1.August-Rede von ... mir

Geschätzte Politnetzer, Schweizer, Eidgenossen

Wir begehen den 1.August; wir feiern das 721jährige Bestehen der Eidgenossenschaft.

Seit dem Schliessen dieses heiligen Bundes "im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August" hat sich einiges verändert, anderes jedoch nicht.

Es gibt heutzutage Leute, die haben das Gefühl, der Nationalismus sei auf diesen einen Tag im Jahr zu beschränken - und auf Fussballspiele und andere sportliche Anlässe, wie sie zurzeit in London zugange sind.
Ich bedaure dies - sehr.
Denn der Nationalismus war und ist für mich seit jeher eine Weltanschauung, ein Lebensgefühl, das eigentlich jedem gesunden Bürger dieser Erde, der in einem gesunden Staat wohnt, zu jeder Zeit zueigen sein sollte.

Was aber ist dieser Nationalismus?
Zunächst einmal ist es eine Identifikation mit der Nation - eine sehr intensive, freilich - und ein unauslöschliches Bekenntnis zu ihr.
Darauf folgt ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und das Streben nach nationalem Zusammenhalt, eng verwoben mit dem stetigen Wunsch nach dem Besten fürs Vaterland.
In einer letzten Stufe dann, erwacht die Bereitschaft zu jeglichem Opfer, wenn es die Sicherheit und Freiheit der Nation erfordern sollte, wobei die Freiheit stets höher zu gewichten ist als Sicherheit oder Wohlfahrt.

Viel eher als das heutige Gebet, das vielleicht manche von Ihnen, wie auch ich, heute an öffentlichen Anlässen gesungen haben, spricht mir deshalb die alte Hymne aus der Brust:

Rufst du, mein Vaterland
1. Rufst du, mein Vaterland, Sieh’ uns mit Herz und Hand, all’ dir geweiht. Heil dir, Helvetia! hast noch der Söhne ja, wie sie Sankt Jakob sah, freudvoll zum Streit!
2. Da, wo der Alpenkreis dich nicht zu schützen weiss, Wall dir von Gott - steh’n wir den Felsen gleich, nie vor Gefahren bleich, froh noch im Todesstreich, Schmerz uns ein Spott.
3. Nährst uns so mild und treu, hegst uns so stark und frei, du Hochlandbrust! Sei denn im Feld der Not, wenn dir Verderben droht, Blut uns ein Morgenrot, Tagwerk der Lust.
4. Frei und auf ewig frei, sei unser Feldgeschrei, wall’ unser Herz! Frei lebt wer sterben kann, frei wer die Heldenbahn steigt als ein Tell hinan, nie hinterwärts.
5. Doch wo der Friede lacht nach der empörten Schlacht, drangvollem Spiel, o da, viel schöner, traun, fern von der Waffen Grau’n, Heimat, dein Glück zu bau’n winkt uns das Ziel!

"Frei und auf ewig frei"
Das hab' ich mir vor Jahren schon tief ins Herz, tief in meine Seele, geschrieben.
Das Glück und Heil der Heimat ist mir ein Grundbedürfnis doch ohne Freiheit, was ist das Heil uns wert; und wie gelangt in Knechtschaft man zum Glück?

Darum ist von Herzen mir zuwider, alles internationale und alles, was uns erpressbar macht.
Darum werd' ich nicht müd', das Hohelied der Direktdemokratie zu singen.
Und darum erachte ich die Selbstbestimmung als das grundsätzlichste aller Ziele der Politik.

Der Bundesbrief von 1291, wie auch derjenige von 1315, schreibt noch nichts von einer Abspaltung in die Freiheit. Aber beide bekräftigen die Selbstbestimmung explizit:

1291:
Communi etiam consilio et favore unanimi promisimus, statuimus ac ordinavimus, ut in vallibus prenotatis nullum iudicem, qui ipsum officium aliquo precio vel peccunia aliqualiter comparaverit vel qui noster incola vel conprovincialis non fuerit, aliquatenus accipiamus vel acceptamus.

(Wir haben auch einhellig gelobt und festgesetzt, dass wir in den Tälern durchaus keinen Richter, der das Amt irgendwie um Geld oder Geldeswert erworben hat oder nicht unser Einwohner oder Landmann ist, annehmen sollen.)

1315:
Dar zuo sin wir uber ein kommen, daz wir enkeinen Richter nemen noh haben suln, der daz ampt koufe mit phennigen oder mit anderme guote und ouch unser lantman nicht si.

Heute, da wir auch die Existenz insbesondere des ersten Briefes feiern, finde ich es wichtig, dass wir uns darauf zurückbesinnen, was wir eigentlich sind, und was wir nicht sind.

Wir sind keine Grossmacht Europas.
Wir sind aber auch kein Geldesel für politische Totgeburten.
Wir können die Welt nicht verändern.
Aber wenn wir nicht achtgeben, verändert die Welt uns.
Wir sind keine Heiligen, auch wir machen Fehler, und unsere Nation - so grossartig sie auch sein mag - ist nicht perfekt und wird es wohl, wie alle irdischen Dinge, nie sein können.

Wir sind ein kleines Land im Herzen Europas, das sich völkerrechtlich bindend der Neutralität verschrieben hat.
Wir sind eines der letzten Länder Europas, welche ihre Demokratie noch nicht gänzlich aufgrund Diktaten anderer ad absurdum führen musste.
Und wir sind und waren seit jeher, kein zentralistisches Machtprodukt sondern eine verstandsregierte Föderation, welche die individuelle Freiheit und die individuelle Verantwortung gegenüber dem Kollektiv und somit die Entscheidungshoheit jedes einzelnen ihrer Glieder hochhält.

Gewisse Aussagen etablierter Politiker stimmen mich daher traurig und wütend zugleich, indem sie eine weitere "Annäherung" oder gar eine Annexion der Schweiz an bzw. durch die Europäische "Union" defaitistisch als "unausweichlich" oder noch gesteigert als "wünschenswert" bezeichnen - und damit verleugnen, wofür die Eidgenossenschaft sieben Jahrhunderte existiert und gekämpft hat.

Wenn es mir gegeben wäre, ich würde an jeden Grenzübergang zur EU eine Nachricht an dieselbe nageln:

Bis hierhin sollst du kommen, und nicht weiter. Hier muss sich legen deiner Wogen Stolz.

Da es aber nicht ist, möchte ich abschliessend nur bekräftigen, was ich seit Jahren halte:

Lieber tot als ein Verräter.
Lieber tot als Internationalist.

Es lebe die Schweiz, mit allen ihren Eigenarten!
Hier sind wir zu Haus', das Ausland ist es nicht.

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