Langfristige Massnahme im Asylwesen

Die Landschaft ist atemraubend schön. Unberührte Wälder, Reisfelder an den Hängen und Natur pur so weit das Auge reicht. Beim Wasserfall im Camp reinigen wir die Elefanten und sind die Elefanten erst draussen, wird das kristallklare Wasser wieder als Koch- und Trinkwasser verwendet. Die Landschaft im Norden von Chiang Mai Thailand erinnert an den Film John Rambo. Silvester Stallone wählte diese Gegend für seinen letzten Teil der Rambo-Serie bewusst aus. Er wollte einen Konflikt ins Gespräch bringen, der seit über 100 Jahren unbemerkt von der Welt tobt. Der Krieg gegen die Karen. Verfolgt von der Militärregierung in Burma leben heute über 300’000 Karen-Flüchtlinge in Thailand. Etwa die Hälfte in Lagern und die andere Hälfte lies sich in den Bergdörfern bei Verwandten nieder oder die Flüchtlinge arbeiten fern ab von der Zivilisation für $150 im Monat als Mahuts. Ein Mahut ist der Führer und im besten Fall auch Besitzer eines Elefanten.

Die Karen sind ein Bergvolk, das in einer starken Familienstruktur lebt. Wer ein Karendorf besucht, stellt erstaunt fest, wie primitiv diese Menschen heute Leben und wie modern und reich sie scheinbar dennoch sind. In Holzhäusern ohne anständig funktionierende sanitäre Anlangen, kein genügender Schutz vor dem kalten Winter und auf ärmlichen 60 bis 100 qm leben bis zu 10 Menschen miteinander in zwei Räumen. Bei all dieser Armut steht im Kontrast dazu ein nigelnagelneuer Pickup im Wert von $40’000 vor der Tür. Oder im Dorfladen, der weitgehend mit Ramsch vollgestopft ist und frisches Obst verkauft. Wo die Kasse eine alte Holzschachtel ist und der Spiegel an der Wand vermutlich vor 30 Jahren neu war, steht das neuste iPad. Diese Diskrepanz verwirrt und ist doch nachvollziehbar. Durch die starke Familienstruktur legen die Karen Geld zusammen, wenn etwas Neues angeschafft werden muss. Verdienen die Kinder etwas, ist es für sie selbstverständlich, dass das Geld in die Familienkasse kommt, bevor das eigene Handy gekauft wird.

Die Karen versuchen ihre Familien zusammenzuhalten und schicken niemanden in die Stadt. Anders bei den Mong, dort werden die Kinder manchmal schon mit 13 Jahren zur Arbeit in die Stadt gesendet. Arbeitet erst ein Familienmitglied in der grossen Stadt, hat es regelmässig Geld nach Haus zu schicken und so ist der Einzelne zwar immer noch arm, aber die Familie kann sich auch Ausgabe von 10’000 und mehr Franken leisten. Um einen meiner üblichen Filmhinweise zu platzieren, die Mongs waren die Nachbarn in Clint Eastwoods Gran Torino.

Rechnen Sie 1+1 zusammen
Wie Sie bestimmt schon selbst bemerkten, wird das Fliegen, Auto-, Zugfahren oder mit dem Schiff unterwegs zu sein immer billiger. Die Reisekosten fallen seit Jahren. Gleichzeitig steht den Menschen in den Schwellenländern mehr Geld zur Verfügung als je zuvor. Sie sind nicht reich, aber wenn sie zusammenlegen, können sie ohne Weiteres einen jungen, kräftigen Burschen oder eine junge attraktive Tochter ins reiche Europa schicken. Was ist das Resultat, wenn Sie 1+1 zusammenrechnen? Wir werden in Zukunft einen erhöhten Einwanderungsdruck erleben. Nicht von politischen Flüchtlingen, sondern von “Wirtschaftsflüchtlingen”.

