1.-August-Rede von Bubikon-Wolfhausen (Gottesbezug unseres Landes / Übernutzung unserer Lebensräume)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger von Bubikon und von Wolfhausen. Liebe Gäste.

Es freut mich

Es freut mich, dass ich zum 721. Geburtstag unseres Landes an dieser Stelle die Festrede halten darf. Nachdem letztes Jahr Bundesrat Ueli Maurer zu uns gesprochen hat, liegt die Latte natürlich hoch. Was ich Ihnen bieten kann, sind ein paar Gedanken, die nur heute und hier in Bubikon-Wolfhausen zu hören sind. Nicht noch an 5 anderen Orten. Das ist doch auch etwas, oder :-)?

Kompliment

Wenn ich auf unsere 1'200 Jahr Feier des letzten Jahres zurück blicke und jetzt diese 1. August-Feier sehe, muss ich sagen, dass ich sehr beeindruckt bin, was für ein kreatives und Gemeinschafts-bildendes Potential in unserer Gemeinde mit ihren beiden Dörfern vorhanden ist. Das gibt Kitt, das macht Freude. An solch einem Ort hat man ein Daheim, wo man gerne ist.
Wir wohnen zwar in zwei Dörfern. Und wir haben sogar so etwas wie einen Röstigraben. Aber bei uns ist es kein Graben, sondern eine Anhöhe. Und sie trennt nicht, sondern sie verbindet. Hier feiern wir sogar zusammen. Beide Dörfer machen einen Schritt auf einander zu, treffen sich im Chilehölzli und haben ein tolles Fest miteinander.
Darum: mein Dank an alle, die etwas zum heutigen Abend beigetragen haben und noch beitragen werden.

Kurze persönliche Vorstellung

Ich möchte nun kurz sagen, wer ich überhaupt bin, denn ich bin nicht hier aufgewachsen und wohne "erst" seit etwas mehr als 15 Jahren in dieser Gemeinde. - Auf die Welt gekommen bin ich vor 53 Jahren im Rütner Spital, dann in Rüti aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Später habe ich eine Wolfhauser Bauerntochter kennen gelernt und buchstäblich über den Miststock geheiratet. Heute wohnen wir mit unseren 3 erwachsenen Kindern in Wolfhausen im Sunnental, wo meine Frau aufgewachsen ist. Hier am Ort bin ich Präsident der lokalen EDU-Sektion. Seit anfangs Mai bin ich im Kantonsrat und engagiere mich dort im Besonderen in der Kommission für Staat und Gemeinden.

Einleitung

Worüber soll ich sprechen?

Als ich mir Gedanken darüber gemacht habe, zu welchem Thema ich heute Abend sprechen könnte, sind mir verschiedene Ideen durch den Kopf gegangen. Ich könnte z.B. etwas über vaterländisch-enge Igeldenker sagen, oder über weltoffene Alles-Umarmer, oder über beide und dann sagen, wer von beiden meiner Meinung nach mehr Recht hat. Die Igel, die sich eines Tages vielleicht selbst stechen werden oder die Umarmer, die vor lauter Offenheit nicht mehr ganz dicht sind?
Nein, stattdessen möchte über die Zukunft und über Werte reden, genauer gesagt über das Thema "**Zukunft gestalten - Werte erhalten**". Dieses Thema ist immer aktuell.

Vor uns liegt immer Zukunft

Weil vor uns immer Zukunft liegt. Der morgige Tag, in einer Woche, in einem Jahr, in 10 Jahren.

Werte prägen unser Leben

Und wir haben Werte. Diese prägen unser Leben. Als Einzelne, als Dorf, als Kanton oder als Land. Werte sind eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens, oder wie Heinrich Böll sagte: "Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für Behinderte, Kranke, Alte und Schwache."

