Die etwas andere 1. August Rede

Es knallt und pfeift durch die Gassen, Explosionen erhellen die stock düstere Nacht. Die Kinder sitzen zitternd im feuchten Keller und halten sich die Ohren zu. Das Baby weint unaufhörlich und lässt sich nicht beruhigen. Zwischen den Schüssen der Maschinengewehrsalven und dem Knattern der Rotorblätter der Kampfhubschrauber ist Menschengeschrei vernehmbar. Befehle, verletzte Menschen, lautes Geschrei und dann wieder dieses traurige Wimmern. Seit Tagen sitzen Menschen in diesem feuchten dunklen Kellerverlies und wünschen sich dieses unwirtliche Gefängnis zu verlassen und die Ruhe des Friedens zu spüren. Die Angst ist seit Tagen ihr ständiger Begleiter, es geht um nicht weniger als das nackte Überleben. Krieg hat viele Gesichter, aber keines ist aufgestellt und positiv.

Wenn wir in der Schweiz wieder einmal den Geburtstag unserer Nation feiern, sind diese traurigen Bilder weit weg. Doch diese sind für andere Menschen genau zu dieser Zeit sehr real. Vielleicht in Aleppo, welches bis vor einigen Tagen wohl nur einer kleinen Minderheit ein Begriff war und in einigen Monaten auch wieder vergessen ist. Oder wer erinnert sich noch an Benghazi. Wir hingegen haben das Privileg in Frieden zu leben, was für uns vielleicht selbstverständlich ist, bleibt zahlreichen Menschen auf dem Globus verwehrt. Sie kämpfen tagtäglich um ihr Überleben. Sie zittern unter den Explosionen von totbringenden Bomben und Granaten, währenddessen der Himmel über der Schweiz mit Feuerwerkknallerei erhellt wird. S wie Syrien oder S wie Schweiz. Der gleiche Anfangsbuchstabe aber die aktuelle Situation beider Länder könnte wohl nicht unterschiedlicher sein. Hier der Schreiberling dieser Zeilen, welcher Krieg „nur“ aus Büchern und Nachrichten kennt und da die syrische Bevölkerung, die hautnah die krasse Realität des Krieges miterleben muss.

Während in Syrien der 01. August 2012 ein weiterer Kriegstag ist, feiern wir in der Schweiz Geburtstag. Inmitten eines Kontinents, der vor etwas mehr als sechzig Jahren nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern lag und die Schweiz blieb auch damals von Zerstörung und Bombenhagel ziemlich verschont. Es ist definitiv ein Privileg, Schweizer /in zu sein. Wie wir dies verdient haben? Keine Ahnung. Jedoch weiss ich, dass dieses Privileg für uns ein Antrieb sein muss, an die weniger Privilegierten in der Welt zu denken und diesen zu helfen.

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