1. August-Rede von Lyss

Guten Abend liebe Lysserinnen und Lysser,
Guten Abend liebe Gäste,

Es freut mich, dass sie so zahlreich erschienen seid um den 1. August zu feiern. Sicher seid ihr nicht wegen der Bratwurst, sondern wegen der Feier auf diesem schönen Platz in Lyss mit der wunderbaren Aussicht auf den Jura gekommen.

Ich muss euch gestehen, dass ich noch nie an einer offiziellen 1. Augustfeier hier im Hutti war; ja eigentlich auch noch nie an einer Bundesfeier. Das heisst vor Jahren einmal in Grindelwald und da habe ich die Hälfte der Rede nicht verstanden, da sie auf Japanisch war…

Als ich erfahren habe, dass es in Lyss Tradition ist, dass das Präsidium des grossen Gemeinderats die Festrede hält, habe ich mir überlegt, was so eine 1. Augustrede beinhalten soll, was die Zuhörer wohl hören möchten.

Da kam schnell die Frage auf, warum feiern wir eigentlich den 1. August, oder warum haben wir eigentlich einen Nationalfeiertag? Das erste Mal wurde am 1. August 1891 zur 600 Jahr Feier der Eidgenossenschaft ein grosses Fest abgehalten und seit 1994 gilt der 1. August offiziell als Feiertag.

Erlauben Sie mir kurz einen geschichtlichen Rückblick: Als Geburtstermin der Schweiz gilt allgemein der 1. August 1291. Die Alte Eidgenossenschaft entstand als loses Bündnis von drei Talschaften am Vierwaldstättersee: Uri, Schwyz und Unterwalden. Man lehnte sich gegen die Vögte der Grafen von Habsburg auf. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Staaten, heutige Kantone zur Eidgenossenschaft dazu und 1848 wurde die noch heute gültige Bundesverfassung mit der darin verankerten direkten Demokratie in Kraft gesetzt.

Für beide sehr wichtige Schritte unseres Landes brauchte es mutige, vorausschauende und engagierte Personen. Dank deren Weitsicht konnte unsere Heimat, die Schweiz, entstehen und gedeihen. Viele Leute haben im Laufe der Zeit dazu beigetragen, dass die Schweiz heute ein gut situiertes Land mit tiefer Arbeitslosigkeit, guter Bildung und einem sehr hohen Lebensstandard ist. Dazu gilt es Sorge zu tragen! Dies erreichen wir nicht mit Abschottung und Verschlossenheit gegenüber Neuem und Fremdem, sondern mit viel Arbeit, Neugier, Fleiss und guter Bildung.

Für mich ist der heutige Tag auch ein Moment um sich zu besinnen, was bedeutet mir Heimat. Schliesslich ist der 1. August der symbolische Geburtstag unserer Heimat.

Vor 18 Jahren war ich ein Jahr in den USA und auch da haben wir den 1. August gefeiert, in Gedanken bei unserer schönen Heimat Schweiz. Weltweit feiern Auslandschweizer unseren Nationalfeiertag und denken an ihre Heimat, auch wenn sie vielleicht jetzt eine 2. Heimat gefunden haben.
Was ist denn eigentlich Heimat? Für mich ist Heimat da, wo ich meine Familie und meine Freunde habe, da wo ich mich wohl fühle, da wo es mir gut geht und es mir gefällt.

Das muss nicht zwingend da sein, wo ich Bürger bin, aber da wo mein Herz ist.

Wir haben mit der Schweiz, aber auch mit unserem Dorf Lyss eine wunderschöne Heimat. Dazu müssen wir Sorge tragen, denn dass es hier so schön ist und es uns allen im Grossen und Ganzen so gut geht, ist darauf zurück zu führen, dass unsere Vorfahren immer viel Engagement in die Zukunft der Schweiz gesteckt haben.

Oder anders gesagt: ohne Fleiss kein Preis!

Um unserer Heimat Sorge zu tragen, bedarf es der Arbeit aller Bewohner dieses Landes. Wenn alle Verantwortung übernehmen und in irgend einer Form mithelfen, unser Land zu gestalten und zu tragen, können wir dazu beitragen, dass unsere Heimat weiter gedeiht und es uns auch weiterhin gut gehen wird.

Dieses Engagement kann in Vereinen, ehrenamtlichen Organisationen oder in politischen Parteien war genommen werden. Wo ist eigentlich egal, Hauptsache, alle helfen mit und übernehmen Verantwortung.

Wie hat es John F. Kennedy einmal so schön gesagt: „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“. Ich bin überzeugt, wenn sich alle Bewohner von Lyss, resp. alle Bewohner der Schweiz diese Frage stellen und dann eine Aufgabe übernehmen, können wir auch in Zukunft in einer so schönen und wohlhabenden Schweiz leben!

Hier in Lyss gibt es sehr viele Vereine und Organisationen, die Leute suchen, die eine Aufgabe übernehmen. Durch die ehrenamtliche Arbeit, die da geleistet wird, tragen diese Vereine und Organisationen zu einer Vielfältigkeit in unserem Dorf bei, das Leben hier zu bereichert. Ich rufe euch dazu auf, Verantwortung gegenüber unserer Heimat zu übernehmen und euch zu engagieren! Ich konne noch einmal auf John F. Kennedy zurück und formuliere sein Zitat etwas um: „Überlegt euch nicht: was tut Lyss für mich, sondern: was kann ich für Lyss tun!“

In diesem Sinn wünsche ich euch allen noch einen schönen Abend und eine gute Heimkehr, merci viu mau!

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «1. August-Reden»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production