Frage bei vielen Zukunftsüberlegungen

Und so liegt es in der Natur der Sache, dass wir uns bei Überlegungen, die unsere Zukunft betreffen, fragen müssen: Was für Werte haben wir? Welche Werte sollten wir behalten? Welche Werte wollen wir aufgeben? Da reden wir ja dann von den so genannt alten Zöpfen, die wir abschneiden wollen.
Ich möchte heute Abend über Werte sprechen, zu denen wir ganz besonders Sorge tragen sollten und werde dabei den Fokus zuerst auf die Schweiz richten und anschliessend auf unsere Gemeinde Bubikon.

Fokus Schweiz

Weltausstellung in Sevilla

An der Weltausstellung von 1991 in Sevilla ist über dem Eingang vom Schweizerpavillon der Slogan "La Suisse n'existe pas!" gestanden. Das heisst "Die Schweiz gibt es nicht!" Diese Aussage hat für rote Köpfe gesorgt, aber es ist damit auch eine grosse Diskussion über die Frage nach der Identität der Schweiz ausgelöst worden. Natürlich existiert die Schweiz. Sie hat sich aber im Lauf der Jahrhunderte verändert.

Meine Frage an dieser Stelle ist: Gibt es in unserem Land eine Konstante, die sich bewährt hat, die sich wie ein Roter Faden von 1291 bis 2012 durchzieht? Ich denke ja! Schauen wir uns doch einmal den Bundesbrief von 1291 an. Dort heisst es am Anfang: "In Gottes Namen. Amen." Es folgen dann Ausführungen über den Zweck dieses Bundes etc. Und dann gegen Schluss: "Diese Ordnungen sollen, so Gott will, dauernden Bestand haben." Das heisst, dass unsere Vorväter Gott als wesentlichen Partner in ihren Bund miteinbezogen haben. Später hat sich diese Grundhaltung beispielsweise auch in der Schweizerfahne gezeigt. Oder wenn wir die Randprägung unseres Fünflibers betrachten, lesen wir das folgende Bibelwort: "Dominus Providebit", auf Deutsch "Der Herr wird vorsorgen."
Das Gottesvertrauen unserer Vorväter hat sich durch die 721 Jahre bewährt und hat sich halten können. Unsere Bundesverfassung beginnt heute noch mit den Worten: "Im Namen Gottes des Allmächtigen!"
Die Auswirkungen davon sind vielfältig. Unsere Rechtssprechung z.B. hat eindeutig ihren Ursprung in den biblischen 10 Geboten (nicht stehlen, nicht morden, etc.). Oder die Gewaltentrennung, auch sie ist ein Prinzip, das sich bereits in der Bibel findet.
Der vorher angesprochene Rote Faden von Bundesbrief zu Bundesverfassung führt mich nun zu eine gleichnishaften Geschichte, die ich kürzlich gelesen habe.

Eine Spinne liess sich an einem einzelnen Faden vom Dachbalken herunter - und begann, ihr Netz zu spinnen. Während Tagen und Wochen war sie an der Arbeit. Ihr Netz wurde immer grösser und immer komplexer. Fliegen, Mücken und kleine Käfer haben sich im raffiniert gebauten Geflecht verfangen. Täglich fette Beute, die Spinne war zufrieden. Dann begann sie, ihr Netz zu optimieren. Sie hat regelmässig Kontrollgänge gemacht. Jeder einzelne Faden musste einen Zweck erfüllen. Falls nicht, hat sie ihn abgebaut. - Halt mal … und was bedeutet dieser Faden dort? Der geht hinauf bis unters Dach. "Was soll der, mit dem fang ich doch keine einzige Mücke…! Der kostet nur, erfordert Unterhalt, bringt nichts…!" Die Spinne klettert dem Faden nach nach oben. Unter dem Dach hat sie ihn durchgebissen. In diesem Augenblick stürzt das ganze Netz in sich zusammen und begräbt die Spinne unter sich.