Wie können wir darauf antworten?
Wir können uns von dieser Entwicklung überrennen lassen oder wir bauen eine hohe Mauer um Europa. Und mit Stacheldraht und Maschinengewehren sorgen wir dafür, dass niemand auf unseren Kontinent gelangt. Wer gerne Filme guckt, Hunger Games und In Time mit Justin Timberlake thematisieren diese Variante. Ich halte beides für dumm. Uns überrennen zu lassen sowie eine hohe Mauer, um uns herum zu bauen. Es ist naiv zu glauben, dass wir für alle Menschen in der Schweiz Platz haben und es ist genauso naiv zu glauben, dass wir die Menschen, welche heute aus Tunesien, Eritrea oder Somalia in die Schweiz kommen, fernhalten können. Der einzige Weg, wie wir den Migrationsdruck senken, ist wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern. Wo eine Jugendarbeitslosigkeit von 50% und mehr herrscht, werden die Leute sich auf den Weg in ein reicheres Land machen. Wo junge Menschen keinen Ausweg sehen, nehmen sie jedes Risiko auf sich und ergreifen die Flucht nach vorne. Wenn wir ernsthaft verhindern wollen, dass dies passiert, müssen wir uns überlegen, wie wir der Wirtschaft vor Ort helfen. Besser gesagt, wie sich deren Wirtschaften selbst helfen kann und wie wir sie dabei unterstützen. Statt auf Einwanderung zu reagieren, sollten wir agieren.

Lehrt sie zu fischen
Ein chinesisches Sprichwort sagt, gib einem Menschen einen Fisch - er hat einen Tag zu essen. Gib einem Menschen viele Fische - er hat viele Tage zu essen. Lehre ihn fischen - und er wird nie hungern.

Wir sollten uns überlegen, was sind die Gründe, warum die Schweiz heute so gut dasteht. Wie schafften wir es, dass bei uns die Arbeitslosigkeit tief ist und die Menschen wohlhabend sind. Es ist überdeutlich, dass alle Länder mit einem dualen Bildungssystem eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit aufweisen. Es scheint ebenfalls bewiesen, dass nur das freie Unternehmertum langfristig Arbeitsplätze schafft. Zumindest kenne ich keine erfolgreichen Gegenbeispiele. Der Staat kann Brücken bauen, für Bildung sorgen und für die Einhaltung des Rechts schauen. Dies sind alles wichtige Voraussetzungen für eine blühende Wirtschaft. Für Arbeitsplätze sorgt aber langfristig nur das freie Unternehmen. Unsere vordringliche Aufgabe sollte es sein, für unsere Erfolgsfaktoren zu werben. Zeigen wir diesen Ländern, wie sie ein duales Bildungssystem aufbauen. Laden wir ausgewählte Leute ein, damit sie bei uns das Handwerk lernen und es zu Hause anwenden oder helfen wir talentierten jungen Menschen auf privater Basis erfolgreich durchs Studium zu kommen. Und unterstützen wir diese Länder mit Freihandel, damit sie für ein eigenes Auskommen sorgen können.

Ohne freies Unternehmertum werden es diese Länder nicht packen und junge Menschen flüchten weiter nach Europa. Dass nur das freie Unternehmertum langfristig nachhaltige Arbeitsplätze schafft, dass haben selbst die Kommunisten in China erkannt. Erst als sie Sonderzonen für eine verhältnismässig freie Wirtschaft einrichteten, ging es bergauf. Sogar in Kuba akzeptiert man langsam die Wahrheit und erkennt, dass die Menschen ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen müssen, damit Wohlstand entsteht. Raul, der Bruder von Fidel Castro, erlaubte letztes Jahr den Privatbesitz von Wohnungen und Autos. Er will sogar die Selbstständigkeit fördern. Dies ist der erste Schritt für Wohlstand.

