Neues CO2-Gesetz - bringt's was? (Nein) - Andere Lösungen wären vorhanden...

Der Strassenverkehr ist bedeutend am Gesamtschadstoffausstoss beteiligt, keine Frage. Mögliche Lösungsansätze um den Schadstoffausstoss vor allem des Individualverkehrs zu reduzieren sind zum Beispiel autofreie Tage, Temporeduktionen, Ausbau des ÖVs, generelle Steuererhöhungen, usw. - alles repressive Massnahmen um der Bevölkerung das Autofahren möglichst unschmackhaft zu machen.

Führt dies uns zum gewünschten Ziel? Ich meine nein. Diesen Kurs fahren wir nun bereits seit Jahren, doch sämtliche Steuererhöhungen und neue Gebühren sowie Schikanen an allen Enden und Kanten haben nicht zum erwünschten Ergebnis geführt: Es gibt immer wie mehr Autos in der Schweiz! Wir sind ein Volk von Autofahrern. Auch der Schadstoffausstoss nimmt deshalb immer weiter zu, letztendlich vermehren sich auch immer weiter die Staustunden, was wiederum den Schadstoffausstoss fördert und erst noch zu volkswirtschaftlichen Milliardenverlusten führt.

Seit dem 1. Juli 2012 gilt neu die CO2-Steuer. Autos mit einem CO2-Ausstoss von über 130g/Kilometer werden teurer - massiv teurer. Unzählige Autos, darunter auch Kleinwagen wie diverse Varianten eines VW Golfs, werden somit massiv teurer - zum Teil um über 10'000 CHF! Wieder einmal wird der Kunde mit einer neuen Strafsteuer geschröpft... Bedenken wir doch, dass 2010 der durchschnittliche CO2-Ausstoss bei 161g/Kilometer lag!

Ich will in diesem Betrag jedoch nicht über die offensichtlich vorhandene Anti-Auto-Mentalität von Regierung und Linken eingehen - wir Autofahrer sind es uns gewohnt, grundlos kriminalisiert zu werden und für die Budgetdefizite den Kopf - Pardon, die Brieftasche - hinzuhalten.

Ich bin heute auf einen interessanten Beitrag auf 20min.ch gestossen.

Kurz: Wir verzeichnen ein Rekordjahr, was die Verkäufe von neuen Strassenfahrzeugen angeht. 238'000 neue Fahrzeuge waren es im ersten halben Jahr, damit sind wir auf gutem Weg, das Rekordjahr 2011 mit insgesamt 420'900 Neuzulassungen zu übertreffen.

Das Hoch im ersten Semester kommt nicht überraschend, logischerweise haben viele Personen noch vor der Einführung der neuen Steuer ein neues Auto gekauft und somit tausende von Franken gespart.

Neuwagen sind bedeutend effizienter als ältere Fahrzeuge. 2010 verbrauchte der durchschnittliche Neuwagen 6.62 Liter pro 100 Kilometer, gegenüber dem Vorjahr sank dieser Wert um 3.5%. Besonders...

  • Gewichtsreduktionen
  • technische Erneuerungen wie effizientere Motoren
  • die Erweiterung der Gänge auf 7 oder 8 bei Automaten
  • schnell schaltende Automaten
  • Start-Stop-Automatik
  • Eco-Drive-Modus
  • Zylinderabschaltung
  • Rekuperation (Nutzung der Bremsenergie)

...werden auch in Zukunft für weitere Verbrauchssenkungen sorgen. Die Technik hat in den letzten Jahren wahnsinnige Fortschritte gemacht, die Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt: Verbrauchsarme Autos liegen im Trend, denn Umweltschutz ist in weiten Teilen der Bevölkerung ein gängiger Begriff. Wir alle sind im Prinzip an einer nachhaltigen Lebensweise interessiert und nicht zuletzt ist es für jeden einzelnen Autofahrer von Vorteil, weniger Sprit zu verbrauchen -> weniger Kosten.