Der Autor dieser Geschichte hat dann im Anschluss gefragt: Kann ein Land den gleichen Fehler machen wie diese Spinne? Kann ein Staat ein grossartiges Netz an Verkehrs- und Handelswegen, an Wirtschaftsräumen, an sozialen Strukturen und Hilfseinrichtungen aufbauen und am Ende trotzdem noch das Wesentliche abschneiden? Kann ein Volk erfolgreich sein und dabei so selbstgefällig werden, dass es den alles tragenden Lebensfaden vergisst? Wenn er Gesellschaft und Politik beobachte, komme es ihm vor, wie wenn der lautstarke Teil der Bevölkerung den "Faden nach oben", den Faden des Glaubens an Gott, anstarrt und sich fragt: "Was soll der? Für was ist dieser Faden überhaupt noch gut? Den kann man vergessen!" -
Soweit diese Geschichte.

Auch ich möchte uns ermuntern: tragen wir Sorge zu diesem Faden an dem wir hängen, bzw. zu den christlichen Werten, die unser Land bis heute getragen haben. Passen wir auf, dass wir Gott nicht loswerden wollen. Sonst könnte es sein, dass wir Zustände haben werden, wie sie der französische Dichter Antoine de Saint-Exupéry geschildert hat:

"Wenn Menschen gottlos werden, dann sind
• Regierungen ratlos,
• Lügen grenzenlos,
• Schulden zahllos,
• Besprechungen ergebnislos,
• dann ist Aufklärung hirnlos,
• sind Politiker charakterlos,
• Christen gebetslos,
• Kirchen kraftlos,
• Völker friedlos,
• Sitten zügellos,
• Mode schamlos,
• Verbrechen masslos,
• Konferenzen endlos,
• Aussichten trostlos."

Das zeigt uns doch, wie es rauskommen kann, wenn der Mensch das Mass aller Dinge ist.

Möge Gott unser Land vor solchen Entwicklungen bewahren.

Fokus Gemeinde Bubikon

Nun mache ich einen Schwenker von der Schweiz und ihren ethischen Grundwerten auf unsere Gemeinde Bubikon. Und da möchte ich etwas andere Werte ansprechen. Werte, die auch wichtig sind. Werte die uns auch alle ganz direkt betreffen.

