Beamtenallergie

Da kommt sie wieder, vom Winde angetragen, immer in den Monaten Mai, Juni und Juli: Nein, es ist nicht die Pollenallergie - es ist die Beamtenallergie. Wie von den orkanartigen Böen, welche momentan über das Land fegen, von Unternehmen zu Unternehmen gescheucht, flattern zur Zeit die sogenannten "Arbeitsstellenüberprüfer" in die Filialen und machen Unternehmern und Arbeitenden das Leben schwer.

In diesem Beitrag erhalten Sie einige real-life Hintergrundinfos, wie es zu einer solchen Beamtenallergie kommen kann: Basierend auf wahren Gegebenheiten, welche so tagtäglich in der Schweiz vorkommen versteht sich.

Bürokratiewahnsinn als Grundproblem
Die Bürokratie-Initiative der FDP ist - leider - gescheitert. Verloren ist nichts, denn die Bürokratie kann man schwer mit einer Initiative bekämpfen, ich bezweifle, dass die FDP-Initiative etwas an den heutigen Gegebenheiten verändert hätte. Dazu muss man mit schwererem Geschütz auffahren. Das Problem muss an der Wurzel gelöst werden:

In den letzten 10 bis 15 Jahren haben Bürokratie und Schnüffeleien des Staates massiv zugenommen. Die einstige bürgerliche Wand bestehend aus FDP und SVP bröckelt, nicht nur in Bezug auf die Sitzverluste: Auch in Bezug auf die Sachpolitik (Aufblähung des Staates verhindern, Reglemente und Vorschriften abbauen, etc.) beginnt man die Auswüchse der Linken Staatspolitik ("Der Staat - dein Freund und Helfer") zu spüren.

Der Staat ist nicht die Lösung für unser Problem, der Staat ist das Problem

Ronald Reagan

Die Bürokratie kann man also nur direkt an der Wurzel verhindern und, meiner Meinung nach, auch nur dort wieder abbauen: Bei der Gesetzgebenden Kraft, dem Parlament. Geschätzte 50 Milliarden (!) - MILLIARDEN, nicht Millionen - CHF gehen in der Schweiz jährlich den Bach ab. Gemessen am BIP (rund 527 Milliarden CHF) sind dies gut und gerne 10% - Waaaaaaaahnsinn!

Wir brauchen nicht einen schlanken Staat, wir brauchen einen hungerleidenden Staat! Denn je mehr du ihm gibst, desto mehr braucht er. Oder anders gesagt: Der Staat bekommt nicht so viel Geld, wie er braucht, er braucht so viel Geld, wie er bekommt. Wir müssen also den Gürtel enger schnallen - viel enger!

Wie unser liebes Steuergeld (nebst Sozialhilfemissbrauch, Korruption, Fehlinvestitionen und dergleichen) aus dem Fenster geworfen wird, sehen Sie nämlich etwas weiter unten im Beitrag.

An dieser Stelle bilden sich die ersten Symptome der Beamtenallergie, welche oftmals mit dem Bürokratiewahnsinn zusammen auf der Türmatte steht. Eine leichte Wut kocht in mir hoch... Noch ist es keine richtige Wut, eher ein nervendes Hintergrundgeräusch.

Der erste Kontakt
Und nun geschieht es. Es ist ein ganz normaler Tag in einem Winterthurer Geschäft in der Innenstadt (anonymisiert). Das Geschäft hat 3 Stockwerke und wurde erst vor ein paar Jahren komplett neu eingerichtet, Renovationen und Anpassungen an die neusten Standards wurden vorgenommen. Die Kunden sind im Laden, die Verkäuferinnen (ausschliesslich Frauen) sind beschäftigt.

Und da geschieht es: Plötzlich liegt eine Spannung in der Luft. Der Tag scheint zur Nacht zu werden - nicht weil eine Gewitterwolke sich vor die Sonne verschoben hat, nein: Ein Beamter hat den Laden betreten. Mit grossen Schritten nähert er sich der Hauptkasse und verlangt, ohne zu grüssen, nach der Filialleiterin.

Diese erscheint wenige Augenblicke darauf und fragt, wie sie helfen könnte. Natürlich weiss sie dies haargenau: Der Arbeitsstellenkontrolleur ist weit bekannt und weit gehasst. Mehrmals im Jahr erscheinen ohne Voranmeldung Beamte, welche die Arbeitsbedingungen und die Ausgestaltung der Schweizer Geschäfte inspizieren. So auch heute. Spannung liegt in der Luft.

