Gebührenfreie Parkplätze stärken die Wirtschaft!

Seit Jahren steigt sowohl die Einwohnerzahl der Schweiz (mittlerweile dürften wir die magische 8-Millionen-Marke geknackt haben), als auch die Anzahl Motorfahrzeuge rapide an. Der ebenfalls stabil weiter ansteigende Wohlstand ermöglicht es immer mehr Personen, sich ein Auto zu leisten.

Dies führte zu einer massiven Überlastung der Infrastruktur, sowohl im Bereich ÖV, als auch auf der Strasse.

In dieser Hinsicht gibt es jedoch auch ein weiteres, wichtiges Thema: Gebührenfreie Parkplätze. Auch in den Städten und Agglomerationen wird es immer wie enger. Deshalb setzen viele Gemeinden auf den Ausbau des ÖV's, sowie die Umwandlung der gebührenfreien Parkplätze in gebührenpflichtige Parkplätze. Für horrende Abgaben (für 3 Stunden parken bezahlt man mancherorts rund 10 CHF) soll die Benutzung des Autos unattraktiv gemacht werden - die Leute sollen auf den ÖV gelenkt werden.

Und hier kommt die Wirtschaft ins Spiel - wir sprechen hier nicht direkt von der klassischen Nachfrage an Mobilität. Wir sprechen nicht davon, von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Denn in diesem Bereich stellt sowohl der ÖV, als auch der Individualverkehr eine wichtige Infrastruktur dar.

Wenn es jedoch darum geht, einen Einkauf zu machen, müssen viele Personen auf das Auto zurückgreifen. Wir sprechen hier von einem richtigen Einkauf: Für die Renovation der Wohnung, Gartenartikel, ein Wochengrosseinkauf von Familien oder wir sprechen von einem Kauf von Elektronikartikeln. Die Liste ist lang - selten steht man nach einem Einkauf mit 10 Plastiksäcken und/oder schweren Geräten vor dem Geschäft und müssen nun irgendwie wieder nach Hause gelangen.

Der ÖV wird in dieser Hinsicht schlicht und einfach unbrauchbar. In solchen Fällen müssen Sie auf das Auto zurück greifen können.

Stellen Sie sich nun vor, Parkplätze werden in einer Wirtschaftszone verringert und (ohne Ausnahme) in gebührenpflichtige Parkplätze umgewandelt. Manche von ihnen horrend teuer. Würden Sie noch einkaufen gehen, wenn Sie

  1. keinen Parkplatz finden
  2. wenn doch, dieser einen Kilometer vom Geschäft entfernt steht
  3. und erst noch massiv überteuert ist

?

Würden Sie?

Wohl kaum oder nur äusserst selten. In grösseren Städten gibt es deshalb häufig Megastores und Einkaufszentren mit integriertem Parkhaus. In der Agglomeration und und auf dem Land oftmals hingegen nicht.

Einerseits werden dadurch die Grossunternehmen wie Coop oder Migros ungemein gestärkt und im Gegenzug die Kleinläden massiv geschwächt. Nicht grundlos sind in den letzten Jahren viele Familienunternehmen und KMU's in grosse Schwierigkeiten geraten. Wenn Sie im Einkaufszentrum günstig vor Ort parken können, doch in der Stadt nicht (oder nur extrem teuer) vor den Geschäften, dann ist die Lenkung der Kunden Seitens des Staates derart extrem: Es ist glasklar, wo man eher einkaufen geht. Die Schwachen werden weiter geschwächt, die Starken weiter gestärkt.

Dass dies kein Schreibtischfall und reine Spekulation ist, zeigen gleich mehrere Beispiele: Eines davon in Biel.

Auf dem Neumarktplatz wurden vor ein paar Monaten gut 70 überirdische, gebührenpflichtige Parkplätze aufgehoben. Gut 50 Meter vom Platz entfernt öffnete kurz danach ein neues Parkhaus, mit insgesamt mehr Parkplätzen.

