Braucht es die "öffentliche" Meinung noch?

Langsam müsse man sich Gedanken machen, was man gegen die offenbar unaufhaltsam anwachsende Unzufriedenheit im Volk machen könnte. Zu dieser Erkenntnis scheint man im politisch-medialen Komplex der etablierten Machthaber und Medien gekommen zu sein. Wenn einem inhaltlich nichts einfällt, dann beginnt man halt wieder einmal mit den taktischen Spielchen, die wir alle ja schon kennen aber nicht wahrhaben wollen. Die Journaille in der Schweiz ist nicht anders als in anderen Ländern. Ich empfehle deshalb all meinen Freunden und Verwandten, ihre Tageszeitung im neuen Jahr nicht mehr zu abonnieren und sich stattdessen im Internet schlau zu machen oder das Geld für Ferien auszugeben. Bringt mehr. Den Wäldern, die für Zeitungspapier gerodet werden, ist auch gleich geholfen. Zeitungen resp. deren Inhalt sind ein Auslaufmodell.

Eine beliebte und in diesen Tagen wieder einmal geübte Variante dieser taktischen Spielchen besteht darin, diese unangepasste und lästige Unzufriedenheit im Volk zu Distanzierungs-Ritualen zwingen zu wollen. Sie müsse sich von all dem distanzieren, was nach den gängigen Kriterien der Political Correctness abzulehnen ist: etwa EU-Kritik, Anti-Islamismus, jegliche Form des Populismus und natürlich jede Form des Patriotismus. Damit aber solle sich diese politisch immer gefährlicher werdende Unzufriedenheit schlechthin von sich selbst, von der eigenen Ideologie, der eigenen Programmatik und den eigenen Traditionen distanzieren. Menschen, die politische oder mediale Indoktrinierung hinterfragen, werden entweder nicht angehört oder medial in den Senkel gestellt. So hätte man es gerne.

Der nächste Schritt ist dann die Untergrabung der Glaubwürdigkeit der massgeblichen Repräsentanten einer solchen oppositionellen Bewegung oder Einzelner. Gegenüber den eigenen Sympathisanten heisst es: „Seht her, der will sich ja distanzieren, von euch, von eurer Ideologie.“ Und gegenüber dem unbedarften Publikum signalisiert man: „Der heuchelt ja, wenn er sich distanziert. Glaubt ihm bloss nicht. Geht ihm bloss nicht auf dem Leim.“ Als würden viele den Tatenlosen in diesem Land (sprich Politiker) nicht auch auf den Leim kriechen.

Und der dritte Teil dieser taktischen Spielchen besteht darin, dass man versucht, massgebliche Repräsentanten einer solchen lästigen Unzufriedenheitsbewegung gegeneinander auszuspielen und sie möglichst emotional gegeneinander aufzubringen, eben den Spaltpilz zu aktivieren: Da werden irgendwelche Aussagen des einen oder anderen aus dem Zusammenhang gerissen und entsprechend überinterpretiert, um angebliche interne Zerwürfnisse oder Kritik an der jeweiligen Unzufriedenengruppierung zu simulieren. Alles in der Hoffnung, dass es der jeweils andere innerhalb dieser Bewegung es denn doch für bare Münze hält und mit entsprechendem Groll reagiert. Nach dem Prinzip „divide et impera“ will das politisch-mediale Establishment die Herausforderer damit solcherart schwächen. Beispiel: Die Tagesschau brachte einen Bericht über die Nutzlosigkeit der Ventilklausel. Der Bericht dauerte vier Minuten und ausgesagt hat er gar rein nichts. Eine SP-Politikerin durfte sich äussern. Sie habe es schon immer gewusst, dass die Ventilklausel nichts bringe. Aha? Wusste sie das immer schon? Warum hackte der Journalist nicht nach und fragte, warum sie das den Bürgerinnen und Bürger nicht schon im Abstimmungskampf gesagt hat? Das Hauptargument zur Annahme der Initiative war doch unter anderem auch die Ventilklausel? Oder nicht? So viel zum Qualitätsjournalismus.

Dieses taktische Spielchen konnten wir in den jüngsten Tagen mehrmals beobachten: Mit homerischem Gelächter durfte man wahrnehmen, dass die „Mainstream-Medien“ an wirklich weltbewegenden Themen in unserem Land vorbeischreiben, sich kaum kritisch der Wahrheit stellen und entscheidende innenpolitische Themen auslassen, sich gegenseitig abschreiben oder die Wahrhaftigkeit verwässert wiedergeben. Interessieren Schweizer die Amerikanischen Vorwahlen wirklich so sehr? Stattdessen versucht man, die publizistische Verteidigung der gewollten Volksindoktrinierung weiter zu festigen. Ein klassisches Beispiel sind die Onlinekommentare in einschlägigen Medien. Etliche kritische Leserbriefe auch zum Verfasser des entsprechenden Hauptartikels werden bewusst zensuriert oder abgeneigte Onlinekommentare werden durch „andere“ reflexartig ins Gegenteil kommentiert (auffallend auch, dass viele Leserbriefschreiber immer mit dem gleichen Schreibstil aber mit unterschiedlichen Namen ihren Senf zu sämtlichen Themen von sich geben und dazu noch verletzlich und belehrend wirken). Ebenso augenfällig ist, dass Mainstreammedien wirklich interessante und politisch tragende Artikel gar nicht zum Kommentieren freigeben.

Soweit die durchsichtigen taktischen Absichten des politisch-medialen Establishments im Lande zu der ich mittlerweile auch die Presse zähle. Ein sehr bewährter Trick unserer Gesinnungspresse ist aber auch, einzelne Politiker oder Exponenten in der Wirtschaft bloss zu stellen. Es geht der Presse in Tat und Wahrheit gar nicht um die Aufklärung, sondern rein nur darum, Menschen mit anderen Ansichten zu diffamieren. Als hätte irgendein einzelner Bundesrat alleinige Entscheidungsgewalt. Andere Bundesräte wiederum werden gar nicht hinterfragt und schon gar nicht ernsthaft kritisiert.
Es sieht leider danach aus, dass in der Schweiz keine wirkliche Pressefreiheit mehr existiert. Entweder sind Zeitungen dem Inserenten verpflichtet oder der aufgerüsteten Bundesverwaltung mit mittlerweile bis zu 400 externen und internen PR-Berater die nichts anderes zu tun haben, als den Journalisten einen PR-Bericht nach dem anderen zum Abschreiben vorzulegen. Einen wirklich guten recherchierten Artikel konnten wir in den letzten Jahren nicht mehr lesen. Im Gegenteil: Der Beruhigungspillenjournalismus frisst sich immer weiter in die Allgemeinheit und stellt keine Fragen mehr zu gesellschaftspolitischen Problemen. Ernsthafte Antworten bleiben gänzlich aus. Ein Armutszeugnis! Deshalb - und nur deshalb empfehle ich, wenigstens ein Jahr auf ein Abo zu verzichten damit die Zeitungen wieder lernen, sich den wirklichen Problemen zu widmen sonst kommt der Verdacht auf, dass Zeitungen nicht wirklich Leser brauchen - sprich Abonnenten sondern sich selber.

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