1. August-Rede von Härkingen und Hilterfingen

Liebi Mitbürgerinne und Mitbürger, liebi Gescht vo nah u färn

I freue mi hüt mit Euch zäme dr Nationalfiirtig vor Schwiz hie in Härkinge/Hilterfinge z’fiire und mit Euch es paar Gedanke z’teile. Gärn würdi mit Euch hüt nid nume ufe erscht August astosse, sondern ou uf zahlriichi Schwizer Olympia-Medallie. Aber die löh im Moment no uf sech la warte, also drücke mir üsne Athletinne und Athlete witerhin dr Dume, dass ihrer Tröim in London wahr wärde. Und notfalls tröste mir se mit em olympische Motto „Derby si isch alles.“

Wär die gigantischi Eröffnigsfiir zu de olympische Spiel gseh het isch mit dr grosse Vergangeheit vom British Empire konfrontiert worde, mit em Muetterland vor Industrielle Revolution, wo als Kolonialmacht i früechere Zyte mal überne Viertel vor ganze Welt gherrscht het. Was fürne Kontrast zur Schwizer Gschicht, wo sech vomne arme Agrarstaat zumne wohlhabende Land ufegschaffet het, wo sech us dr Machtpolitik zwüsche de europäische Grossmächt geng het probiert dusse z’halte, wo im Gägesatz zu de meischte andere europäische Länder nie Kolonie gha het und sini ussepolitischi Rolle vor allem ufere humanitäre Tradition ufbout het.

Zu Recht dörfe mir stolz si uf üsi Schwizer Wärt, uf üsi Demokratie, ufene funktionierende Rechtsstaat, uf e föderalistisch Staatsufbou, uf üses humanitäre Engagement ir Wält, uf die höchi Läbesqualität und die schöni Landschaft, uf die gueti Infrastruktur, uf üsi wirtschaftlechi Leistigskraft, uf üses duale Bruefsbildigssystem, uf die töifi Arbeitslosigkeit, uf üses drü-Süle-System bir Altersvorsorg, uf üsi Innovationskraft und ganz generell uf die vielne Chance, wo üses Land sine Bürgerinne und Bürger bietet. Us all dene Gründ het d’Schwiz im Usland generell es guets Asehe und wird für ihri guete Dienste gschetzt, für d’Budgetdisziplin bewunderet und um die töifi Arbeitslosigkeit benide.

Ou wenn’s üs guet geit im Verglich zu vilne andere Staate dörfe mir itz nid der ganz grossi Fähler mache und e gwüssi Arroganz oder Überhäblichkeit entwickle. Letschtlich hei mir i de letschte 20 Jahr viel us dene Fählentwicklige glernt, wo jetzt i verschiedene europäische Staate abgöh. Mir hei nach der platzte Immobilieblase Ändi 80-er Jahr üsi Kantonalbanke grettet, privatisiert oder verchouft, mir si de usufernde Staatsusgabe vo de 90-er Jahr konsequent mit ere verfassigsmässige Schuldebräms entgägeträtte, mir hei nach dr verlorene Volksabstimmig zum EWR vor bald 20 Jahr Schritt für Schritt bilaterali Abkomme füre Marktzuetritt zu üserem wichtigschte Absatzmarkt – em EU-Binnemarkt – ausghandlet, unjd zuesätzlich nöii Absatzmärkt usserhalb vo Europa i de boomende grosse Staate erschlosse und schliesslech hei mir wichtigi Reforme eigleitet zum Schulde bi üsne Sozialwärk z’stabilisiere und abzboue.

All die Reformschritt vo de letschte Jahr und Jahrzähnt hei derzue bitreit, dass d’Schwiz sech hüt cha rüehme und fiire e wirtschaftlich erfolgriche, international vernetzte und vor allem politisch stabile Ort z’si.

Doch d’Globalisierig und die internationali Vernetzig rückt d’Schwiz ou ine andere Fokus als mir üs das historisch gwöhnt si gsi. Mir stöh gägewärtig unter Druck vo allne üsne wichtige Handelspartner (das si üsi Nachbarländer, Europa und Amerika) zum d’Stürproblem us der Vergangeheit z’löse. Mir müesse ou ehrlich si, dass üses Bankgheimnis i de letschte Jahr vo Banke und usländische Kunde isch missbrucht worde. D’Meinig isch nie gsy, dass dr Schutz vor Privatsphäre darf d’Stürhinterziehig fördere. Es isch verwärflich, wenn Bürger sich ihrer Stürpflicht entzieh. Am Schluss isches nämlech geng der Mittelstand i de betroffene Länder, wo meh Stüre müesse zahle. Für d’Fähler vor Vergangeheit hei mir itz e Lösig gfunde. D’Abegltis-Stürabkomme mit Dütschland, Grossbritannie und Östrich biete Glägeheit, d’Vergangeheit z’bereinige und dene Staate ihri Stürinahme la zuezcho. Wenn ds Referendum gäge die drü Abkomme zstand chunnt - und vo däm gahni us, wenn AUNS und Jungsozialiste us unterschiedlcihe Motivatione am Unterschrifte sammle si – isches es bir Volksabstimmig im November es wichtigs Signal a die Partnertstaaate, dass d’Schwizer Bevölkerig hinter dene Abkomme steit.