Umgehend nach der Schliessung der erst noch gebührenpflichtigen Parkplätze meldeten umliegende KMU's grosse Verluste - Umsatzrückgänge von bis zu 40% wurden von diversen Kleinunternehmern und Gastrobetrieben gemeldet. Die Menschen meiden spürbar das Gelände, an einem Morgen betrug der Umsatz eines kleinen Cafés noch knapp 100 Franken und nicht mehr 400, wie bis anhin. Denn mit den 70 gebührenpflichtigen Parkplätzen, wurden auch gut ein Dutzend gebührenfreie Parkplätze gleich vor den Geschäften aufgehoben.

Spontan heranfahren, das Auto abstellen, zum Z'Morge Kaffe und Gipfeli bestellen und Zeitung lesen ist also nicht mehr möglich - Man müsste dazu in das weiter entfernte Parkaus ausweichen, zurück laufen, z'mörgele, wieder zurück laufen und die Gebühren bezahlen, welche wohl doppelt so hoch ausfallen würden, wie das z'morge - hinzu kommt noch die Drogenabgabestelle gleich hinter dem Parkhaus, welche man besser meidet - dann verzichtet man lieber. Sollte sich die Situation nicht verbessern, werde man hier früher oder später Arbeitsstellen streichen müssen - logisch - um eine Hand voll Kunden zu betreuen, braucht es nicht mehr 6 Angestellte, sondern nur noch 2.

Im Gegensatz zu den KMU's rund um den Neumarktplatz, steht dort jedoch auch noch eine grosse Migros-Filiale. Diese meldet natürlich keinen Umsatzrückgang. Man spüre, dass die Kunden weniger oft schwere Gegenstände kaufen würden - doch in's Gewicht falle dies nicht.

Das ist die Realität.

In Biel verfolgt die Linke Stadtregierung diese Strategie konsequent: Verkehrsfreie Zonen werden erweitert, in Zentrumsnahen Quartieren werden Schikanen, Einbahnstrassen und dergleichen massiv vermehrt, es gibt mittlerweile keinen einzigen (!!!) gebührenfreien Parkplatz mehr in der Innenstadt nahe der Wirtschaftszone, Parkplätze werden aufgehoben oder umverteilt - Es herrscht das Chaos. Denn die Leute steigen eben nicht auf den ÖV um, wie von den Traummenschen in der Regierung gefordert. Nein, vor den überfüllten Parkhäusern bilden sich lange Autokolonnen und in den Quartieren herrscht (kein Witz) ein regelrechter Stau - denn alle suchen verzweifelt nach einem freien Parkplatz. Ökologisch ein Unsinn.

Unter diesen Umständen überlegt man es sich nicht einmal, sondern zwei, drei Mal, ob man heute wirklich in Biel einkaufen geht, oder ob man irgendwo sonst zu den gewünschten Artikeln oder Dienstleistungen kommen kann.

Einmal mehr will der Staat die Bevölkerung bevormunden, umerziehen und in die gewünschten Bahnen lenken. Dass dies nirgends funktioniert, auch nicht in diesem Bereich, wird Tag ein Tag aus bewiesen. Als Nebenerscheinung wird jedoch die Wirtschaft massiv geschwächt, die Nerven der Autofahrer, Konsumenten und Anwohner liegen blank und der Umwelt wird dadurch auch keinen Gefallen getan. Eigentlich ein Unsinn sondergleichen.

Gut dass ich im benachbarten Nidau wohne, welches die meisten Dienstleistungen vor Ort anbietet (Eigenständigkeit und Unabhängigkeit werden hier gross geschrieben). Hier werden vom bürgerlichen Gemeinderat neue Parkplätze geschaffen und im Stadtzentrum sind sämtliche Parkplätze gebührenfrei. Bis heute ein Erfolgsmodell. Wer kann, kommt zu Fuss oder mit dem Velo. Wer dies nicht kann eben mit dem Auto.

30 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

4 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Strassenverkehr»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production