Wenige Minuten später: Auch dieses Mal droht die Situation zu eskalieren, es ist nicht der erste Streit mit einem Beamten. Das gesamte Team, vom einfachen Kader, über den Architekten bis zum CEO höchstpersönlich haben das Beamtengesindel auf der Latte. So stark, dass auch dieses mal eine Angestellte fast auf den Staatsangestellten losgeht, hätte sie die Filialleiterin nicht zurückgehalten. Kurz darauf verlässt der Mann das Geschäft - ohne Verabschiedung - man werde noch von ihm hören.

Doch wie kam es - schon wieder - zu dieser Hass-Situation? Wir spulen die Zeit etwas zurück, kurz nachdem der Beamte seine "Arbeit" aufgenommen hat: Überprüfen, schnüffeln, kontrollieren, Daten abgleichen, Vorschriften durchsetzen, unhöflicher Umgangston - dies die Standardprozedur. Schauen wir uns doch einmal an, was Mutter Staat uns so alles vorschreibt und wie die Gesetze durchgesetzt werden:

Die Symptome werden unerträglich
Mittlerweile verdeutlichen sich die Symptome: Wir können von einer waschechten Krankheit sprechen. Es gibt einen Erreger (Beamte und Bürokratie) und es gibt eine symptomatische Reaktion auf den Erreger (Frustration, Aggressionen, umständliche Prozeduren, usw.). Da der Erreger in regelmässigen Abständen wiederkehrt, können wir bereits in diesem frühen Stadium von einer Allergie sprechen. Es stellte sich heraus, dass die Krankheit weit verbreitet ist, besonders bei Menschen, welche tagtäglich ihr Geld hart in der Realwirtschaft erarbeiten.

Nun denn, zurück zur Bürokratie und zu unserem Beamten in Winterthur. Was muss er nun also alles überprüfen?

  • Räumlichkeiten für Arbeitnehmende: Obwohl im Geschäft ausschliesslich Frauen arbeiten, müssen sowohl Männer- als auch Frauengarderoben und Toiletten vorhanden sein. Die Einrichtung und die Grösse dieser Räumlichkeiten ist vom Gesetz her vorgeschrieben. Dies wurde bei der letzten Rennovation berücksichtigt (verursachte natürlich grosse Mehrkosten) und somit geht der Beamte weiter zum nächsten Punkt.
  • Tageslicht ist Gesetz: Der Beamte fordert einen schriftlich erstellten Plan ein, welcher die Rotation der Arbeitnehmenden festhält (mit detaillierter Auflistung mit Name, Tätigkeit, genauer Ort und Zeit). Denn das Tageslicht fällt nicht in jeden Winkel des Geschäfts - laut Gesetz muss jedoch jeder Arbeitnehmer während seiner Arbeitszeit eine gewisse Zeit das Tageslicht erreichen können. Auf die Bemerkung der Filialleiterin "und was ist mit den ganzen Bahnhofangestellten oder Angestellten in Verteilzentren oder im Coop oder Migros?" meint der Beamte schnippisch: "Diese Filialen gehen mich nichts an, wir sind hier jetzt bei Ihnen!" Spätestens jetzt ist die Stimmung nahe dem Gefrierpunkt angelangt. Es ist totenstill im Laden.
  • Brandschutzverordnungen zum Durchdrehen: In den letzten hundert Jahren ist noch nie - NIE!!!! - auch nur eine einzige Person in einem Geschäft verbrannt. Trotzdem haben wir eine enorme Verschärfung der Brandschutzverordnungen zu verzeichnen. Sämtliche Durchgänge und Ausgänge und Mindestabstände zu Notausgängen ist vom Gesetz her vorgegeben. Diese werden vom Beamten mit dem Messband (ja, Sie haben richtig gehört: MIT DEM MESSBAND!!!) kontrolliert. In der besagten Filiale in Winterthur standen an 2 Durchgängen Ständer mit Accessoires, die Durchgänge waren jedoch trotzdem noch sehr gut passierbar. Prompt wurde eine Busse gesprochen, die Ständer mussten verschoben werden. Auf einer Wandfläche von 2 mal rund 2 Metern klafft dort nun an bester Lage gähnende Leere.
  • Es kann bald nicht mehr gebaut werden: Unsere Architekten, welche sich non-stop mit dem Ausbau unserer Filialen geschäftigen, laufen Sturm. Wenn es in diesem Stil weitergehe, könne man in 10 Jahren nichts mehr bauen, so der Grundtenor. Vorschriften und Reglemente steigen ins Unermessliche, jede Wanddicke und deren Zusammensetzung (Isolation, Stabilität, usw.) wird heute vom Gesetz vorgegeben. Ironie an der ganzen Sache: Die Isolationsvorschriften für Neubauten sind heute dermassen strikt, dass ein Gebäude in eigentlich jedem Fall nach dem Umbau eine extrem teuere (und leistungsstarke) Klimaanlage besitzen muss: Denn die Räume werden so schlecht durchlüftet, dass auch nur nach wenigen Tagen Schimmelgefahr droht (Überfeuchtung). Atomausstieg und Energieeffizienz lassen grüssen.
  • Jeder Millimeter zählt: In schätzenswerten Gebäuden (für den Heimatschutz sind das heute mittlerweile sämtliche Gebäude mit einem Alter von über 30 Jahren könnte man meinen) herrschen spezielle Vorschriften: Nur 20% der Fläche der Aussenfassade dürfen für Geschäfte verändert werden. Im Innenleben darf die Wandfläche kaum verändert werden. So kam es, dass für Geschäfte an bester Lage keine Wände durchschlagen werden durften. Es kommt noch dicker: Der Beamte stellte in Winterthur einen "groben Verstoss" fest: Unseren Architekten unterlief ein Fehler, sie hatten zwei Trennwände eines Durchgangs aus versehen 7.5 cm zu weit zurückversetzt. Diese Zentimeter mussten wir - auf Verordnung - wieder zubetonieren.