Es git zwöi wichtigi Indizie, dass ds Vertroue i üses Land ou im Usland gross isch. Ds einte isch dr starki Schwizer Franke, wo aber üsi Exportwirtschaft und üse Tourismus vor gwaltigi Useforderige stellt. D’Schwiz, wo verglichswis scho geng es türs Land isch gsi, isch dadermit no türer worde. Zum üsi Wettbewerbsfähigkeit z’bhalte isch deswäge d’Untergränze vom Wächselkurs Franke-Euro unbedingt z’verteidige. Und ar Nationalbank muess daderby politisch dr Rücke gstercht wärde. Alli die unnötige politische Agriff uf d’Nationalbank vernichte nämlech jedes Mal Volksvermöge.

Ds zwöite isch d’Personefreizügigkeit mit der EU. D’Iwanderig vo guet qualifizierte Lüt i d’Schwiz het üsem Land i de letschte Jahr nachwislech meh Wohlstand bracht. Die höchi Läbesqualität, ds breite Agebot a Arbeitsplätz und die internationali Usrichtig vo üsne Unternähme het d’Zuwanderig la wachse. Der grösseri Wettbewerb ufem Arbeits- und Wohnigsmarkt gfaut nid aune, deswäge chöme ou Stimme uf, d’Personefreizügigkeit z’beschränke, z’kündige oder neu z’verhandle. Aber das isch politisch es Spiel mit em Füür. Mir wüsse nämlech haargenau, dass das nid ohni Schade für d’Schwiz möglich wäri. Deswäge müesse mir nid freiwillig uf Vorteile, wo üses Land bietet verzichte. Ds gliche gilt füre Unternehmensstandort. Ire Zyt, wo mir für üsi Wettbewerbsfähigkeit hert kämpfe, müesse mir nid freiwillig schlächteri Bedingige für börsekotierti Unternähme ifüehre, wie das d Volksinitiative gäge Abzockerei forderet. Wohl het ds Parlament Misständ bi de Lohnbezüg vo gwüssne Chefetagene erchennt und deswäge e griffige Gägevorschlag zu dere Initiative usgarbeitet. Wird d’Initiative nächschte Früehlig ir Volksabstimmig abglehnt, tritt dä Gägevorschlag sofort i Chraft. Wird d’Initiative agnoh, geit d’Debatte um Usfüehrigsbestimmige wieder vo vore los, u das isch nid im Interesse vom Unternähmensstandort Schwiz.

Löhnt mi aber o uno zum Stichwort Freiwilligkeit ä positive Gedanke mit Euch teile. D’Schwiz isch nid nume es wohlhabends Land, si isch ou äs richs Land. Rich a Traditione, Brüch und Kultur. Zu däm Richtum träge aui die Bürgerinne und Bürger bi, wo sech freiwillig und ehrenamtlich für d’Gsellschaft engagiere. Ohni Freiwilligearbeit wäri d’Schwiz es arms Land – mir hätte zum Bispiu kei Blasmusig, kei Amateur-Orchester, kei Jazzchäller, keis Dorftheater, kener Sportvereine, kener Samariter oder Rotkrüz-Fahrer. Üsi Zivilgsellschaft basiert uf em Engagement vo jeder Bürgerin und jedem Bürger. Ou üses politische System funktioniert nume, wenn sich Lüt engagiere und sech für politischi Ämter überhoupt zur Verfüegig steue – was hützutags grad uf Gmeinds-Ebeni kei Sälbstverständlichkeit isch. Dr erschti Ouguscht isch deswäge ou ä Glägeheit allne Freiwillige Danke z’säge. Dr Dank isch nämlech dr Lohn für unbezahlti Arbeit. So chöi mir nämlech hüt dä Nationalfiirtig in Härkinge/Hilterfinge nume deswäge i däm schöne Rahme fiire, wöu sech viu Freiwilligi derfür isetze. Und ou üsi Athlete in London si nume deswäge a de olympische Spiu, wöu si als Ching d’Glägeheit hei gha amne Sportverein bizträtte und vo Freiwillige betreut und gförderet z’wärde.

Dadermit wett ig aune ganz härzlich danke, wo die Fiir hüt ermöglechet hei. I wett mit Euch uf üses Land und siner Sterchine astosse ohni derbi z’vergässe, dass no ganz grossi Useforderige uf üs zuechöme, wo mir rächtzitig müesse d‘Weiche richtig stelle.

Drücke mir aber ou glichzitig üsne Sportler in London alli Düme, so dass ihrer olympische Tröim in Erfüllig göh und mir se nid nach ihrer Rückkehr müesse tröste mit em olympische Motto: „Derby gsi si isch alles.“

Merci viumau.

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