Die Schweiz im Schuldensumpf

Was bis anhin undenkbar war, wird realität. Die erste Schweizer Bank, die Spar- und Leihkasse Thun hat sich verspekuliert und geht Konkurs. Die Kantonalbanken in Bern, Solothurn und Appenzell Ausserrhoden stehen ebenfalls am Rande des Ruins. Damit die staatliche Berner Kantonalbank überlebte, musste der Steuerzahler einspringen. Über 6.5 Milliarden faule Kredite häuften die Berner an. Die Solothurner und Ausserrhoder verscherbelten ihre Kantonalbanken an die UBS, welche helfend einsprang. Die UBS selbst war aber noch eine junge Bank. Entstanden, weil die SBG und der SBV alleine nicht mehr durch die Turbulenzen jener Zeit kamen.

Was die USA und Spanien heute erleben, machte die Schweiz Anfangs der 90er Jahre durch. Über 40 Milliarden Franken mussten die Schweizer abschreiben, weil der Immobilienmarkt einbrach. Wer diese Summe in Relation zur Bevölkerung in den USA setzt, kommt auf rund 1’300 Milliarden - nicht inflationsbereinigt.

Wer glaubte, wir dürfen uns aufspielen, weil wir besser als der Rest der Welt sind, liegt falsch. Zur Immobilienkrise kam noch ein weiterer Schuldentreiber dazu. Wegen der Privatisierung der PTT und der Bahn durften die Pensionsgelder der Staatskonzerne nicht mehr aus dem laufenden Budget bezahlt werden, sondern mussten in eine eigene Pensionskasse gelegt werden. Die Schulden der Schweiz erhöhten sich auf einen Schlag um über 70 Milliarden. Es waren teure Jahre, die 90er (den Kommentar von Rudolf Strahm dazu lesen).

Eine ähnliche Entwicklung machte Japan mit. Ebenfalls hatten sie einen Immobilienboom. Einen Aktienboom und einen Crash. Wie die Schweiz hat Japan einen abgeschlossenen Binnenmarkt. Nach Japan zu importieren, ist schwierig, exportieren dafür einfach. Japan hatte damals auch eine ähnliche Altersstruktur und lief Gefahr, schnell zu überaltern.

Beide Länder wählten eine unterschiedliche Strategie. Die Schweiz startete keine grossen Impulsprogramme. Im Gegenteil, die Bevölkerung beschloss eine Schuldenbremse. Anstatt die Märkte nach aussen noch mehr zu schliessen, wurden sie mit den Bilateralen geöffnet. Beides unter der Führung der FDP - um auch etwas Werbung für meine Partei zu machen. Wir gaben uns als Nation aber nicht damit zufrieden, sondern wagten sogar, unseren Arbeitsmarkt nach Europa aufzutun. Dies merken wir heute, indem die Schweiz weniger schnell auf eine überalterte Bevölkerung zusteuert und es ihr wirtschaftlich blendend geht.

Anders machte es Japan. Ein staatliches Impulsprogramm jagte das andere und sollte die japanische Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Nur stieg die Arbeitslosigkeit an und die Wirtschaft blieb kleben. Was Japan hinauszuzögern versuchte, waren Reformen anzupacken. Jeder, der gerne eine regulierte Wirtschaft haben möchte, dürfte Freude an Japan gehabt haben. Die Japaner aber selbst wohl kaum. Während wir die Schuldenbremse einführten, häufte Japan Schulden um Schulden an und steht heute mit 200% zum BIP in der Kreide. Die USA mit 110% und die Schweiz mit 47%. Erst als Japan ab 2000 anfing zu privatisieren und zu deregulieren, ging es wieder nach oben.

Was lernen wir daraus?

Auch wir haben und hatten unsere Probleme. Wir stehe nicht über den anderen Ländern, wir haben unsere Probleme nur früher angepackt und sie gewissenhaft gelöst. Die Schweiz stellte sich der Immobilienkrise, sie hatte den Mut zur Privatisierung der PTT und die hat sich gelohnt (wenn ich auch finde, dass sie zu wenig weit ging). Das Resultat darf optimistisch stimmen. Unsere Wirtschaft steht hervorragend da, der soziale Frieden ist gewährleistet und wir sind als Nation fit für die Zukunft. Das sollte uns nicht überheblich machen, aber wir dürfen auch ein wenig Stolz darauf sein.

Ich bin überzeugt, wenn wir einen solchen Umschwung nach dem Desaster in den 90er schafften, dann können es auch die anderen Länder packen. Die USA reden heute über eine Schuldenbremse, Deutschland hat sie schon eingeführt und weitere Länder in Europa werden folgen. Japan hat ebenfalls privatisiert und häuft auch keine neuen Schulden mehr an. Defizit Spending mag gut sein, um einen Konjunkturzyklus zu überwinden, ist aber grundfalsch, wenn man ein strukturelles Problem hat. Wenn Länder wie Griechenland und Spanien ihre unnötigen Ausgaben kürzen und gleichzeitig den Mut zum Wettbewerb haben, werden sie genauso gestärkt aus der Krise kommen, wie wir in der Schweiz.

Die aktuelle Krise ist zwar schlimm, sie führt aber auch zu einer Verhaltensänderung. Optimismus ist durchaus richtig, denn im Kopf beginnt der Aufschwung.

Und wie steht es um Japan heute? Davon kann ich euch in 6 bis 8 Wochen berichten, vorher geniesse ich aber die Surfzeit (mit etwas Arbeit) auf Bali :-)

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