Der Wachstums- oder Einschränkungstyp

Wenn die Weltbevölkerung schneller wächst als die Fähigkeit des Planeten, Nahrungsmittel und anderes zum Leben Notwendiges hervorzubringen, steigen die Kosten für diese Güter. Zugleich sinken die Löhne, weil mehr Menschen als Arbeitsplätze vorhanden sein werden. Früher oder später werden wir uns keine Kinder mehr leisten können und folglich keinen Nachwuchs mehr haben. Ein plötzlicher Bevölkerungskollaps steht uns bevor. So die These von Thomas Maltus vor rund 200 Jahren. Auf ihn folgten 1'000e von Wissenschaftlern, Philosophen und Politikern, die ins selbe Horn stiessen. Die heute noch berühmtesten Vertreter gehören zum Club of Rome. Wenn wir so weiter machen, steht die Menschheit vor dem Ruin.

Bis jetzt ist keine dieser Prophezeiungen eingetreten und so wie es Untergangspropheten gibt, gibt es die Fortschrittsgläubigen. Angeführt in jener Zeit von William Godwin. Ein Optimist, der an die Fähigkeiten der Menschen glaubte, alle Probleme durch Fortschritt zu lösen. Dass die dunklen Vorhersagen von Thomas Maltus nicht eintraten und Europa nicht verhungerte, hat vor allem damit zu tun, dass der Mensch die moderne Landwirtschaft erfand. Auf einmal war es ihm möglich, produktiver Nahrungsmittel herzustellen und zu vertreiben. Anhänger des Wachstumstyps sind überzeugt, egal welches Problem auf uns zukommt, Technologie ist die Antwort. Und die letzten 200 Jahre scheinen den Optimisten recht zu geben - oder etwa doch nicht?

Menschen, die dem Weltbild der Einschränkung angehören, sehen in jedem technologischen Fortschritt nur eine kurze Verzögerung, bis es endgültig knallt. Da die Moderne die Produktion günstiger macht, werden Produkte billiger und mehr verkauft. Dadurch steigt der Ressourcenverbrauch und die Welt rast nur noch schneller an den Abgrund.

Vertreter beider Seiten bezeichnen die Anderen als naiv. Die Fortschrittsgläubigen halten die Bremser für Panikmacher und die Bremser halten die Fortschrittsgläubigen für blind. Man kann sich vorstellen, wie Diskussionen ablaufen, wen zwei gegensätzliche Weltbilder aufeinanderprallen. Wer sich dies nicht vorstellen kann, soll ein paar Beiträge zum Thema Weltbevölkerung, Umwelt oder Gentechnologie auf Politnetz lesen.

Ausser bei den Grünen und bei der GLP findet man die beiden Typen in allen Parteien wild gemischt. Der technikaffine SVP’ler wird sich in gewissen Themen schneller mit dem aufgeschlossenen SP’ler finden, als der fortschrittsfeindliche SVP und SP’ler. Wenn Sie also eine Diskussion führen, fragen Sie sich nicht nur, was ist Ihr Gegenüber für ein Argumentationstyp, sondern auch, welchem Weltbild Sie und welchem Ihr Gegenüber angehört.

Ein hervorragender Artikel zum Thema gibt es im Harvard Business Manager, das Ende der Ideologien.

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Kommentar von Alex Schneider:

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