Wenn man auf die Internetseite www.bubikon.ch geht, findet man auf der rechten Seite einen 12 Minuten langen, professionell gestalteten Film mit dem Titel 'Bubikon und Wolfhausen - Zwei Dörfer, eine Gemeinde'. Er fäng mit den Worten an:
"Träumst Du von einer Gemeinde in naturnaher Umgebung…? Von einer Gemeinde, in der Du Dich richtig zu Hause fühlst? Diese Gemeinde gibt es! Sie heisst Bubikon und liegt im reizvollen Zürcher Oberland. In sichtbarer Nähe zu den wunderschönen Hügel- und Berggebieten der Ost- und Zentralschweiz."
Dieser Film zeigt sehr schön, dass uns unser Gemeindegebiet eine Heimat mit hoher Lebensqualität bietet. Wunderbar! Doch nach der anfänglichen Freude über den gelungenen Werbespot sind bei mir schon ein paar Fragen aufgetaucht, die mir echt Sorgen machen: Weshalb ist ein solcher Imagefilm für unsere Gemeinde produziert worden? Möchte man möglichst viele Leute aus nah und fern auf unser Juwel aufmerksam machen und sie einladen, hierher zu ziehen und sich in dieser Oase niederzulassen? Damit wird die Bevölkerung weiter stark zunehmen. Auch wenn in absehbarer Zeit kein neues Land eingezont und neu überbaut werden darf, wird trotzdem gebaut werden. Das Stichwort dazu heisst: "innere Verdichtung". Man macht sich zwar Gedanken, wie man sich als Gemeinde entwickeln möchte (Stichwort 'Leitbild Siedlungsentwicklung'). Allerdings habe ich bis jetzt etwas Wichtiges vermisst. Aussagen darüber, wie viele Einwohner unser Gemeindegebiet verkraften kann, so dass die Lebensqualität immer noch als sehr hoch eingestuft werden kann. Von den Gemeindeverantwortlichen hiess es an einer Informationsveranstaltung im Januar 2010 auf einer Folie wörtlich:
"Angestrebt wird ein stetiges Wachstum im bisherigen Umfang!"
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: wollen Sie das, und können Sie sich vorstellen, was das konkret heissen könnte?
Die Bevölkerungsentwicklung bei uns ist eine Gerade, die im 45 Grad Winkel ansteigt und offenbar weiter in diesem Stil ansteigen soll.
Mir kommt da spontan Manhattan in den Sinn. Bei uns wäre der Central-Park halt einfach rund ums Dorf rum. Geteerte Spazierwege, bis 10 Uhr nachts Uhr beleuchtet. Dann bis am Morgen geschlossen. Alle 50 Meter Robidogs.
Weiter kommt mir die Schweizerische Tierschutzverordnung in den Sinn. Da werden für die verschiedenen Tiere sehr ausführlich Mindestanforderungen an Unterkünfte und Gehege definiert. So dürfen z.B. die begehbaren Flächen für Bibeli bis Ende 10. Lebenswoche eine maximale Bodenneigung von 12% aufweisen. Oder: in Haltungen bis zu 150 Tieren dürfen höchsten 7 Legehennen à 2 kg pro Quadratmeter leben. - Gibt es eigentlich auch so was für Menschen? - Warum nicht?
Klar, ich habe jetzt etwas überzeichnet. Aber es zeigt doch deutlich, in welche Richtung unsere Reise gehen könnte, wenn wir nicht aufpassen. Darum ist es wichtig, dass Sie sich, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, aktiv an der politischen Diskussion beteiligen und z.B. auch Informationsveranstaltungen und Gemeindeversammlungen besuchen. Solch wichtige Entscheide müssen gut informiert und demokratisch gefällt werden. Mit einer hohen Stimmbeteiligung. Sonst leben wir in Bubikon nämlich schon bald nicht mehr ländlich, sondern städtisch. Wir haben es dann geschafft, unsere Gemeinde in sagen wir 100 Jahren zuzubetonieren - unumkehrbar. - Eine Lösung für ein Bevölkerungswachstum mit einer Obergrenze kann ich ihnen hier nicht aus dem Hut zaubern. Aber es heisst: wo ein Wille ist, sei Weg. Denken wir an ein Parkhaus. Ein Parkhaus ist irgendwann mal voll. Und dann kommt man halt nur noch rein, wenn ein anderes Auto das Parkhaus verlässt. - Mir ist klar, dass das ein zu einfacher Vergleich ist. Aber im Grundsatz geht es trotzdem ums Gleiche. - Apropos Wille und Weg: der beste Beweis dafür, das mit gutem Willen praktisch alles angegangen werden kann, ist der Entscheid, aus der Atomenergie auszusteigen. - Also, tragen wir Sorge, zu unserer Gemeinde, zu unseren beiden Dörfern. Verhindern wir (Zitat) "ein stetiges Wachstum im bisherigen Umfang." Da wäre weniger mehr. Auch hier gilt: Zukunft gestalten, aber vor allen Dingen Werte erhalten.

Schluss

Damit komme ich zum Schluss und fasse zusammen:

  1. So genannt alte Zöpfe (Stichwort Gottesbezug unseres Landes) sind sehr schnell abgeschnitten. Die Folgen gravierender als wir meinen.
  2. Mit der Übernutzung werden Lebensräume (auch da in Bubikon) unumkehrbar zerstört. Schneller als wir meinen.

Darum tragen wir Sorge zu dem, was wir heute noch haben.

Ich freue mich auf unsere Zukunft in unserer Wert-vollen Schweiz und in unserer sehr schönen Gemeinde. Ich wünsche uns allen dafür Gottes Weisheit und Segen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen noch ein schönes Fest.

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