Die 100.000 CHF Frage [Teil 1]

Liebe Politnetz-Leserinnen und Leser!

Immer wieder wird mir mitgeteilt, wie sinnvoll doch die gesamte Finanzwelt und freie Wirtschaft ist, welche Vorteile sie uns Menschen angeblich gebracht hat und wie wunderbar wir es jetzt doch in der Schweiz, jetzt haben. Laufend sehe ich mich Antworten konfrontiert, die für mich als logisch denkenden Menschen unverständlich sind, aber diese aus der Sicht derer akzeptieren muss, die denkt, dass dies durchaus seinen Sinn hat, wie es jetzt funktioniert. Und weil ich nicht die Meinung derer teile, die behaupten die Wahrheit zu kenne, müsste ich doch ein Lügner, oder Fantast sein, oder?

Doch was ist die Wahrheit, die Realität und wie sieht sie aus?

Dazu ein paar Beispiele, logischen Denkens:

Die Nationalbank ist die einzige staatliche Institution, die berechtigt ist, Geld für diese Nation zu drucken, zu erzeugen. Es wird also eine Zahl auf ein Stück Papier gedruckt, und wir glauben, dass es diesen Wert besitzt. Wir glauben, oder vertrauen also darauf, dass dieser aufgedruckte Wert, den gleichen Wert besitzt, was wir dafür leisten. Wir tauschen also z.B. eine Stunde Arbeit, gegen ein Stück Papier, auf dem nichts anderes als „20“ steht und hoffen, dass jemand uns die Zahl „20“ wieder gegen etwas tauscht, was durch einen ähnlichen Wert, der Zahl „20“ bewertet wird und wir haben wollen. So entsteht eine Verteilung von Zahlen. Nur das Stück Papier, dass die Zahl „20“ trägt, ist gar nicht das Wert, was darauf steht, sondern lediglich den Wert eines Stück Papieres hat.

Das heisst dann unter den Realisten, dass wenn irgendwo durch andere Menschen, die wir nicht kennen, beglaubigt die Zahl „20“ steht, es diesen Wert haben muss, obgleich es nur ein paar Rappen wert ist. Soviel zu der ersten Realität derer, die versuchen, den Glauben eines Stück Papiers, einen höheren Wert zu vertrauen, obgleich er es nicht ist. Ist das tatsächliche Realität?

Um das Ganze aber auch nicht weiter breit zu treten, komme ich gleich zu meiner 100.000 CHF Frage, die mir hoffentlich, die Realisten beantworten können:

Wir wissen ja alle, dass die Nationalbank Geld drucken darf und auch das Monopol dazu besitzt. Nun! Die Nationalbank beginnt also Papier zu drucken, obgleich es wertlos ist. Man stellte, (heute leider nicht mehr, durch die Aufhebung des Goldstandards), den Wert des Geldes, der auf dem Papier erscheint, einen Wert in Gold gegenüber, obwohl auch Gold nur ein Stück Metall ist und wieder den „gläubigen“ Wert, eines Versprechens darstellt, dem die Menschen einfach, ohne reales Verständnis, vertraut, nur weil es angeblich selten sein soll und dennoch tonnenweise weiterhin gefördert wird. Soviel zur Realität, aber auch das ist mir egal.

Stellen wir uns einfach mal vor, die Summe des Volksvermögens beziffern wir mit 100.000 CHF und vorher hat man noch kein Geld gedruckt, denn zuvor gab es Geld ja nicht und Muscheln würde niemand in Geld tauschen, ausser zur Dekoration.

Die Nationalbank verleiht also dem Volk 100.000 CHF. Und weil sie für ihre Arbeit auch etwas will, verlangt sie nun Zinsen, sagen wir nur 1 %. Klingt für die Realisten doch logisch, dass jeder für seine Arbeit, einen Wert, also Entschädigung erhält, oder nicht?
Damit würde das Volk am Ende ihre 100.000 CHF plus 1%, also gesamt 101.000 CHF an die Nationalbank zurück bezahlen müssen. Klingt doch logisch, oder?

Nun! Aber jetzt würde ich gerne wissen, wenn die Nationalbank 100.000 CHF erzeugte, bzw. druckte, wie soll sie dann die 1.000 CHF an Zinsen bekommen, wenn sie diese ja gar nicht erschaffen, oder gedruckt hat?

