Von modernen AlchemistInnen

Als Alchemie wird gemeinhin ein mittelalterlicher Zweig der Naturwissenschaften bezeichnet. Eines der Hauptziele der Alchemie war die Transmutation von Gold - also die Schaffung von Wert aus dem Nichts heraus. Seit David Ricardo, einem Pionier der klassischen Volkswirtschaftslehre, sowie Karl Marx ist klar: Nur Arbeitskraft kann einem Gut Mehrwert verleihen, dafür sorgen, dass dieses an Tausch- und/oder Gebrauchswert gewinnt und die Alchemie als Versuch Gold aus weniger Wertvollem zu schaffen ist ins Reich der Hirngespinste zu verbannen.

Zwischen dem Jahr 1982 und 2010 ist der weltweite BIP um 50 Billionen $ gestiegen. In der selben Zeit stieg das Weltfinanzvermögen, also die Gesamtmenge aller im Finanzkapital vorhanden Werte um rund 200 Billionen. Doch woher kommt diese Divergenz?

Liest man sich das Hauptwerk Rosa Luxemburgs "Finanzkapital und Akkumulation" durch, wird erkennbar, dass diese Aufstockung der Weltfinanzvermögen und vor Allem ihre Abkopplung von der Realwirtschaft Folge des Zwangs zur Akkumulation, also der Anhäufung von Kapitalwerten, ist. Wer auf dem Markt nicht ständig versucht zu wachsen und höhere Renditen einzufahren, der wird von der Konkurrenz vernichtet oder geschluckt. Diese Denkhaltung ist den KapitalistInnen dieser Welt immanent (in letzter Instanz sehen sie auch den Staat als Konkurrent und versuchen ihn daher auf ein Kleinstmass zurückzubinden) und man möchte ihnen jene Haltung gar nicht vorwerfen, werden sie doch schon von Kindesbeinen an, eher mit den Prinzipien des Gegeneinanders als mit denen des Miteinanders vertraut gemacht. Die Neoliberale Hegemonie, also die Vorherrschaft der Ideen marktfundamentalistischer Ökonomen, wie Milton Friedman, hat die Medien und die Gesellschaft durchdrungen und vor der Ökonomisierung der Schulen wird nicht halt gemacht. So sollen LehrerInnen gemäss ihrem Lehrauftrag, Kinder nicht zu selbstbestimmten rationalen Erwachsenen erziehen, sondern zu funktionierenden Rädchen auf dem Arbeitsmarkt.

Der erwähnte Zwang zur Akkumulation sorgte in den letzten 30 Jahren dafür, dass der Anteil an fiktivem Kapital, also Kapital, dass keine Entsprechung in der Realwirtschaft findet, massivst Anstieg. Es wurde begonnen Geld aus dem nichts heraus zu erschaffen und die neoliberale Durchdringung der Gesellschaft sorgte dafür, dass dieses Schaffen von fiktivem Kapital, durch die Vollzugsgehilfen der Neoliberalen in den Parlamenten in jedem Feld wertschöpfender Arbeit durchgeführt wurde, wo Derregulierungen dies zuliessen. Die moderne Alchemie trat ihren Siegeszug an.

Mittlerweile leugnen nur noch die härtesten VertreterInnen des Marktradikalismus - also die VerursacherInnen der Subprime-Krise-, dass diese durch Spekulationsblasen ausgelöst wurden, die dem Akkumulationszwang entsprungen sind. Seit dem Jahr der Krise wird nun jedoch auch an den Lebensmittelmärkten massivst spekuliert, da die Immobilienmärkte nicht mehr genug Renditen versprechen. Die Folgen sind so offensichtlich wie verheerend:

-Riesige Preissteigerungen

-eine Milliarden Hungernder Menschen (trotz Lebensmitteln für 12 Mia bei einer Weltbevölkerung von 7 Mia)

-Hungeraufstände

So manchem Marktfundamentalisten ist trotz aller Fakten nicht erklärbar, dass die massiven Preisschwankungen auf den Lebensmittelmärkten nicht mit Dürren und Bioethanol erklärbar sind und das gleichzeitige Einsetzen von Spekulation in Form von Termingeschäften (Derivaten) zwischen Spekulanten auf den Lebensmittelmärkten, sowie extreme Preisschwankungen an den Börsen kein Zufall sind. Vielleicht brauchen diese eine weitere Krise um zu verstehen, dass das Treiben der modernen AlchemistInnen für sie selber zwar toll ist, für eine grosse Mehrheit der Menschen Armut, Hunger und Leid bedeuten.

Das Platzen einer Spekulationsblase hätte grausame Folgen für Milliarden und den Hungertod von Abermillionen zur Folge, liesse sich aber vermeiden. Wir JungsozialistInnen haben im Bewusstsein, dass es notwendig ist zu ändern, was einen stört, die Spekulationsstopp-Initiative lanciert, welche ein Verbot von Spekulation mit Nahrungsmitteln fordert. Zum Einen um die schlimmsten Auswüchse eines entfesselten Grosskapitalismus zu bekämpfen und zum Andern um der Wettbewerbs- und Konkurrenzlogik der Neoliberalen Hegemonie die Ideen von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität entgegenzustellen und das desaströse Spekulationsgeschäft im Allgemeinen in Frage zu stellen.

Denn wie haben die besser Erzogenen von uns schon als Kinder gelernt: Mit Essen spielt man nicht!

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