Ja zur Initiative „Schutz vor Passivrauchen“ – oder wo verrichten Sie Ihr „Geschäft“?

Die FDP und die SVP sehen in der Initiative „Schutz vor Passivrauchen“ einen massiven Eingriff in die persönliche Freiheit und Privatsphäre. Für die CVP sind die Nichtraucher bereits genügend geschützt und Cédric Wehrmuth von der SP zelebriert in seiner heutigen Kolumne den Sittenzerfall. Immerhin gelangt er aber schlussendlich zur Einsicht, dass man - wegen den Angestellten - Ja stimmen sollte.

Als noch vor ein paar Jahren in den überfüllten SBB-Zügen geraucht werden durfte, zogen es teilweise auch Raucher vor, in Nichtraucherwaggons zu sitzen. Heute ist es selbstverständlich, dass Züge rauchfrei sind. Das wird wohl auch von der Mehrheit geschätzt.

Weshalb wird die persönliche Freiheit eingeschränkt, wenn man weiterhin in einem abgetrennten Rauchraum rauchen darf? Ist mit der „persönlichen Freiheit“ das Anrecht auf Bedienung in einem Rauchraum gemeint? Was hat das mit Privatsphäre zu tun? Provokant gefragt: Ist es nicht auch selbstverständlich, dass man sein „Geschäft“ auf der Toilette erledigt? Wir muten die Geruchsemmissionen – obwohl sie möglicherweise nicht so schädlich wie Passivrauchen sind – unserem Umfeld nicht zu.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass Nichtraucher bis anhin anscheinend keine Stimme hatten und sich den Qualm-Überall gefallen lassen mussten. Gegenseitige Rücksichtnahme – diese Wörter waren oft zu hören. Ich habe nur selten erlebt, dass ein Raucher am Nachbartisch auf andere Gäste Rücksicht genommen hat. Angestellte sind den Umständen in den Restaurants ausgeliefert. Sie verbringen ihre gesamte Arbeitszeit im Qualm. Als Gesellschaft haben wir die Aufgabe, sie zu schützen. Deshalb sage ich am 23. September Ja.

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