Wohlstand muss kein Umverteilungsspiel sein. Wenn jemand reicher wird, muss nicht zwingend jemand ärmer werden. Wer dies anders sieht, liegt einem Denkfehler auf. Es ist zwar richtig, wenn ich etwas kaufe, muss ich etwas von meinem Vermögen abgeben, aber dafür hat diese Person Geld, um wiederum jemandem anderen etwas abzukaufen, der dann bei mir etwas bestellt. So beginnt ein Wirtschaftskreislauf, bei dem alle gewinnen. Stellen Sie sich dies simpel vor. Sie können gut Brot backen, jemand anders macht hervorragende Massagen und ein Dritter spielt wundervoll Musik. Backen Sie ein Brot für den Musiker und den Masseur und anschliessend geniessen Sie eine Massage bei wundervoller Musik. Alle haben gewonnen. Dies ist freies Unternehmertum. Und genau dieser Motor muss in den aufstrebenden Ländern für die breite Mittelschicht anspringen. Wenn dies klappt, werden junge Männer nicht mehr ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen und junge Frauen werden nicht in der Ferne auf den Strich gehen müssen, um ein paar Franken für die Familie zu Hause zu verdienen.

Das Umfrageinstitut Gallup befragte die Menschen in der ganzen Welt, was Ihnen wichtig ist. Es gibt eine Sache, die heute an erster Stelle steht: gute Jobs. Gute Jobs haben eine Arbeitszeit von mindestens 30 Stunden in der Woche, sichern ein anständiges Einkommen und sollten die Umwelt nicht zu stark belasten sowie nicht unmässig viele Ressourcen verschwenden. Wenn in den Schwellenländern solche Jobs geschaffen werden, nimmt der Migrationsdruck von alleine auf die Schweiz ab - aber nur dann. Egal was wir für Gesetze machen, egal wie gut wir den Asylprozess optimieren, die Menschen in diesen Ländern bleiben erst zu Hause, wenn sie in ihrer Heimat gute Jobs finden und eine Zukunft haben.

Ich rufe hier nicht nach dem Staat. Der Staat und die Politiker können Rahmenbedingungen schaffen. Arbeitsplätze werden aber von Unternehmern geschaffen, die aus Ideen Produkte erstellen und sie erfolgreich an Konsumenten verkaufen, die dann auch faire Preise bezahlen. Ich appelliere an den Unternehmergeist. An unsere Unternehmen vor Ort und an die Kleinunternehmer dort. Ich fordere Berufsschule auf, mitzudenken, ob sie über Partnerschaften helfen können, in jenen Ländern Berufslehren zu installieren. Ich fordere den Zivildienst auf, zu überlegen, ob unsere Zivis einen guten Dienst auch ausserhalb unserer Landesgrenzen leisten können und ich fordere diejenigen Menschen auf, die hier Asyl erhalten haben, mitzuhelfen, dass ihre Leute zu Hause an Wissen kommen und lernen, wie eine Gesellschaft auch funktionieren kann.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich pathetisch anhöre. Ich bin zutiefst davon überzeugt, keine Armee und kein Politiker wird für den Weltfrieden sorgen. Weltenfrieden schaffen wir nur dann, wenn das freie Unternehmertum Arbeitsplätze schafft - überall und auf der ganzen Welt. Wenn Menschen keinen täglichen Überlebenskampf führen müssen, sondern auf sichere Arbeitsplätze zählen können. Das freie Unternehmertum, ob als AG oder als Genossenschaft, ob Freunde gemeinsam eine Firma gründen oder die Familie gemeinsam einen Betrieb führt, schafft Wohlstand. Und nichts schafft nachhaltiger Frieden, als eine Gesellschaft, die etwas zu verlieren hat. Wo Wohlstand für alle herrscht, werden keine Leute verfolgt. Wo es Wohlstand für alle gibt, muss niemand in die Schweiz flüchten, weil er zu Hause keinen Job hat oder politisch verfolgt wird.

In diesem Sinn fangen wir das Asyl- und Migrationsthema als globale Herausforderung an zu verstehen. Überwinden wir das klein-klein der Schweizer Politik und helfen wir, das Problem zu lösen. Die Schweiz hat dank ihrem Erfolg in der Vergangenheit, dank ihrem Wissen und ihren hervorragenden internationalen Verbindungen eine besondere Stellung in dieser Welt. Wir können der Entwicklung den richtigen Drall geben. Tun wir es. Denken wir langfristig und handeln wir danach. Geben wir der Entwicklung den richtigen Drall.

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