Nun zum eigentlich spannenden Teil - obwohl es immer wie mehr Autos und Autofahrer in der Schweiz gibt; obwohl 2011 und 2012 Rekordjahre in Sache Neuzulassungen sind: Ich stelle mir seit einiger Zeit eine einzige, sehr zentrale Frage:

Wann erreichen wir den Umkehrpunkt?

Oder mit anderen Worten: Ab wann erreichen wir, durch technische Erneuerungen, den Punkt, von wo an trotz zunehmender Anzahl Autos auf Schweizer Strassen der Gesamtverbrauch zumindest stabilisiert und danach nach und nach verringert werden kann? Dies wird möglich, indem die Autos immer wie effizienter werden.

Beispiel:

Jahr x

  • Person A besitzt alter Wagen mit 8.0 l/100km Verbrauch, fährt 100km pro Jahr
  • Person B besitzt alter Wagen mit 9.0 l/100km Verbrauch, fährt 100km pro Jahr
  • Person C besitzt keinen Wagen

Gesamtverbrauch: 17 Liter

Jahr x+1

  • Person A kauft Neuwagen mit 4.0 l/100km Verbrauch, alter Wagen wird verschrottet, fährt 100km pro Jahr
  • Person B kauft Neuwagen mit 5.0 l/100km Verbrauch, alter Wagen wird verschrottet, fährt 100km pro Jahr
  • Person C kauft Neuwagen mit 4.5 l/100km Verbrauch, fährt 100km pro Jahr

Gesamtverbrauch: 13.5 Liter

Natürlich ist dies ein sehr einfaches und unrealistisches Rechenbeispiel - obwohl insgesamt mehr Personen ein Auto fahren und insgesamt mehr Kilometer zurückgelegt werden, nahm der Verbrauch ab.

Meiner Meinung nach wäre es spannend zu errechnen (oder eine Studie darüber zu machen), ab wann wir diesen Punkt erreichen - ab welchem Durchschnittsverbrauch könnten wir - rein theoretisch - den Verbrauch trotz steigenden Zahlen an Autos senken?

Die offensichtliche Lösung

Aus meiner Sicht sollten Strafsteuern und Schikanierungen restlos aus dem Gebührenkatallog gestrichen werden und durch eine neue Steuer ersetzt werden. Dieses Geld soll den Autoverkäufern zugestellt werden, damit könnte die Verschrottung und das Recycling der alten Wagen, sowie deren Abfrackprämien bezahlt werden.Dies macht den Kauf eines Neuwagens bei gleichzeitigen Verkauf des alten Wagens (+ dessen Verschrottung) für den Kunden attraktiv, fördert die Wirtschaft (da mehr Neuwagen verkauft werden) und fördert wie wir am (einfachen) Rechenbeispiel oben gesehen haben auch den Umweltschutz. Und nicht zuletzt steigt auch die Zufriedenheit bei den Kunden (höchstwahrscheinlich), da Neuwagen nicht nur sicherer sind, sondern auch unzählige andere Zusatzfunktionen gegenüber alten Wagen bieten (bessere Bedienung, neues Design, etc.) Da von diesem Angebot lediglich Autofahrer profitieren können, welche bereits einen Wagen besitzen, wird der Strassenverkehr auch nicht künstlich vervielfältigt, indem komplett "neue" Autofahrer durch Schleuderpreise angelockt werden. Es ginge einzig und allein darum, den Kauf eines Neuwagens attraktiver zu gestalten.

Durch immer wie mehr und immer wie höhere Strafsteuern werden wir den Schadstoffausstoss nicht schnell genug senken können, ganz im Gegenteil - der Kauf eines neuen Wagens wird so unattraktiv gestaltet, auch wenn dieser weniger verbraucht als mein alter Wagen, muss ich trotzdem "Strafsteuern" bezahlen - diese Logik geht nicht auf. Was wir brauchen sind Anreize und Unterstützung für die Kunden und für die Autoverkäufer (und nicht deren Bestrafung) - besonders für letztere, welche bereits heute Milliarden in Effizienzmassnahmen investieren!

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