Ist eine einheitliche Krankenkasse die Lösung für unser teueres Gesundheitswesen?

Das Volksbegehren zu der öffentlichen Einheitskasse ist im Juni mit fast 116'000 gültigen Unterschriften zustande gekommen. Ziel der Volksinitiative ist eine einzige Krankenkasse für die Grundversicherung.
Die Einheitskrankenkasse soll in jedem Kanton mit einer Agentur vertreten sein. Diese kantonalen Zweigstellen müssten die Prämien festlegen und das Geld eintreiben.

Sicher ist, dass die Kosten für die Kundenwerbung massiv reduziert werden würde und dass bei diesem Szenario die schlechten Risiken mit den guten Risiken optimal vermischt wird.

Fraglich ist allerdings, wie sich die Qualität des Services entwickelt, muss man doch bedenken, dass man im schlechtesten Fall keine Möglichkeit mehr hat, die Kasse zu wechseln.

Der Weg vom Kassenzwang führt also weiter zum Zwang der Kassenwahl.

Da stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die Verwaltung der Kassen zu vereinheitlichen oder ob es nicht zielführender wäre, die Gesundheitskosten auf ein verträgliches Mass zu reduzieren. Dabei schliesst das Eine das Andere nicht zwingend aus.

Zu favorisieren wäre sicherlich die Kostenverursacher zu identifizieren und zur Kasse zu bitten. Dass heute die Tabaksteuer zweckgebunden in die AHV fliesst, andererseits das Gesundheitswesen die Folgen zu tragen hat, ist zwar historisch gewachsen, steht deshalb aber nicht unter Denkmalschutz.

Lärm-, und Abgasemissionen fliessen steuermässig über die Treibstoffabgaben teils in den Strassenverkehr zurück und der Rest wird für nicht zweckgebundene Ausgaben verwendet. Auch hier werden einige Folgen vom Gesundheitswesen getragen.

Zu beachten sind sicherlich auch gesundheitsschädliche Substanzen und Nahrungsmittel, welche keiner zweckgebundenen Abgabe unterliegen.

Parallelimporte der Medikamente sollten zur Kostendämpfung nicht länger unterbunden werden. Die Argumente der Pharma-Industrie, sie würden dadurch Arbeitsplätze schaffen, mögen sicherlich zutreffen. Nur kommen die gesetzlich festgeschriebene, landesabhängige Hochpreispolitik einer Subvention der Pharma-Industrie gleich. Getragen durch die Gesundheitskosten.

Auch die Einsparungspotentiale wie Anreize zur Einsparung von Leistungsbezügen müssten identifiziert werden. So kann durch gesetzliche Anpassung des Arbeitsrechts das beibringen von ärztlichen Bescheinigungen bei Arbeitsausfall reduziert werden und die Ärzte beispielsweise vermehrt in die Verantwortung von möglichen Scheingutachten einbezogen werden.

Das gemeinsame Ziel sollte sein, die Kosten zu reduzieren und die Deckung der Kosten vermehrt den Verursachern aufzubürden.

Dass die Administration von einer Einheitskrankenkasse oder von Kassen im Wettbewerb bewältigt wird ist nicht die brennende Thematik.

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