An dieser Stelle breche ich die Liste ab: Sie können sich nun in etwa vorstellen, wie eine solche Inspektion von Statten geht. Die Nerven liegen blank, am liebsten würde man den (äusserst unhöflichen) Beamten einfach aus dem Laden werfen. Doch dies sollte man keinesfalls tun: Ja nicht auffallen, sich ja nicht zur Wehr setzen, ja nicht widersprechen. Denn sonst nimmt die Inspektion kein Ende, jeder Winkel des Ladens wird auf den Kopf gestellt, nach jedem kleinsten Fehler wird gesucht. Und die Beamten haben die Macht die Gesetze durchzusetzen, gleich vor Ort.

Die Entscheidungen könnten weiter vor Bundesgericht gezogen werden (sowohl bei bestehenden Geschäften, als auch bei geplanten Umbauten). Doch wer tut dies schon? Ein paar zehntausend (wenn nicht hunderttausend) Franken aus dem Fenster werfen, um gegen einen Beamten zu gewinnen? Nein, das lohnt sich nicht (und meistens ist man auch nicht erfolgreich).

Viel eher akzeptiert man stillschweigend die Forderungen des Inspektors, man wehrt sich halbwegs passiv (wichtigsten Veränderungen werden vorgenommen, den Rest vertuscht man und hofft, dass das Ganze unentdeckt bleibt).

Gesellschaftlicher Einfluss- und Wandel: Die Allergie
Das, meine Damen und Herren, geschieht jeden Tag dutzende Male. Wir sprechen hier von einer weit verbreiteten Allergie, einer Allergie gegen den Nonsens, einer Allergie, welcher tagtäglich hunderte, wenn nicht tausende Menschen zum Opfer fallen und gegen welche es (anders als bei einer Pollenallergie) keine Heilmittel gibt. Man kann ihr, als einfacher Unternehmer oder Arbeitnehmer, kaum mehr entkommen. Früher oder später erwischt es jede(n).

An dieser Stelle möchte ich doch noch klar festhalten, dass ich mit diesem Beitrag in kleinster Weise irgendwelche Beamten direkt beleidigen will. Lehrer, Polizisten oder Buschauffeure sind auch Beamte und diese machen ihren Job (im allermeisten Fall) sehr gut und müssen wie alle anderen ebenfalls hart arbeiten. Leid tun mir persönlich speziell jene Beamten, welche keine andere Wahl hatten: Man ist nun Securitas und der Arbeitstag besteht darin, Dutzenden von Autofahrern ein Zettelchen auf die Frontscheibe zu montieren oder man ist Arbeitsstellenkontrolleur und wird dazu gezwungen die Gesetze durchzusetzen. Auch das gibt es immer wieder.

Leider unterscheidet man bei Allergien nicht zwischen "lieben Pollen" und "bösen Pollen". Eine Allergie hat man oder man hat sie nicht. Und so kommt es, dass die Allermeisten von uns schon nur einen gewissen Hass verspüren, wenn sich eine "Zettelpupe" au