1. August-Rede von Prizren und Sarajevo (Swisscoy / EUFOR)

Die Zukunft des Swisscoy-Einsatzes ist nach Parlamentsbeschluss von 2011 bis 2014 gesichert. Nun hat die Schweiz per 1. Januar 2012 mit dem Kommando des Joint Regional Detachement (JRD) Nord eine wichtige Aufgabe in der Koordination der Informationsbeschaffung im Norden des Kosovos übernommen.

Die Stabilität in Europa und im Speziellen im Kosovo ist der Schweiz also von zentraler Bedeutung. KFOR und Swisscoy sind dabei ein wesentlicher Beitrag. Die Umsetzung der UN-Resolution 1244 ist uns ernst, wenn in Ziffer 13 zum Beispiel von einem „wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau“ der Region die Rede ist. Ein erneuter Konflikt in dieser Region ginge vor allem zu Lasten der Zivilbevölkerung. Neue Flüchtlingsströme über ganz Europa wären wieder die Folge davon. Gerade auch die Schweiz wäre sicher auch stark betroffen, leben doch schon heute über 170‘000 Personen aus dem Kosovo in unserem Land.

Für mich ist klar: Stabile Herkunftsländer mit hoffentlich rosigen Zukunftsperspektiven sind die beste Grundlage damit es bei uns gar keine Asylpolitik bräuchte.
Ich mache mir aber keine Illusionen. Die Stabilität in der Region Kosovo ist noch nicht hergestellt, verglichen mit 1999 aber markant besser.

Auch punkto Demokratie sind erst Anfänge vorhanden. Besonders eindrücklich wirkt an dieser Stelle die Tatsache, dass Schweizer Bürgerinnen und Bürger in einem Jahr wahrscheinlich mehr abstimmen werden als Kosovarinnen und Kosovaren in ihrem ganzen Leben. Unter diesem Gesichtspunkt sind zirka 40% Stimmbeteiligung in der Schweiz wirklich deprimierend. Der rote Teppich der Demokratie liegt uns zu Füssen und gehört betreten!

Meine Reisen im Jahr 2000 nach Kroatien sowie 2008 zusammen mit meiner Partnerin in die Region Kroatien und Bosnien-Herzegowina haben mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht nur Minenfelder sondern viele Wunden sind bis heute vorhanden. Auf dem Weg nach Mostar ist denn auch immer noch viel Zerstörung sichtbar. Die herrschende Verehrung von Kriegsgenerälen zeigt, dass die Auseinandersetzung die Menschen immer noch tief bewegt. Die Menschen haben zudem offenbar das richtige Heimatland noch nicht gefunden. Wie schön war die Eröffnungsfeier der Olympiade in London doch, wo alle Landsleute stolz sein konnten auf Ihr Land und seine Flagge. Sport verbindet und das sind jene Signale, die ewig wirken.

Mir wurde in diesen Region vor allem 3 Punkte vor Augen geführt, ...
1. …, dass die Schweiz sich als neutrales Land innerhalb von Europa aktiv beteiligen muss. Sehr konkrete Engagements wie Swisscoy sind klar besser als reine Diplomatie. Gleiches gilt z.B. auch für das NNSC-Engagement in Korea, das ich vor 2 Jahren besuchte.
2. …, dass die Schweiz der EU und der internationalen Ebene klar zeigt, was ihr Stabilität wert ist.
3. …, dass die Schweiz nämlich kein Land der ‚Rosinenpicker ‘ist, nein wir machen aktiv mit und halten unsere Werte Neutralität, Unabhängigkeit und Demokratie hoch. Davon sollen auch andere Länder und Regionen profitieren können, die in den Anfängen stecken und nicht auf Rosen gebettet sind.

Zum Schluss darf ich stolz feststellen: Es gibt keinen besseren Ort, um so wunderbar aufzuzeigen, was die Schweiz ist, wie hier bei Ihnen bei Swisscoy im Kosovo. Schweizer Werte werden hier mit Ihrem grossen Engagement aktiv vermittelt.

Ihr Einsatz hat sich jedoch jüngst geändert. Das beliebte „Swiss-Chalet“ im Camp Casablanca, das mein Vater noch besuchte und so erfreulich darüber berichtete, gibt es nicht mehr. Der Umzug der Truppen war von widrigen Platz- und Klimaverhältnissen begleitet.

Danke bestens für Ihren beispielhaften Einsatz – in jeder Beziehung – auch in Zukunft!

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