Unlimitierte Flüge für den Zürcher Stadtflughafen, unlimitierte Lärmemissionen für die Bevölkerung.

Von Norden anfliegen und von Süden und Osten landen so sieht der von Doris Leuthard ausgehandelte «Kompromiss» aus. Gewinner sind allein die süddeutschen Gebiete und der Zürcher Flughafen. Verlierer sind alle bisher oder neu von Fluglärm betroffenen auf Schweizer Boden.
Nach deutscher Norm gemessen, übersteigen die Lärmwerte in den süddeutschen Gebieten nie und nirgends einen kritischen Wert. Will heissen über Hohentengen und dem Schwarzwald gibt es keinerlei Lärmwerte vor denen – nach deutschen Normen – die dortige Bevölkerung zu schützen wäre. Zu den absoluten Winnern gehört auch der Zürcher Stadtflughafen. Der ausgehandelte «Kompromiss» erfüllt alle seine Vorstellungen von ungebremstem Wachstum: Unlimitierte Flugbewegungen, keinerlei Plafonierung dazu ein weiterer Ausbau einer wichtigen Piste. The Winner takes it all. Frau Leuthard hat alles gegeben um dem Flughafen zu dienen und nichts erreicht um die Bevölkerung zu schützen.
Mehr als 70 Prozent der Flüge zum Zürcher Fluhafen wird von deutschen Airlines erbracht! Swiss(hansa) Lufthansa, Airberlin...
Airberlin zum Beispiel wollte in jüngerer Zeit in Berlin einen Superhub einrichten. Berlin hat das verhindert. Seither betreibt Airberlin ihren Hub in Zürich.
Zürich als internationalen Hub zu betreiben war übrigens die Idee des Herrn Brugissers. der dank seines Verlustes an Realitätsbezügen auch die Swissair ins Grounding geführt hat. Er hatte damals grossartig verkündet, dass die Swissair Genf und Basel nicht mehr anfliegen werde, dafür soll Zürich zum Superhub ausgebaut werden. Der Um- und Ausbau des Zürcher Flughafen hat dann um die 8 Milliarden Franken gekostet. Und niemand kam auf die Idee, wenigstens eine der Milliarden an Süddeutsche Firmen zu vergeben. War das Dummheit oder Strategie?
Früher als der Flughafen noch eine erträgliche Grösse hatte, sass Bundeskanzler Kohl im Verwaltungsrat der CS und der deutsche Verkehrsminister Wissmann im Verwaltungsrat des Zürcher Flughafens.
Mit dem verblendeten Wahn einen Stadtflughafen als Umsteigeflughafen zu betreiben wurden dann alle solchen «Vergünstigungen» für deutsche Politiker gekappt. Der Zürcher Regierungsrat Ruedi Jeker, (1999–2007) damals auch im Verwaltungsrat des Flughafens liess meistens die Sitzungen mit Süddeutschen Politikern platzen oder ging gar nicht erst hin. Das Ergebnis dieser Arroganz war dann das Zerwürfnis mit Deutschland und die von Deutschland diktierten Verordnungen. Und schliesslich die Südanflüge. Verschwörungstheoretiker haben leichtes Spiel hinter dem ganzen Behavior eine Strategie zu vermuten: Ohne Zerwürfnis keine Südanflüge und auch keine, wie neuerdings geplant, Straight-Starts geradeaus in den dicht besiedelten Südeni.
Der Zürcher Flughafen ist historisch nach Norden gewachsen. Raumplanung- und Umweltschutzgesetz verbieten nach wie vor Überflüge des dicht besiedelten Südens des Flughafens. Ein Superhub jedoch, der nicht in jede Richtung starten und landen darf, macht eine schlechte Figur und hat vor allem ein beschränktes Wachstumspotential. Ohne Zerwürfnis mit Deutschland hätte der Süden nie «geknackt» werden können.
Quasi über Nacht wurden dann die Südanflüge eingeführt, die über dichtest besiedeltes Gebiet führen. Per Notrecht. Tausende von Klagen bleiben seit Jahren unbehandelt in Schubladen versenkt.
Das sollte auch all jenen zu Denken geben, die selbst nicht von Fluglärm betroffen sind. Es war meines Wissens das erste Mal seit Ende des zweiten Weltkrieges, dass zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen eines privatwirtschaftlich geführten Betriebes Notrecht verhängt wurde um bestehende Gesetze auszuhebeln. Seither ist Notrecht zu einem gängigen politischen Instrumentarium geworden: Zur Wahrung der Interessen einer Chemiefirma, die in einem geschützten Moor eine neue Fabrik bauen wollte zum Beispiel, oder zur Rettung der maroden UBS.

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