Sportstadt Bern: Noch ein weiter Weg

Gewisse Politiker rühmen sich gerne, in der Sportstadt Bern zu leben. Klar, wir haben im Fussball und Eishockey Spitzenclubs. Und pünktlich zum Wahlkampfauftakt des Stadtpräsidenten findet jeweils ein pompöser Megaevent – dieses Jahr wurden wir mit einem Boxkampf beglückt – statt. Doch reicht dies für eine Sportstadt? Müssten in einer Sportstadt nicht vielmehr der Breitensport und die Bewegung der Bevölkerung im Zentrum stehen?

Genau hier hat Bern aber beträchtlichen Nachholbedarf. Unzählige Vereine und Sportbegeisterte beklagen sich über zu wenig Platz; Es mangelt an Turnhallen, Rasen- und Wasserflächen. Verschärfend kommt hinzu, dass der Gemeinderat mit der Schliessung oder Abwertung von altbewährten Sportanlagen liebäugelt. Exemplarisch seien hier das Mubeeri sowie die Ka-We-De erwähnt. Aber auch bei der Nutzung der bestehenden Anlagen treten Probleme auf. So kommt es vor, dass sich Junioren-Mannschaften mangels Garderoben im Freien umziehen müssen. Weiter wird die Vergabe von Turnhallen ziemlich restriktiv gehandhabt. Zu guter letzt fehlt der Stadt Bern zuweilen das Fingerspitzengefühl für all die Freiwilligenarbeit, die in Sportvereinen geleistet wird: Für Einnahmen aus Bandenwerbung – es handelt sich hierbei um ein paar tausend Franken jährlich – werden tatsächlich noch Gebühren erhoben.

Wer also heute von der Sportstadt Bern schwärmt, denkt wohl eher an die eigenen VIP-Besuche bei Megaevents als an den Breitensport. Erst wenn ein Grossteil der Bevölkerung seinen Bewegungsdrang ungehindert ausleben kann, sollte sich Bern als Sportstadt rühmen. Kurzfristig kann Bern die Nutzung der bestehenden Anlagen optimieren und den Sportvereinen mehr Wertschätzung entgegenbringen. So ist dem Garderoben-Mangel durch die Öffnung von bestehenden Zivilschutzanlagen zu begegnen. Das Fehlen von genügend Turnhallen ist durch die Erweiterung der Betriebszeiten zu entschärfen. Weiter sind die erwähnten Abgaben bei der Bandenwerbung abzuschaffen und die Nutzungsgebühren für Sportstätten zu senken. Langfristig gilt es mehr Kapazitäten für den Sport aufzubauen. Als erstes müssen hierzu die bestehenden Anlagen saniert und wo nötig erweitert werden. Dies ist zwar angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt Bern nicht einfach, sollte aber dank enger Zusammenarbeit mit privaten Investoren möglich sein. Zweitens sind neue Rasenfelder zu schaffen sowie ein weiteres Schwimmbad zu bauen. Auch dies kann zusammen mit Privaten erfolgen. Drittens sollte sich Bern in Kooperation mit seinen Spitzenclubs um ein Sportzentrum bemühen. Davon würden nicht nur die Junioren-Mannschaften der Topclubs profitieren, sondern es könnte auch eine Brücke zwischen Spitzen- und Breitensport geschlagen werden.

Fazit: Bis Bern sich wirklich als Sportstadt bezeichnen kann, ist es noch ein weiter Weg. Ob dieser eingeschlagen wird, hängt stark vom Willen der Politik ab. Es liegt an Gemeinde- und Stadtrat, die entsprechenden Beschlüsse zu fassen und die benötigten Kredite zu sprechen.

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