Die Realisten würden dann vielleicht sagen, durch den Umlauf des Geldes würde das schon zurück bezahlt werden, aber das geht nicht, denn die 1.000 CHF wurden doch nie gedruckt!
Dann sagen die Realisten, tja, dann druckt die Nationalbank Geld für ihre eigenen Kosten (Farbe, Personal,..) , die sie dann vielleicht zinsfrei verteilt und damit dann die 1.000 CHF zurück bezahlt werden können. Doch das geht nicht, denn Geld, dass die Nationalbank erschafft Buchgeld (Giralgeld) ist, was erst durch die Buchung auf ein Konto zu einem Zahlungsmittel wird und nicht direkt durch die Nationalbank an Unternehmen ausbezahlt werden darf. Oder haben Sie schon einen Mitarbeiter mit einer Kreditkarte der Nationalbank gesehen? Ich nicht. Und die Relation der Zinsen vom verliehenen Geld, steht nie zur Relation der Kosten der Nationalbank gegenüber. Abgesehen davon muss auch die Nationalbank ihre eigenen Zinsen begleichen und darf sich selbst keine Zinsen erlassen. Egal wie es die Realisten versuchen drehen oder wenden, oder anders versuchen zu erklären, bleiben die ungedruckten 1.000 CHF immer als nicht existent, obgleich das Volk sie dennoch zurück bezahlen muss. Oder haben Sie gehört, dass die Nationalbank Geld verschenken würde?

Oder wie will ein sogenannter Realist die 1.000 CHF erschaffen, ohne neues Geld zu drucken, welches ja dann wieder verzinst wird, da wir ja für die Arbeit der neuen Scheine, der Nationalbank wieder Zinsen geben müssen, die nicht erschaffen, bzw. gedruckt werden?

Die Zahlung der Zinsen kann also niemals beglichen werden, da sie von Beginn an noch nie existent waren, da die Nationalbank mehr Geld drucken hätte müssen, was sie aber nie tat!

Egal, wie man versucht den Umlauf des Geldes, die Globalisierung und die Verstrickung des Geldes in der Wirtschaft interpretiert, wird man niemals die Zinsen zurück bezahlen können, weil es nicht geht, weil das Geld niemals gedruckt, niemals erschaffen wurde. Interessanter Weise interpretieren die Realisten, dies jedoch durch das erneute Drucken von Geld, dass die Zinsen bezahlt werden können, durch die Faktoren der Wirtschaft, obgleich auch für das Drucken von neuem Geld wieder Zinsen verlangt werden, die niemals gedruckt wurden. Dabei ist es grundsätzlich egal, ob ich Geld als Papier oder virtuelles Geld erschaffe, die Rechnung geht niemals auf.

Jetzt frage ich Sie zu guter Letzt:

Ist es tatsächlich Realität an etwas zu glauben, dass nicht existiert und nie existiert hat?

Nur so funktioniert unser Finanzsystem, dass weiterhin mit allen Mitteln aufrecht erhalten wird, indem immer neues Papier, oder Zahlen erschaffen werden, deren Zinsen wir niemals bezahlen können, weil es sie nicht gibt. Und weil viele das nicht sehen, aber dem Ganzen, Vertrauen und Glauben schenken, weil schon so viel Geld und die dazugehörigen Zinsen erschaffen wurde und keiner mehr die Übersicht mehr hat, was wirklich vorhanden ist, halten sie es für real! Doch, das dies nicht geht, sieht man daran, dass man versucht weiterhin Geld zu erschaffen, mit Zinsgeld, dass nie existierte.

Nun! Und weil auch viele Glauben, dass sie Geld in der Hand halten, sofern man es als Geld überhaupt noch bezeichnen kann, so seien Sie gewiss, dass die vielleicht 5%, falls überhaupt greifbare Banknoten gibt, da sich die weltweiten Zahlen nicht mehr physisch also real, sondern nur noch in der virtuellen Welt zu finden sind und niemals ausbezahlt werden können, würde das Volk sein Geld tatsächlich haben wollen. Wenn mir dann noch jemand sagt, dass virtuelles Geld etwas mit der Realität zu tun hat, dann sollte er sich einmal den "greifbaren" Begriff, der Realität genauer ansehen.

Soviel zum Realismus :-)

Leichte Kost, die das erklärt, was ich hier schrieb, finden Sie hier.

Falls die Frage aufkommt, warum ich das schreibe, erlaube ich mir auf den Realismus, der Wahrheitsfindung derer hinzuweisen, die behaupten, dass alles sei wirklich, gar real, obgleich man diese Realität nur mit dem "Glauben" und dem "Vertrauen" begründen könnte, aber in Wirklichkeit gar nicht existiert!

[Teil 2 folgt]

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