte ja auch.

Deshalb ist es wichtig und richtig, wenn die Berner SP, der Gewerkschaftsbund, der VPOD und die GB für einen Volksvorschlag Unterschriften sammeln. Damit Eltern in Würde ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können und nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind. Damit keine Frau zu Hause das Kind hüten und bürgerliche Gesellschaftsfantasien absitzen muss. Und damit keine Mutter trotz exzellenter (von SteuerzahlerInnen finanzierter) Ausbildung als Hausfrau ihre Karriere opfern muss. Und nicht zuletzt, damit die schweizer Wirtschaft genug Arbeitskräfte unter schweizer Frauen und Männern findet, anstatt sie aus dem Ausland importieren zu müssen.

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